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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-04 · Heft 12 (4.4.1890) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 12 (4.4.1890)
Date
1890-04-04
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 menschliche Interesse». Nur der non Jugend auf an Einfachheit Gewöhnte erlangt die Fähigkeit, sich in allen Lebenslagen schnell zurecht zu finden. Das dritte Symbol, das Bittertrant, sagt an, das; „die Ägypter das Leben rmserer Vater »erbittert hatten." Werden jene lieblosen, mizrischen Naturen jemals anfhürcn? Ter Scderabend legt uns in dem Bittcrkrant diese Frage vor. Hub die Antwort lautet: Kein Mensch vermag dem andern ein Haar zu krümmen, so es Goti nicht zuläßt; keiner vermag dem andern zu fluchen, so es Gott nicht will. Selbst die Schläge, die Menschen gegen Menschen führen, dienen nur dazu, sie zu läutern und zu festigen, Es wächst der Mensch, der bei aller Unbill treulich bei seine» Pflichten ansharrt, der bei allen Bitternissen den Blick in die Zukunft sich frei erhält und mit Mannesmnth die Qualen und Leiden trägt, bis endlich auch ihm die beglückende Erlösungsstunde aufstrahlt. Nächst den drei Symbolen, die ernster Erinnerung geweiht sind und den Blick in die Vergangenheit richten, sind fiir jeden am Sedcrtische Theiluehmendcn noch vier Kelche vorgeschriebe». Der erste Kelch gilt der „Weihe des Tages", der Israel in seinem Berufe zeigt, ein gottgeheiligtcs Leben zu führen rmd Werte der Menschlichkeit zu vollbringen. Ter zweite Kelch gilt der „fortdauernden Erlösung"; „in allen Zeiten, so oft Feinde sich wider uns erhoben, war cs Gott, der uns aus ihrer Hand errettet hat". Ter dritte Kelch bezeugt die Dankbarkeit für die „Gaben Gottes"; daß wir, nicht abhängig von der Gabe einer Menschenhand, in Sicherheit und Frieden genießen, was unsere Arbeit erringt, die Gott gesegnet. Ter vierte Kelch gilt der „allgemeinen Wclterlöjung", da einst alle Völker dem jHerrn die Ehre geben werde». Qb auch die Zustände im heutigen Völkergetriebc uns sagen mögen, daß wir noch weit entfernt seien von jenem idealen F-riedcnsreiche, gleichwohl, die Anzeichen treten immer häufiger auf, daß wir ivenigstcns auf dem Wege dahin uns befinden. Ta habe» jetzt auf Veranlassung des Deutschen .Kaisers die Kultnrnationen ihre Vertreter entsandt, um in Gemeinschaft über die Hebung und den Schutz der Arbeiter zu berathen, um Mißstände zu beseitigen und den Frieden unter den verschiedenen Klassen der Gesellschaft herzustellen. Ter frohe Ausblick in die Zukunft bildet den schönen Abschluß der Festmahtzeit! Doch da wird noch ein fünfter Kelch dem Andenken des Propheten Elia geweiht. klcberrascht cS uns nicht, Elia der Eiferer, tvird mit dem Friedensreich in Verbindung gebracht? Und welche Verse tverden da gesprochen: „Gieße Deinen Grimm ans über die Heiden, die Dich nicht erkannt, und über die Reiche, die Deinen Namen nicht nennen!" Also wieder der Gott des Zornes, der von einem zürnenden Propheten angeruscn wird? also wieder der Fanatismus, der uns selbst bei dem Gedanken an das hehre Fricdensreich in den Weg tritt? -Was verlangt der Prophet? Er verlangt die Vernichtung des Götzendienstes, aber nicht der Götzendiener; er verlangt nicht, daß dem verkannten Israel Gcnugthuung geschehe durch den Untergang seiner Feinde, sondern nur, daß Gott ihnen eine Erkenntnis; anfgchen lasse. In edler Weise führen unsere Alten in einer sinnreichen Parabel aus: „Als die geretteten Israeliten am Meere ein Siegeslied sangen, da erscholl ihnen eine himmlische Stimme: „Ihr singet ein Lied, und so viele Menschenkinder fanden in den Wellen ihren Tod? Waren auch die Aegyptcr eure Feinde, so waren sie doch auch meine Kinder!" Wie anders verfuhren die Männer, die im Namen der Liebe gegen uns auftratcn! Ta ließen sie Scheiterhaufen auflodern, da brachten sie die grauenhaftesten Folterwerkzeuge heran, da öffneten sie die furchtbaren Kerkerlöcher; die schwarzen Gespenster des Hungers, der Seuche