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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-04 · Heft 12 (4.4.1890) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 12 (4.4.1890)
Date
1890-04-04
Page
Seite 188 (sequence 12)
Language
German
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188 wirft mehr ab, zudem habe ich Erträgnisse aus den Besitzungen meiner Gemahlin in Steiermark. Ich kann zahlen, ohne daß ich mich auffallend einschränke. Beim Andenken an Deinen Sohn - Simonides — schlag ein, und ich will Dir danken, mein Lebelang." <Schluß folgt.» 9 Eine alte Geschichte. II. Buch Mose, Kap. 10-16. B. IO. Der Treiber und der Bögte Mund That nun den Juden dieses kund: „Also spricht König Pharao, Ich gebe fürder euch kein Stroh. B. ll. Geht hin und sucht das Stroh allein, Allwo cs wird zu finden sein, Doch wird drum eure Arbeitspflicht Auch um ein Haar vermindert nicht!" B. 12. Ta ging das Lolk durch'S ganze Land, Und schaffte Stoppeln sich zur Hand. B. 15. Tic Treiber aber drängten sehr: „Schnell schaffet eure Arbeit her, Das Tagewerk vollständig so, Als wenn ihr noch erhieltet Stroh!" B. 14. Und Prügel jeder Bogt erhält, Den sie in Israel angestellt, „Denn was schafft Ihr die Ziegel nicht, Wie's war von jeher eure Pflicht!" B. 15. Ta zog nun hin zu Pharao Kind Israel und schrie also: „Sieh Herr, wie deinem Knecht geschieht, B. 16. Daß man mir erst das Stroh entzieht, Die Ziegel dann von mir verlangt, Zuletzt mit Prügeln sich bedankt". * * * Tie Verse Hab ich aufgefrischt, Zu zeigen wie man heut noch drischt Das Stroh, das schon gedroschen war Gar viele, viele hundert Jahr. Samuel K r i st e l l e r. U Litterarische Mitthetlungen. Der Litteratur-Verein Mekize Nirdamin (Erwecker der Schlafenden) hat vor Kurzem in seinem fünften Jahrgang vier hebräische Werke versandt. Als das bedeutendste derselben kann das Machsor Vitry bezeichnet werden; das mit kritischen Noten aus einer Handschrift der Oxforder Bibliothek von dem Rabbiner Hurwitz herausgegeben worden. Der Verfasser Simcha b. Samuel aus Vitry (nicht zu verwechseln mit einem jüngeren Gleichnamigen aus Speyer) wird für einen Schüler Raschi's, von Einigen sogar für dessen Schwiegersohn gehalten und gehört dem 12. Jahrhundert au. Sein Werk: Machsor Vitry, das schon von Luzatto im Kerem Chemed III. beschrieben worden, ist eine Zusammenstellung religiöser, zumal synagogaler Bräuche, Gebete, biblischer Vorlesungen mit aramäischen Uebersetzungen und sonst dahin gehöriger Vorschriften. Für kritische Bearbeitung talmudischer und targumischer Texte ist das Buch von anerkennenswerther Bedeutung, und der Herausgeber hat nach dieser Seite hin Gelegenheit gehabt, seine selten talmudische Gelehrsamkeit zu zeigen. — lieber die Schriften des anderer Simcha, besonders seine synagogalen Arbeiten, vgl. Zunz: Litteratw geschichte der synagogalen Poesie S. 309 ff. Ein zweites durch den genannten Verein an das Tageslicht de förderte Werk ist der Hiob-Kommentar von Samuel b. Nif sin Masnut, herausgegeben von dem eben so fleißigen als gelehrte, Salomon Bub er in Lemberg, mit Anmerkungen und Nachweisen, m man es an den vorzüglichen von Buber besorgten Ausgaben dis Tanchuma, Pesikta, Lekach tob, Schibole Leket u. s. w. gewohnt in Samuel b. Nissim war um 1200 Vorsteher in Aleppo, hat außer de» Buche Hiob einen großen Theil der Hagiographen kommentm und war auch