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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-04 · Heft 12 (4.4.1890) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 12 (4.4.1890)
Date
1890-04-04
Page
Seite 187 (sequence 11)
Language
German
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187 Nach diesen Worten geleitete er die kleine, watschelnde Gestalt mit höflicher Artigkeit an die Thür und „Christoph, Christoph!" erscholl mte Stimme über den große n, einem prunkenden Tanzsaal gleicheneen Flur, worauf der Haiduck eilend herbeigelaufen kam, und die schleppe des Hauskleides fassend, der langsam die breiten Treppenstusen sich empor schleppenden Dame folgte. Wenige Minuten später stand ein kleiner gebückter Greis mit ernsten Mienen und klugen, thränenden Augen vor dem Besitzer der öerrschaft Dammholm. „Nun, was treibst Du, Simonides?" fragte der Graf und machte eine knappe zum Sitzen auffordernde Handbewegung. „Gute Gc- 'chüfte? Die Kornpreise sind hoch, da giebt's zu verdienen. Und das Älter drückt Dich nicht, schon die Liebe zuin Geldc hält Deine Sippe aufrecht und am Leben —" „Ordnung, Sparsamkeit und Ruh schließt dem Arzt die Thüre gnädiger Herr Graf," erwiederte Simonides mit bescheidener Würde. Das ist's! Geld — Erwerb? Hab ich doch nichts anderes gelernt. i'S ist auch nicht die Liebe zum Besitz. — Es ist die Arbeit — die Beschäftigung. Und ich habe eine große, arme Familie. Nicht alle Huden sind reich, einer hilft dem andern, so erfüllen sie die Gebote der Religion." »Ja, ja, Ihr wißt zu reden, wie die Schlange im Paradies!" rief Duvenstedt kurz. „Doch nun zur Sache, Simonides. Und setze r ich, das Stehen macht mich nervös —, setze Dich, wir haben lange ',11 sprechen. „Ich brauche abermals 10,000 Louisdor," begann der Graf, zog die Augbrauen zusammen und warf einen forschend schnellen Blick auf den Alten. „Kannst Du sie geben — und gleich?" „Nein, gnädiger Herr! Was ich und mein Vetter in Kopenhagen entbehren konnten, haben wir im vorigen Jahre zusammengebracht mit mehr Noth und Mühe, als Sie geglaubt haben. Ich vermag's nicht, und wenn ich's könnte, ich thät's nicht. Ich stehe vor dem 'Nabe und darf mich nicht einlassen auf so große Geschäfte." „So nennt mir Jemanden, mit dem ich verhandeln kann." Der Graf sprach's dringend und seine Enttäuschung nicht verbergend. „Ich weiß Niemanden, gnädigster Herr. Es wird auch schwerlich inner, der's hat, flüssig machen bei den Hypotheken, die auf Dammlwlm eingetragen. Schon die Sicherheit für mein Geld ist nicht voll, klommt Pestilenz und Krieg, werden die Güter gebrandschatzt, wie lamme ich zu den Zinsen, vom Kapital nicht zu sprechen. —" „Laß' die Reden, Jude. Immer thut Ihr nach Euren Worten, als ob Ihr Euch entblößtet von dem letzten Rock, und immer mäkelt ähr an dem Pfände, als sei's ein Bettel. Was abgemacht, ist abgemacht, was soll das alte Lied?" „Ich habe nur die Schwierigkeit begründen wollen, Gnädigster. Auf Ihre Fragen gab ich Antwort." „Aber eine schlechte. Ich weiß. Du kannst, wenn Du willst, und Sicherheit, Sicherheit? Das Vorwerk „Clementinenhof", das meiner 6>emahlin gehört, will ich Dir verpfänden." „Wollten Sie doch damals nicht, Herr Graf. Sagten Sie doch damals, es sei unmöglich nach dem Eigenthumsstatut, das verböte die Aufnahme von Geld." „Es war so, es ist heute anders —" Graf Duvenstedt erwartete, daß der alte Mann nach dieser Erklärung wieder das Wort nehmen werde, aber Jener sah fast finsteren Blickes vor sich hin, und die schmalen Lippen gingen auf und ab wie im Krampf. Offenbar drängte sich ihm etivas auf, was er gern gesprochen hätte, mit dem er aber aus Klugheit zurückhielt. „Ich kann's nicht, ich hab's nicht," stieß er endlich heraus. „Zu machen ist das Geschäft