Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 11 (28.3.1890)
- Date
- 1890-03-28
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
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170 Direktor der Landesbank, Dr. Zgorski; der Direktor der Galizischen Sparkasse, Zima, mehrere Pädagogen ec. Den Anregern dieser Enquete war es hauptsächlich darum zu thun, daß in autoritativer Weise die Nothwendigkeit und Ersprießlichkeit der Baron Hirsch'schen Stiftung nicht nur für die Juden, sondern auch für das Land Galizien dargethan und dadurch der Anstoß zur Verwirklichung des Stiftungsprojektes gegeben rverdc. — Diese Enquete-Kommission hat nach vierstündiger, sehr lebhafter Debatte nachstehende Resolution gefaßt: „In Erwägung, daß die wirthschaftlicheu und intellektuellen Verhältnisse der Jndenschaft i» Galizien einer raschen und gründlichen Abhilfe bedürfen; in Erwägung, daß eine in dieser Hinsicht einznleitende Aktion nicht nur im speziell jüdischen, sondern auch im allgemein iiationale» Interesse liegt; in Erwägung, daß die von Baron Hirsch geplante Stiftung diesen Zwecken gerade entsprechen soll — wendet sich die Enquete an den Landmarschall mit der Bitte, seinen Einfluß bei der Regierung für die ehcmöglichstc Aktivirung der Stiftung mit dem Vorbehalte geltend zu machen, daß der nationale Charakter der Hirsch'schen Stiftung und deren Leitung gewahrt werde." — Im Polen-Klub hat Abg. Dr. Rappoport auf die ungünstige Lage der galizischen Inden hingewiesen und das Elend derselben geschildert. Der Polen-Klub beschloß, sich demnächst mit dieser Angelegenheit zu befassen. Die hiesige Enqnöte hat zwei Sektionen eingesetzt, welche die Vorschläge zur Besserung der materiellen Zustände und zur Hebung des Bildungsgrades der galizischen Inden prüfen soll. Bei dieser Gelegenheit erklärte der Landmarschall, daß ihm die Gründe, derentwegen die Aktivirung der Millionen-Stiftnng des Baron Hirsch verzögert werde, nicht bekannt seien. Der Statthalter, mit dem die Centralregiernng zu wiederholten Malen in dieser Sache Rücksprache gepflogen hatte, habe mitgeiheilt, daß auch er hierüber nicht ganz genau informirt sei. Der Landmarschall wird die von der Enqnöte gefaßte Resolution dem Statthalter zur Kenntnis; bringen, und die jüdischen Mitglieder der Enqnöte- Konimission werden eine Deputation nach Wien und Paris entsenden, um bei der Regierung und Baron Hirsch auf die Beseitigung der Hindernisse, welche dem Jnslebemreten der Stiftung im Wege stehen, hinznwirken. Schweiz. X Bern, 17. März. Der Bnndesrath hat, betreffend die Petitionen der Israeliten in der Schweiz, sowie insbesondere der Israeliten in den Kantonen Bern und Aargau beschlossen, daß die Kantone für sich nicht berechtigt seien, das Schächten unbedingt zu verbieten, da das Schächten nicht schlechthin als eine Thierquälerei angesehen werden könne. England. London, 20. März. Im Alter von 70 Jahren starb am 11. v. M. der gelehrte Professor Dr. Schiller-Szinessy in Cambridge an einem Herzschlage. Ans dem vielbewegten Leben dieses Gelehrten erzählt der „Israelit" Folgendes: Seine akademische Laufbahn war von großem Erfolge gekrönt, da er schon als junger Mann zum Professor in Eperic (Ungarn) ernannt wurde. Unglücklicherweise mischte sich d« gelehrte Professor in die revolutionären Wirren des Jahre - 1848 und betheiligte sich am Aufstande zu Szegedin, um di> Brücke in die Luft zu sprengen. Er wurde mit noch Anderen, die unter General Torök diente», gefangen genommen nno zum Tode verurtheilt. Jedoch in der Nacht vor der fest gesetzten Hinrichtung gelang es ihm zu entfliehe»; er kan> glücklich über die Grenze und schiffte sich in Triest ein. Sind; einer zweimonatlichen Seefahrt landete er endlich in dein irländischen Hafen Cork und predigte am darauffolgender Sabbath in der Synagoge von Dublin, wobei er solchen Beifaü erntete, daß ihm die Gemeinde eine goldene Uhr verehrte. Kurz darauf wurde er znm Rabbiner der Mauchester-Gemeinde erwählt, woselbst er in feinstem Englisch predigte. Trotzdem er stets streng orthodox, versah er dennoch das Predigcramt io der Manchester Reformshnagoge, worüber er vom scl. Chic« Rabbi Dr. Adler scharf getadelt wurde. Er verließ daran' Manchester und bestieg den Lehrstuhl der Universität zo Cambridge für Hebraica. Rußland. —1— Odessa, 28. Febrnar/12. März. Den 4.06. Januar raffte der Tod, nach einer mehrnionatlichen schweren Krankheil, einen der achtbarsten Bürger Odessas dahin. An diesem Tag starb — im 49. Jahre seines Lebens — in Harzbnrg Herl Engen Asch ken a sh, Chef des hiesigen Bankhauses. M.Aschkenasv Er war ein Abkömmling jenes berühmten Chacham Zewi, des hervorragenden deutsche» Rabbiners in Amsterdam - daher der Name Aschkenasy — der den Schwindler Nehemw Chajon und andere Sabbatianer bekämpfte. Vor nngefälr. 25 Jahren kam A. nach Odessa und trat ins Geschäft seiner Vaters, welches er zu solcher Blüthe brachte, daß die Firm,, zu den ersten der Stadt zählt. Zn», Gedächtnisse ihrer verewigten Gatten spendete seine Wittwe Frau Louise Aschkenasy, geborene Rosenberg folgende Summen: Sie übergab dem Bürgermeister Geheimrath Marasly 5000 Rubel fih hiesige städtische wohlthütige Anstalten, um diesen Betrag nach seinem Ermessen zu vertheilen. Dem jüdischen Stadt rathe Ehary schickte sie eine Summe von 25,000 Rnbel »ii: folgender Bestimmung zu: Der Betrag von 12,500 Rubel ii zur Creirnng einer Kinderabtheilnng beim hiesigen jüdischen Hospitale angewiesen und die andere Hälfte von 12,500 Rubel soll als Fond zur Erhaltung von 5—6 Betlen für 3 Knaben und 2 Mädchen für ewige Zeiten dienen. Dieses Kinder Hospital wird ans zwei Abtheilnngen mit 16 Betten bestehen, und zwar 8 für Knaben »nd 8 für Mädchen. Das Kinder Hospital wird den Namen des verewigten „Eugen Aschkenasy" tragen. Außer diesem Betrage übergab Frau Aschkenasy oben erwähntem Stadtrathe noch 6200 Rubel, wovon 2050 Rubel für ein Bett im jüdischen Hospitale, 2000 Rubel als Fond zur Erziehung eines Knaben im jüdischen Waisenhansc, 1000 Rubel der Talmud-Thora zur Verstärkung des Ban