synagogaler Dichter. Er wird u. A. von Charisi in Tachkemoni gerühmt; das von Zunz (,Literaturgeschichte u. s. w. S. 597 mit den Anfängen j-jpg? bezeichnet Lied ist hier vollständig au gedruckt. Die häufigen Anführungen des Targum zu Hiob, das Rasch ganz unbekannt geblieben, und das unserem Samuel in doppelte, Rezension Vortag, bilden eine beachtenswerthe Grundlage für ein» kritische Bearbeitung dieses Targum. Um den Nachweis der häufigen der Bezeichnung des Traktats entbehrenden Anführungen aus beiden Talmudeu hat der gelehrte 0(^113(^01sich ein besonderes Verdien'! erworben. Das dritte und das vierte Werk, die Halachot Gedolot nach einem vatikanischen Eoder herausgegeben von Dr. Hildesheimer und der Originaltext des Mainwnidischen Mischna-Kommentar^ herausgegeben mit hebräischer Uebersetznng von Dernburg in Pari" sind Fortsetzungen früherer Arbeiten, die erst, wenn sie vollendet sein werden, einer näheren Besprechung unterzogen werden können. Man darf sich wohl der Hoffnung hingeben, daß es den als Kuratoren de- Vereins genannten Männern gelingen wird, auch für die ferneren Jahrgänge Gaben 311 liefern, welche wahrhafte Bedeutung für die jübifdn Literatur haben; denn nicht jedes Buch, das in vergangenen Jahrhunderten hebräisch geschrieben wurde, ist der Veröffentlichung in bn Gegenwart werth. I). C. I 0sefina. Von G. Wolf. (Wien 1890. A. Holder.) Es in dies das neueste Werk des verdienstvollen Wiener Historikers Prof. G. Wolf anläßlich der hundertsteil Wiederkehr des Todestages Kaiser Josefs II. Das Buch enthält, ohne eine direkte Biographie geben »11 wollen, eine Fülle schätzenswerthen Materials für eine solche Biographie, sowie für die Erforschung der Kulturgeschichte des achtzehnten Jahr Hunderts. Ein spezielleres Interesse für uns hat das fünfte Kapitel, in welchem Kaiser Josefs Verhältniß zu ben Nichtkatholiken in Oesterreich behandelt wird. Was die Juden diesem Herrscher zu danken haben, darüber hat Wolf schon in einer größeren Anzahl von Büchern und Aufsätzen des Ausführlicheil berichtet. Er erzählt hier nur von der Aufhebung des Judenzeichens und der Leibmauth (noch vor Erlaß de- Tolerailzedikts), sowie von der Militärpflichtigkeit der Judell und bn Nobilitirung Einzelner. Das ganze Buch ist werthvoll und interessani geschrieben; es bietet and) Demjenigen, welcher seiner nicht zu wisse» schaftlichen Zlveckeil bedarf, eine angenehme Lektüre. Die theologische und historische Bedeutung des Altrn Testamellts. Vortrag von Prof. Tr. E. Siegfried. (Frankfurt a.M 1890. M. Diesterweg). Ein sehr lehrreicher und geistvoller Vortrag dessen Lektüre wir angelegentlichst empfehlen können. Professor Siegfried ist nach dem Heimgange von Delitzsch wohl der tüchtigste Kenner de-.' rabbinischen Schriftthums unter den deutschen Orientalisten. Er i" freifinnig und human, gelehrt und doch für jeden Gebildeten verständlni, und was die Hauptsache ist: er weiß seinen Leser stets von Neuem zu fesseln Auch die jüdische Wissenschaft kann voll ihrem Standpunkte den Aun führnngen nur zustimmen, die Siegfried auf dem Thüringer Kirchentage über die verschiedenen Betrachtullgsweisen der Bibel auf Grund eingehender Forschungen und großer Sachkenntniß gemacht hat. Das Wor! Tosafot statt Tosiftha auf Seite 1l ist sicher nur ein Schreibfehler. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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