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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-11 · Heft 13 (11.4.1890) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 13 (11.4.1890)
Date
1890-04-11
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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- 192 andere Gebiete der Wohlthütigkeit ist bereits viel gethnn, für das von mir bezeichnete noch sehr wenig. - Wenn dieser Portrag die Anregung geben sollte, das', Männer oder Frauen, welche niilbc Stiftungen zu errichten beabsichtigen, für die Mädchen-Grziehung im angegebenen Sinne sich interessiren wollten, so wäre dies auf das Freudigste zu begrüßen. Allerdings werben die Menschen durch den Anblick von Krankheit und Hilflosigkeit eher zu freiwilligen Gaben angeregt, als durch den Gebautem solche Zustande zu verhüten, und deshalb ist es sehr begreiflich, daß die Mittel zur Abhilfe von eingetretenerr Krankheiten und zur Fürsorge für das hilflose Alter reichlich gewährt worden sind und noch jetzt zufließen, aber besser ist es doch, auf die B e r h ü t u n g solcher Zustänbe rechtzeitig Bedacht zu nehmen. Ans diesem Gedanken ist „der Vorschlag" entsprungen, welchen ich mir erlaubt habe, Ihnen zu unterbreiten. Wenn Sie an dessen Verbreitung und Verwirklichung sich betheiligen, dann werden Sie, wie ich glaube, ein gutes Wert thun und Viele beglücken, dadurch aber die edelste Anfgabe erfüllen, welche uns Menschen gestellt ist. O König Joschijahu. Bon Dr. jur. Goorg Minden. Berlin, 2. April. In jedein Frühjahr, wenn die Wälder und Felder anfangen grün zu werden und in den altfrommen Familien die Hausfrauen in Wirthschaft und Küche allen alten Sauerteig sorgsam bei Seite schaffen, gedenkt man jenes wunderbaren Auszuges aus Egypten, durch welchen das Haus Israel sich von der Bedrückung seiner Bedränger befreite. Ein verstockter Tyrann, dessen Befehle grausame Schergen vollstreckcn; ein Bolk, das sich gewaltsam aufraffte, um die Sklavenketten zu brechen, harte Verfolgung und wunderbare Errettung durch Gottes gnädige Hilfe — das sind die charakteristischen Zeichen des ersten Pessachsestes und wo irgend ein Volk auf der Erde, dem die Bibel bekannt geworden, unter ähnlichem Joche seufzt, da schöpft es Muth und Hoffnung aus dieser unvergleichlich großartigen Erzählung. Aber dies Pessachfest ist nicht das einzige, von dem die heiligen Bücher sprechen; nicht immer koinmt der Truck von oben, die Befreiung von unten. Ebenso oft ist es auch der Fürst, der aus eignem Antrieb sein Volk befreit von finstern Vorurtheilen, die es quälen, der erleuchteten Sinnes und mit kräftiger Hand den zerrissenen inneren Frieden wieder herstellt, den alten Sauerteig, der sich im Laufe der Zeiten angesammelt, anskchrt und dann in Gemeinschaft mit seinem Volk das Ostern feiern kann, wie es von König Josias berichtet wird: „Es ist nicht geopfert worden ein solches Pessach seit den Tagen der Richter, die Israel gerichtet." Unsere Quellen erzählen in ihrem naiven Chronikenstil, lvie der König, besten Vorfahren mehr als vier Jahrhunderte hindurch über das Reich Juda geherrscht hatten, in früher Jugend den Thron seiner Väter bestiegen, wie er den Befehl gegeben, daß der Tempelschatz zur Ausbesserung der baufälligen Theile des Tempels verwendet werde, wie bei dieser Gelegenheit das Gesetzbuch aufgefnnden worden sei, das von Mosel) herstammte, wie man es dem Könige gebracht, wie dieser es seinem ganzen Volke feierlich verkündigt habe, lvie er seine Vorschriften ausgeführt, wie er die Unsittlichkeit bekämpft und die Pfaffen zerschmettert habe, die die Eltern veranlaßte», ihre Kinder „durch das Feuer zu führen." König Josias stellte den von Mose eingesetzten reinen Gottesdienst wieder her — so sagen unsere Weisen der Vorzeit, und so sagen auch die Orthodoxen der Tochterreligion. Ein Thrill