und der Verbannung entfesselten sie auf Grund gewissenloser Anklagen -- die Kelche des Sederabenddie die herrlichsten Gedanken feierten, sollten mit Ehristenblnt ge füllt sein! Wir geben zu, das; der Eifer auch im Worte zu weit gehen könne, und Gott selber verweist Elia, daß nicht im Sturme, nicht in: Erdbeben, nicht im Feuer Gott weile, sondern im Wehen des sanften Tones. Wenn wir aber von dein Uebermaas; des Eifers absehen, so bleibt eine schöne Herzenswallung zurück, die wir Begeisterung nennen. An die gotterfüllte Begeisterung denken wir, wenn wir nocli ferner Elia's gedenken. „Siehe, spricht der Herr, ich sende euch Elia, den Propheten, bevor der große und erhabene Gottestng einzieht, dar er das Herz der Väter zu den Kindern zurückführe und das Her; der Kinder zu ihren Vätern." N;s dem eifernden Propheten ist der liebevolle Friedenstündcr geworden, der gute Botschaften bringt, Heil und Trost. Darum tvird am Scderabend die Thür geöffnet, daß der Prophet eintrete zu der in Frieden geeinten, glücklichen Familie und hier ein Vorbild finde für die einst in Frieden geeinte glückliche Vöiterfamilic. Ist aber selbst der begeisterte Elia nicht genehm, weil man Begeisterung von Fanatismus, Enthusiasmus von Zelotismus nichl mehr zu unterscheiden vermag — nun, so wird am Scderabend nocli eines Mannes gedacht, der die Sanftmuth, die Milde, die Geduld verkörpert; cs ist Hillel, der einem Heiden die Nächstenliebe als das ganze Gesetz hinstellte. „Was Dir verhaßt ist, thu' auch ©einem Nächsten nicht." Durch Sanftmuth und Milde brachte Hiüel die Heidenwelt Gon nahe, doch tvir wiederholen cs, auch durch seinen Feuereifer Halle Elia das Volk zu dem Bekenntnisse entflammt: Der Ewige ist Gotl! einem Worte, init den; der heiligste Tag im Jahre, der Versöhnungtag, geschlossen wird. Es giebt eine Zeit, da ein Elia am Platze ist: es giebt eine Zeit, da wir uns an einen Hillel halten. Beide wirken Großes zu rechter Zeit, Beide werden auch Männer der Zukunsi bleiben, der Mann der Begeisterung und der Mann der Milde Qhne Begeisterung wird nicht das Gottesreich erobert, ohne Sanft inuth und Milde nicht der Frieden unter den Menschen bewerkstelligt. Das Gottes- und Friedcnsrcich bildet die Erfüllung jenes Erlösung-- wertes, das in Aegypten seinen Anfang genommen. Fassen wir den Gedankeninhalt vorstehender Darlegung in wenigen Sätzen zusammen: Nicht dem Spötter, nicht dem Einfältigen, nicht dem Unwissenden gleich verhaltenwir uns all den religiösen Vorschriften gegenüber, sondern mit dem Weisen fragen und sprechen wir iiber ihren Sinn und ihre weitere Bedeutung, Das Pessachopfer sagt uns, das; cs einen Gott giebt, der verschont. Das ungesäuerte Brod sagt uns, daß nur das Brod der Freiheit uns in Ehren dastehen läßt, daß, u»; frei zu bleiben, selb» ein einfacheres Brod geniigeu müsse, daß uns dann auch die Redlich kcit gesichert bleibt und wir Zeit finden werden, aus der alltäglichen Beschäftigung uns zum göttlich Idealen aufzuschwingen. Ta-- Bittcrkrant sagt uns, daß, ob auch unser Leben vielfach von Bitternissen durchzogen ist, auf Finsternis; das Licht folgt, auf Kummer Freude, auf Trauer Festtage. In diesen; frohen Bewußtsein erheben wir die Kelche des Heiles, die unseren; Berufe zum Dienste Gottes, der fortdauernden göttlichen Qbhut, den; Segen unserer Arbeit und endlich der Erlösung aller Menschen gelten. Mit Elia begeistern wir uns für Gott, un; durch die Gottesliebe die allgenicine Menschenliebe zu erzielen; nüt Hillel beobachten wir Sanftmuth und Milde,;nn durch die Menschenliebe zur allgemeinen Gottesliebe hinzuleiten. D befreit ivranrü mit G; znziehei Wiede; Z Anmm häufe Anfme und a Punkt; U der Kl Minist V> mir, 11 uidischl die an Nieiiep! legen, ul, ern laeibeti B um de lag d> Prüf;; dl ans Fi, is den de i'immi unbeka B missari ift zu u a s i r E einer! nicht i oahr tit; '•öeitci gläubi rhristli ichein richtsc das hl anlaßi werde: Heiter gestim jüdisch tage i

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