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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-28 · Heft 11 (28.3.1890) · p. Seite 171

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 11 (28.3.1890)
Date
1890-03-28
Page
Seite 171 (sequence 11)
Language
German
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171 fouds für eilt Stiftshaus, 150 Rubel für diese Anstalt selbst, '>00 Rubel der jüdischen Handwerkerschnle „Trud" und 500 Rubel dem jüdischen Wöchnerinnen-Verein. Außer diesen „amhaften Beträgen schenkte sie für jüdische Schulen 3000 Rubel. Der Geburtsstadt ihres verklärten Mannes — Mohilew-Podolsk — spendete sie für wvhlthätige Anstalten 4000 Rubel, dem hiesigen „Malbisch-Arimim" 200 Rubel. Im Ganzen also 47,200 Rubel. Zseuitleton. Der KrüLer-Nerein in Nerlin. Am 16. März d. Js. feierte der Berliner „Bruder-Verein zur gegenseitigen Unterstützung" sein 75jähriges Stiftungsfest. Ein solches Ereigniß darf in unserm Blatte nicht unbesprochen bleiben, obgleich der Verein ein jüdisch-religiöser im eigentlichen Sinne nicht ist und nicht sein will. Denn wie sein Ursprung ein ganz jüdischer war, so besteht er auch noch heute mit geringen Ausnahmen aus Juden und umfaßt von den steuerzahlenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde beinahe den 12. Theil; man kann sagen, daß von den älteren Berliner jüdischen Familien nur wenige sind, die nicht Vertreter in denselben haben oder gehabt haben. Die bereits 1792 begründete „Gesellschaft der Freunde" war der erste zur Bedeutung gelangte jüdische Verein, der keine eigentliche Chewra, keine religiöse Vereinigung war, sondern in den äußeren Formen manches von den damals blühenden Orden angenommen hatte. Ihm folgte im Beginn dieses Jahrhunderts die „Magine Reim", welche aber, im Gegensatz dazu, etwas mehr das spezifisch Jüdische betonten. Gs waren Vereine, die neben der Pflege einer edlen Geselligkeit hauptsächlich die gegenseitige Unterstützung ihrer Mitglieder, besonders wenn dieselben unverschuldet in Noth gerathen sollten, bezweckten. In Folge der beginnenden Emanzipation der Juden war während der Freiheitskriege eine große Anzahl jüdischer strebsamer Männer nach Berlin gekommen, denen die inzwischen zu großem Ansehen und zu Vornehmheit gestiegene „Gesellschaft der Freunde" die Aufnahme als vollberechtigte Mitglieder versagte. Von diesen wurde mm, noch ehe Europa wieder ganz zum Frieden gelangt war, der „Brüder-Verein" gestiftet. Die erste Aufforderung besagt das Nähere, wie folgt: „Erste Aufforderung zur Gründung des Brüder - Vereins. Allen unfern Freunden und Berufsgenossen, denen dies Schreiben gl Gesichte kömmt, unsern herzlichsten Gruß. Wir hoffen und glauben, burd) die Eröffnung nachstehenden Vorschlags, die Be- Forderung einer innigen Annäherung sämmtlicher Fremden unserer blasse betreffend, den längstgehegten Wunsch eines jeden unserer Berufs-Brüder auszusprechen. Das Bedürfniß eines Vereins gegenseitiger freundschaftlicher llnterstützung wird immer fühlbarer, wie der Wunsch in uns, den dürftigern und ohne eigene Schuld gesunkenen, mit vereinten Kräften beistehen und aufhelfen zu können, mit jedem Tage lebhafter. Um so dringender aber muß uns beides jetzt werden, da wir durch die Gnade des besten der Könige. Staats- und hiesige Stadtbürger geworden, als wodurch die Aussicht zu einem immerwährenden hiesigen Aufenthalte mit unsern Wünschen sich vereint. Die schon bestehende Gesellschaft eingeborner junger Leute gönnt uns zwar den Titel ihrer Mitglieder, versagt uns aber die Rechte derselben und den Genuß ihrer Gesetze und Statuten. Was soll nun aus unsern dürftigern Mitbrüdern werden, die gegründete Ansprüche auf unsere Unterstützung haben, und sich doch nicht einem jeden von uns entdecken können? Was muß das Schicksal jener Armen sein, die von allen ihren Angehörigen entfernt, verlassen auf ihrem Krankenlager schmachten, und nicht so sehr unseres hilfreichen, als vielmehr unseres theilnehmenden Beistandes bedürfen, wenn wir uns nicht vereinigen, uns in jedem Verhältnisse unseres Lebens Hand und Herz zu reichen? Dieses, verehrte Freunde und Berufsgenossen! hat uns bestimmt, Ihnen folgenden Vorschlag mltzutheiten. Wir bezwecken hiermit, daß in den alleinstehenden und wohlhabenderen Berufsgenoffen sich eine Gesellschaft bilde unter dem Namen: „Brüder-Verein", die durch gegenseitige Zuneigung, und durch die Beiträge ihrer Mitglieder ans allen Kräften dahin streben, nach den noch zu entwerfenden, und durch die Zustimmung sämmtlicher Mitglieder zu sanktionirenden Gesetzen und Statuten, die obgenannten Bedürfnisse und Wünsche auf eine möglichst entsprechende Weise zu befriedigen, und fordern wir behufs dessen alle unsere Freunde und Berufsgenossen, die von der Nothwendigkeit einer solchen Anstalt so innig überzeugt sind, als wir, brüderlich auf, burd) die Beifügung ihrer Unterschrift, uns ihren Beifall, wie ihre Bereitwilligkeit zur guten Sache beizutragen, zu erkennen zu geben, und dadurch gleichsam bte erste Hand an das gute Werk zu legen. Wir halten uns überzeugt, daß viele unserer Freunde für die gute Sache sich bestimmen werden, da mir schon oft die Gelegenheit gehabt, ihre MUdthätigkeit und gegenseitige Anhänglichkeit mit Vergnügen wahrzunehmen. Mit Gott sei unser Werk begonnen, durch Ihn wird es gedeihen! Berlin, den 1. Dezember 1814." Also als einKonkurrenzverein zur „Gesellschaft der Freunde" wurde der „Brüder-Verein" gestiftet, und eine Zeit lang galt er denn auch naturgemäß als der weniger vornehme von beiden. Dann aber wendeten ihm einige inzwischen zu großem Wohlstand und Einfluß nicht nur innerhalb der jüdischen Gemeinde, sondern auch der ganzen Bürgerschaft, gelangte Familien ihre ganz spezielle Gunst zu, und er wurde als vollständig gleichstehend neben seiner.Konkurrentin anererkannt, mit der ihn durch viele gemeinsame Mitglieder gepflegte freundschaftliche Beziehungen verbanden. Der große vom „Brüder-Verein" gemiethete Garten des Meyerbeer'schen Hauses in der Neuen Friedrichstraße, dort, wo jetzt der Bahnhof Alexanderstraße steht, sah im Sommer viele Mütter mit ihren Kirldern — „freie Luft schnappen", was damals noch am Ufer des Königgrabens mit vielem guten Willen möglich war, — in gleicher Weise, wie es einige Grundstücke stromabwärts neben der Nochstraße im Garten der „Gesellschaft der Freunde" geschah. Abends kamen die Männer aus ihren Geschäften nach und besprachen bei einem frugalen Abend- , brod die Ereignisse des Tages, wie es im Laufe des Nachii*

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