der modernen Forscher behauptet dagegen: der Gottesdienst, wie itml Josias geordnet, stamme nicht aus der Urzeit; er sei vielmehr ctw,w> neu Erstandenes, das Endresultat einer langen Entwickelung, des Geistesprodukt der Schule jener großen Geister, die wir! Propheten nennen, vor Alten des Jesaias. Für unsere Betrachtung ist dieser Streit, ob das Alte uüedei hergcstellt, oder etwas Neues geschaffen wurde, ohne Bedeutung, |w giebt einen Standpunkt, wo der Unterschied zwischen Alt und Neu.! zwischen Konservativ und Fortschritt verschwindet, und wo es um auf die Wärme des religiöse» Empfindens ankommt. Die größten Reformatoren sind der festen Ueberzengung gewesen, daß sie nur dallrsprünglichc in der Religion iviedcr herstellten, und die strengsten Beobachter überlieferter Formen haben keinen Augenblick gezweifeli. eine Vorschrift, die sie vorgefunden, abzuschaffen, sobald sie sich über zeugt hatten, daß sic den Geboten Gottes nicht entsprach. Für uns ist von Interesse nur die knappe, aber deutliche Schilderung dejugendlichen Herrschers. Energisch und voll Wohlwollen greift er in alle Zweige der Staatsverwaltung ein, ordnet Finanz und Bauwesen, bringt die Störer des religiösen Friedens zur Ruhe und regiert sein Volk nach dein Gesetzbuch, das zwar streng und furchtbar in seiner Ausdrucksweise, dessen Hauptgrundsatz aber ist: „Du sollst lieben Deinen Nächsten, wie Dich selbst." Es war dem Könige Josias nicht beschieden, die Früchte seiner Herrscherkunst lange zu genießen. Wie er versucht hatte, nach June» sein Volk glücklich zu machen und es auf der Grundlage der Religiosität und Sittlichkeit zu regeneriren, so wünschte er es auch nach Außen hin von den mächtigen götzendienerischen Nachbarn frei und unabhängig zu sehen. Als der König Necho von Egypten ihn unterwerfen wollte, zog er ihm mit seinem Heere entgegen. Aul der Ebene von Megiddo trafen sie auf einander. Die Juden wurden von der lieberzahl geschlagen und Josias besiegelte, zum Tode verwundet, sein edles Streben mit seinem königlichen Blute. Wenige Jahrzehnte später fiel auch sein Reich in Trümmer, und sein Volk zog in'- babylonische Exil. Doch nicht umsonst starb der heldenhafte Vorkämpfer monotheistischer Weltanschauung; wenn er heute nach 2500 Jahren wieder kehren und die Erde durchziehen würde, er würde von Zion bis San Franzisco, voir Megiddo bis Australien, von Norwegen bis zw» Copland überall Nachkonimen seiner Unterthanen finden, mit denen er jenes Passah gefeiert; Nachkommen, in denen dieselben religiösen Gedanken fortleben, für die er und seine Mitkämpfer aus dem Felde der Ehre gefallen sind. Ja noch mehr: vergebens würde er fiel) Umsehen nach den unsittlichen Kulten seiner Widersacher: kein Baal rind kein Ascherah, keine Sonnenrosse und kein Molech, kein Kemosäi und kein Milkom mehr. Selbst die erbittertsten Feinde seiner Stamniesgenossen — tun dem Gott Israels beugen sie heute in Andacht ihr Haupt. Der Eid an Sabbath und Festtag. Ibiesetzgek limir, an IRechtsvk Isclwnen, ftmicksü > erheblich Inmnnar I »iclit in Idee Bei 1 nur reib p'uhetao I wendig I aas; da taugert UUTbClt wie alle alter ui im Aar miheid tigt ob< irgenb ' I werden. eii t)\ 111)000 nengerii; eer Ei Tie Re Rechte Teil m ihrer S | gebeilig Wir h nlireitei Höchster die rs-r religio) leisten Gesebw aüerbii Jagen letzung Aöthia Art ist Staate aber i Gewiss mortui | Werth umfaß eines dienen stritten tonnte Gleicht Von Rabbiner Dr. Tobias Cohn in Potsdam. (Schluß.) Mehr jeboch, als in bon bisher möglichen Fällen, macht sich iw Institut des Geschwornengerichts, bas feit ber Bewegung von 184s in Preußen entstaub, ein Anspruch auf Ausgleichung ber religiösen Ruhegesetze mit ber Ableistung ber staatsbürgerlichen Pflichten geltend. Denn hatte es früher ber Richter in seiner Hanb, im Sinne der

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