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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-28 · Heft 11 (28.3.1890) · p. Seite 169

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 11 (28.3.1890)
Date
1890-03-28
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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1fi!> .vh’itu Bankier Alcx. Werthauer, mit Eifer, Energie und echt dentscher Schneidigkeit für da? unterdrückte und geschmälerte Recht der Inden Sachsens eintritt. Die Antisemiten naben von diesem Herrn zu leiden, das wissen sie sehr wohl, darum sind sie auch in der Wahl der Mittel, denselben zu verdächtigen, ganz und gar nicht penibel. Die „Kreuzzeitnng", als die legitime Mutter des Antisemitismus, brachte denn ..»ich vor einigen Tagen eine Notiz, wonach von Seiten der -ndischen Referendare Sachsens eine Beschwerde gegen das König!. Sachs. Jnstizministerium schriftlich an die freisinnigen und sozialdemokratische» Mitglieder der Zweiten Kammer gelangt sei, in welcher Klage erhoben werde, daß in Sachsen die indischen Referendare nicht znm Richtereide zügeln ssen würde», dieselben die hier übliche Remnneation (von 1200 M. p. a.) nicht erhielten und sodann niemals zur richterlichen Laufbahn gelangen könnten. Als Urheber derselben wird Herr Rechtsanwalt Dr. Werthauer bezeichnet. Die Sache ist soweit ganz richtig, bis ans die Adressen, a» welche die Beschwerdeschrift gelangt ist. Dieselbe wnrde thatsächlich sämmtlichen Abgeordneten derZweiten Kammer, ohne Unterschied welcher Parteirichtnng, nigestcllt. Es liegt eine diesbezügliche Interpellation,!Ür die sächsischen Verhältnisse allerdings bezeichnend genug, nur von den sozialdemokratischen Mitgliedern unterschrieben, ocr Kammer vor, und der Herr Justizminister hat heute bereits ins dieselbe eine Antwort gegeben, die nämlich, daß er die Interpellation nicht beantworten könne! Oesterre ich-U u g ci nt. Wien, 12. März. In der Sitzung der Schulkommission des Herrenhauses brachte Cardinal-Fürst-Erzbischof von Prag Graf Schönborn eine von ihm sowohl, als auch von den Fürsterzbischöfen von Seckan und Laibach Johannes Zwcrgcr und Jacobus Missia Unterzeichnete Erklärung zur Verlesung, m welcher sie für die katholischen Kinder katholische öffentliche Schulen fordern und diese Forderung in fünf Punkten näher bestinunten, von denen wir den ersten als den auch die Inden um meisten treffenden Punkt hervorheben. Derselbe lautet: Die öffentlichen Volksschulen sind so auszugestaltcn, daß es den katholischen Kindern möglich gemacht wird, dieselben in der Regel ohne Vermischnng mit Kindern anderer Konfession zu besuchen. SV Wie», 1!). März. Die Antisemiten haben bei der heutigen, in sieben Bezirken vollzogenen Gemeindcrathsw ah len wiederum drei Mandate erobert und alle von ihnen bereits innegehabten Positionen behauptet. Auf der Wieden, welcher Bezirk bisher keinen antisemitischen Genieinderath entsendet hatte, haben die Antisemiten den Liberalen zwei Mandate entrissen, das Dritte gewannen sie am Neubau von den Demokraten. Bemerkenswcrth ist die nngehcnre Majorität von fast 600 Stimmen, welche Lueger im Bezirk Landstraße errang. In der Thal, ein trauriges Symptom der Zeit!! Wien, is. März. Heute wnrde hier Dr. Emil Wahle i zu Grabe getragen. Er war Mitglied des Institutes für s österreichische Geschichtsforschung und hat n. A. werthvolle! schriftliche Arbeiten über Hcrodot, Thncydidcs und über Darstellung des jüngsten Gerichtes hinterlassen. Sein Bruder,!Herr Dr. Richard Wahle, ist Docent der Philosophie an der j hiesigen Universität. Wien, 23. März. In der am 10. d. erschienenen Nummer der „Unverfälschten Deutschen Worte" erklärt Herr Schönerer : ausdrücklich, „daß er seine öffentliche politische Thätigkeit dcr-!zeit als abgeschlossen betrachte und daß er Zuschriften in Partei-Angelegenheiten nicht mehr beantworte. Hanptnrsache i der Zurückziehung SchönererS ist der Verra th» die Untreue chmd Unaufrichtigkeit, die Schwindelei und Nergelei, die Strebcrei und Mnthlosigkcit, dann die Verflachung des dcntschnationalen Gedankens, die sich im bisherigen d entsch n a t i on a l -a n t is e m i tisch c n Parteilager immer mehr! ansznbreiten beginnen." 8 Pest, 2c>. März. Nach langjährigem Schweigen mcll bete sich in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses der j ehemalige Führer der ungarischen Antisemiten, Herr Viktor jJstiiczh zum Worte. Nachdem alle Welt geglaubt, daß die - Lehren des Antisemitisnms in nnserei» Abgeordnetenhausc i mehrere Jahre nicht nur deshalb nicht verkündet wurden,! weil sie keine Vertranten mehr finden, belehrte der illustre! Redner das Hans des Gcgcntheils, indem er das bisherige j Schweigen seiner Getreuen blos einer „Taktik" znschricb, mit welcher sie derartige Erfolge erzielt, daß sie nun wieder ans j den Plan treten können. Die Drohung von dem Wiedcr- : eintritt der Antisemiten in die politische Aktion wnrde von j dem Hanse mit Heiterkeit ailfgcnonmicn. Ilebrigens wurde Jstäezy mit seinen wirthschaftlichen Theorien vom Standpunkte : der Judenfragc vom Finanzminister Wekcrle mit den Worten kurz abgefertigt: „Wenn Alles, was Jsmezy sonst sagte, wahr wäre, würde ich es nicht als ein solches Hebel betrachten, als ' daß Jemand bei der Benrtheilnng einer so rein sachgemäßen i industriellen Frage von konfessionellem Gebiete wieder Argnj mente holen will." I 8 Lemberg, 20. Ntärz. Der Landmarschall Tarnowski i hatte für den 18. d. Nt. eine Engnöte zur Begutachtung von! Reforinplänen, welche mit der von der Negierung bisher verzögerten Activirnng der Millioncn-Stiftnng des Baron jHirsch im Znsauimenhange stehe», einbcrnfen. Zur Theil-! nähme an den Berathnngcn wurden die hiesigen Vcrtranens- ' inänner des Baron Hirsch, ferner der Vorstand der hiesigen j israelitischen Knltnsgemcinde und Persönlichkeiten eingeladen,! die sich für die Verbesscrnng der Lage »nd Hebung des Bilj dungsgradcs des jüdischen Proletariats in Galizien lebhaft i interessiren, wie Bürgernicisler Mochnacki, die Landtagsabgeordneten Graf Stanislaus Baden!, Dr. v. Marchwicki, Dr. Frnchtniann und Dr. Goldmann, die LandeSansschnß-Mitgljeder Dr. Wereszczynski und Romanowiez, Schnlinspektor German, der Vice-Präsidcnt der Handelskammer, Piepes; der u

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