nur, wenn das Eigenthumsrecht von Clemenl tinenhof füllt an den Geldgeber, so lange das Kapital nicht ist i zurückgezahlt, und wenn es auf kurze Zeit gegeben wird. Das aber j will ich nicht verlangen, weil Sie sagen werden, ich wollt' Ihnen stellen eine Schlinge, auch könnt' ich, wenn ich hätte das Geld, cs nur geben, wenn auch die ersten 10,000 Louisdor würden sicher gestellt auf Clementinenhof, es müßte eine einzige Hypothek werden und; das Ganze rückzahlbar nach zwei Jahren." Der Graf, der mit erregter Miene zugehört, fuhr empor bei den letzten Worten und funkelnde Blitze schossen aus seinen klugen. „Nein, eher lasse ich meinen Sohn in Schande, und mich selbst exekutiren, ehe ich freiwillig Dich und Deinen Anhang einsetze in das Erbtheil meiner Vorfahrern. Simonides, Besitzer von Clementinenhof! Das würde Deinem Ohr klingen, Du habsüchtiger Schacherer!" rief der Mann und stieß einen von dem lauten Ruf aufgescheuchten Windhund, der sich ihm, die müden Glieder reckend, näherte, mit dem Fuß so unsanft bei Seite, daß das Thier wimmernd davonkroch. „Fort, pack' Dich, Racker!" giug's zornig aus Duvenstedt's Mmide. Der alte Simonides zuckte zusammen, fast mehr über die Brutalität, die dem Thiere ward, als iibcr die Begegnung, die ihm widerfahren. Er war's gewohnt seit seiner Jugend; solche Worte hatte er schon gehört von den adligen Standesherren zu Zeiten seines Vaters, der in einer kleinen, schmutzigen Gasse gewohnt hatte, und zu dem die Junker gekommen waren, wenn sie Geld brauchten. Simonides ward auf Millionen geschützt, nachdem er vor langen Jahren einmal mit einigen Standesgenossen, zu denen sein schwerreicher Verwandter in Kopenhagen gehörte, allen "Wachs aufgekauft, der zu haben gewesen. „Nun, dann ist ja nicht mehr zu sprechen, Gnädigster!" Hub er, sich erhebend, ehrerbietig aber entschieden und ohne auf des Grasen letzte Aeußerung etwas zu erwiedern, an, „bitte gehorsamst, mich zu entlassen." Aber der Graf, in dem ein gewaltiger Kampf vorging, schüttelte das Haupt. „Bleib!" ries er herrisch. „Wir reden »och weiter. Du zeigst mir, daß Du kannst, wenn Du tvillst. So wolle, aber mache andere Bedingungen. Ich gebe Dir erste Eintragung über die ln,000 Louisdor auf Clementinenhof und zahle jährlich 1000 nebst Zinsen zurück." „Können Sic nicht, gnädigster Herr," entschied Simonides, „1000 jährlich von den ersten, und 1000 von den zweiten, inacht 2500 Louisdor pro Jahr zahlen. Die ganze Herrschaft wirft nur das Dreifache ab, und Sie brauchen für Ihren fürstlichen Haushalt reichlich 6000. Wie können Sic zahlen 2500 Louisdor?" „Ich muß mich cinrichten, Simonides. Mein Sohn Wulf hat Schulden gemacht. Es steht viel, Alles auf dem Spiel. Zahle ich nicht, nimmt man ihn in Schuldhaft, und ich werde zum Gespräch im ganzen Lande und mißliebig am Hofe für alle Zeiten." „Graf Wulf —" nickte der Alte, „hatte ich doch auch einen Sohn, aber er war nicht leichtsinnig, sondern krank und starb. Ich hätte Alles hingegeben, wenn der Gott über mir ihn hätte erhalten am Leben." Der alte Kopf sank, und die Augenlider fielen wie von der Schwere des Schmerzes, tief herab. So verharrte der Greis stumm und tonlos. Aber als er sich emporraffte, und die knochigen Hände über die nassen Wangen strichen, sah er Graf Duvenstedt vor sich mit weichem Blick und bittender Miene: „Siehst Du, Simonides, wie das Herz spricht, wenn es sich i»» das eigene Fleisch und Blut handelt. Hilf mir aus der schweren Kalamität, und ich verpfände Dir mein Wort — Tu weißt, ich bin ein Edelmann und kein Schelm — daß Du Dein Geld zurückerhalten sollst in zehn Jahren, und was Du an Provision begehrst, bei Abschluß, ohne den Zins, ich gebe es! Tu irrst auch; Tammholm

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