Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 11 (28.3.1890)
- Date
- 1890-03-28
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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173 von Julius Freund, zur Aufführung. Alle Mitwirkeudeu waren Söhne und Töchter von Vereiusinichliederu, und sie Alle machten ihre Sache ganz prächtig. Es sott hier nicht lange auf den meist allegorischen Inhalt des Festspiels in dem „Wohlthätigkeit" Mitleid" und „Brndcrsiun" erfolgreich gegen „Kummer", „Sorge" und „Noth" aukämpfeu, cingegangen werden. Mit einem entzückenden, vom Balletmeister Quaritsch arrangirten Balletdivertissement, in dem ein Mennet s ia reioe, eine Mazurka ans 1822 und eine Nationalitäten-Quadrille selbst die Freude der Kenner erregten, schloß das Spiel, während dessen n. A. eine von Siegfried Ochs, dem Schwiegersohn des Vereins-Direktors, komponirte Hymne gesungen worden war. Und dann, als auch die Danienspende, ein sehr eleganter dreitheiliger Spiegel, ansgegcbcn war, begann nuten im Saal der allgemeine Tanz, das große Ballet, an dem nun alle Vierzehnhundert theilnehmen konnten. Was sah man da für allerliebste, frische, glücksfrohe Mädchengesichter. Wahrhaftig, ein Verein, der das aufzubieten vermag, ist selten genug! Und so hat sich der „Brüder-Verein" in Wahrheit als ein echter Verein „z. g. U." erwiesen — zur gegenseitigen Unterstützung, wie zur geselligen Unterhaltung! G. M Schimmel Luiofcles. Von Leopold von Sacher-Masoch. (Schluß.) Kaum hatte die Woche lvieder allgefangen, lvar Schimmel Knofeles auch schon mit seinem Bündel anfgebrochen, und während die Kinder in der düsteren Schnlstnbe vor den hebräischen Hieroglyphen saßen, war Zebadia allein in ihrem kleinen Gewölbe, allein mit ihren bunten Maaren und ihren seltsamen Gedanken. Sie hatte manchmal ein Gefühl der Einsamkeit in diesen Tagen, wo Schimmel, wie ein Kameel der Wüste, die galizische Ebene durchlief, und hie und da fragte sie sich, ob sie eigentlich glücklich wäre an der Seite dieses Mannes, der so schwer arbeiten mußte, um ihr Freude zn machen, und der nur zu sehr den jüdischen Karikaturen glich, die sie manchmal in den Wiener Witzblättern sah. So war es auch an diesem Abend. Sie hatte vergessen Licht zn machen, so sehr war sie in ihre Pelzjacke und in ihre Träume versmlken, und sie bemerkte erst, daß es dunkel geworden war, als ein fremder Mann hereintrat und Cigarren verlangte. Sie zündete rasch die Lampe an, und als das rothe Licht derselben über ihr zugleich hartes und weiches, eine milde Leidenschaft athmendes Antlitz fiel, sah der junge, vornehme Mann, dem sie das Kästchen mit den Cigarren liebenswürdig anbot, sie überrascht an. Sie erkannte ihn jetzt, es war der Graf Gorewski, welcher ein Schloß in der Nähe besaß. Er war schon manchmal eingetreten, aber es war, als ob er sie zum ersten Male sehen würde. Es währte geraume Zeit, ehe er sich für eine Sorte Cigarren entschied, er ließ sich alle Kistchen zeigen, nur um recht lange das Vergnügen haben zu können, in die schöllen lebhaften Augen Zebadias zu blicken. Als er fortging, schüttelte sie den Kopf. Sie war ein Weib. Sie wußte, daß sie ihm gefallen hatte, und sie fand ihm gleichfalls hübsch. Wieder saß sie lange, die Hände in den Aermeln ihrer Pelzjacke versteckt. Dann machte sie eine Bewegung mit dem Kopf, als wollte sie eine Fliege verscheuchen, oder war es ein böser Gedanke? Der Graf kam nun öfter, und sie war liebenswürdig mit ihm, weil sie klug war. Sie sagte sich, daß er nicht so viel bei ihr kaufen würde, wenn sie ihn! eine saure Miene machen würde. Es gehörte mit zum Geschäft, liebenswürdig zn sein, zu lächeln, die Angen ein wenig zn verdrehen und mit ihren Händen, die doppelt weiß ans dem dunklen Pelzwerk hervorkamen, seine Cigarren anznzünden. Aber warum zündete sic den Bauern, die auch ihren Tabak bei ihr kauften, nicht auch die Pfeifen all? Sie spielten eine Art Hazardspiel, aber sie kam nicht in die Gefahr zu verlieren, denn der Graf war leidenschaftlich und sie war schlan und kaltblütig. Eines Abends aber zwang er sie dennoch, die Karten anfznlegen. Er faßte sie bei der Hand nild blickte ihr in die Augen. „Ist es nicht schade, daß Sie hier, in diesem dumpfen Winkel verblühen, wie eine Rose in einem Kerker," sprach er. „Dies ist lloch lange kein Kerker", sagte sie ein wenig erschreckt ititb ein wenig spöttisch, „nub ich bin keine Rose." „Oh! Sie silld schön, Zebadia, sie wissen nicht, wie schön Sie sind." „Ich bitte .... Herr Graf . . . ." „Was haben sie auf einmal?" „Ich bill eine ehrliche Frau . . . ." „Wer zweifelt daran?" „Sprechen sie also nicht mehr in dieser Weise zu mir." „Welcher böse Geist ist denn mit einem Mal in Sie gefahren?" „Ein gllter Geist, Herr Graf, der Gnsl der Familie." Gorewski zuckte die Achselll. „Sie werden mir doch nicht sagen wollen, daß Sie mit diesem krnnnnbeinigen Moschkn glücklich sind?" „Doch." „Sie — die schönste Frau ans zehn Meilen im Umkreise llnd diese Spatzellschrecke!" „Ich weiß liicht, ob ich so schöil bin," erwiederte Zebadia stolz und ruhig, „aber mein Mann ist gar llicht so häßlich, wie Sie meinell. Für mich ist er schön, und ich liebe ihn. Sein Aenßeres lliag noch so komisch fein, sein Inneres ist mir um so schöller. Er hat ein Herz wie ein Enge! und einen Charakter wie feines Gold, nnb einen Geist! Der kann einen Rabbiner lehren!" „Aber das Alles hindert Sie doch nicht, sich ein wenig den Hof machen zu lassell, schölle Frau?"