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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-21 · Heft 10 (21.3.1890) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 10 (21.3.1890)
Date
1890-03-21
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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Kultuskosten aus Staatsmittelu ist iu diesen Tagen in der II. Kammer der hessischen Landstäudc einstimmig genehmigt worden. Die Höhe dieses Zuschusses wird im Verhältniß zur bezüglichen Leistung des Staats für den Kultus anderer Koufessioncu bemessen werden und dürfte sich somit zwischen 12 OM und 15 MO Mark bewegen. Jedenfalls ist damit die Gleichberechtigung der Konfessionen auch de facto dnrchgeführt. b. Leipzig, 0. Marz. Vor dreißig Jahren traten hervorragende Männer ans den verschiedensten Ständen in Leipzig zusammen, um einem tiefgefühlten Uebel abznhelfen und den bedürftigen Jüngern von Kunst nnd Wissenschaft während der Studienzeit hier materielle Beihilfe zu schaffen. Namhafte Persönlichkeiten, Künstler nnd Gelehrte, Theologen, Aerzte, Juristen, Kaufherren, Männer des Stadtrathes und der Gemeinde-Verwaltung fanden sich, in Folge eines ergangenen Aufrufes, freiwillig zusammen — nnd bildeten ein „Fünfzehner-Comito" zur Bcrathnng und Abfassung der Statuten der Mendelssohn-Stiftung. Was die gewählte Leitung der Stiftung im Laufe der Zeit seitdem geleistet hat, bekundet zur vollen Genugthnung die am 2. März 1890 um II Uhr im große» Sitznngssaale der Synagoge abgchaltene 29. ordentliche General-Versammlnilg. Der Vorsitzende, Herr Finkelstein, eröffnete die Versammlung. Die Verhältnisse des Vereins haben sich wenig geändert. Die Veröffentlichung der Ansprache des Vorsitzenden im vorigen Jahre hatte den Beitritt vieler nencr Mitglieder zur Folge. Nach wie vor kcnnzcichnct die geistige nnd materielle Wohlthätigkeit die Richtung, wie sie von den ersten Begründern bestimmt — nnd von der nachfolgenden Generation bis jetzt in gleicher Weise erhalten nnd bewährt wurde. Nächst den vermehrten Jahresbeiträgen sind es die Schenkungen, welche in dem letzten Vcrwaltungsjahre der Mendelssohn-Stiftung zngeflossen — nnd dafür Zengniß geben. Der Vorsitzende erkennt mit besonderem Danke diese Schenkungen zur Vergrößerung des „festen Fonds" an nnd hebt namentlich folgende Beiträge hervor: von Herrn S. Zeitlin, als ständiges Mitglied, 150 M. gezahlten Avcrsionalbeitrag, von Herrn M. Victor Mieses, zur silbernen Hochzeit 100 M., von Frau Marie vcrw. Fränkel, zum Todestag ihres Gatten 10 M., von Herrn Leonhard Freund 5 M. als Schcnknngcn, nnd von Herrn Eduard Fränkel, gestorben 15. Februar, 500 M. als Legat desselben. — Der Schatzmeister, Herr Bcrn-Bodek, erhält hierauf das Wort zur Erstattung des Berichtes über den Jahresabschluß für 1889. — Nach dem nun folgenden Kassenbericht für das letzte Verwaltnngsjahr beläuft sich die Mitgliederzahl der Mendelssohn-Stiftung zu Leipzig auf 157 — einschließlich von zwei ständigen Mitgliedern — mit einem Jahresbeitrag von 1863 Mark, während die Zinsen des „festen Fonds", dem in Freud nnd Leid zahlreiche Schenkungen znfließcn, 1316,87 M. betrugen. Verthcilt wurden 1970 M. für 46 Semester-Stipendien (ans Sektion I), nnd zwar 15 an Stndircnde der Medizin, 4 an Stndircnde der Philosophie, 1 an Studirenden der Jurisprudenz, 23 an Conservatoristen, 1 an Schüler der königg Akademie, 2 an Kindergärtnerinnen, hierbei sind die Petenten nach strengster Prüfung der Zeugnisse, Begabung nnd Bedürftigkeit berücksichtigt worden. Außerdem sind 457,50 9.1. für 120 Unterstützungen (aus Sektion II) gewährt worden, und vcrthnlcn sich diese an weitere Kreise, je nach momentane Nothlage: 27 an Gelehrte, Schriftsteller und Lehrer, 12 au Schüler nnd Stndirende, 28 an Künstler nnd Kunstgewerb. treibende, 12 an Schauspieler nnd Chorsänger, 26 an Aio gehörige des Kanfmannsstandcs nnd 15 des Gewerbestandc-. Der Bestand des „festen Fonds" belief sich nach Abschluß des Jahres 1889 ans 38 965,88 M. Bisher hat die Mendcle sohn-Stiftnng in ihrer 29jährigen Thätigkeit 1861—1890 i;; Sektion I 874 Semester-Stipendien mit 51 394 M., in Sektion 1! 1515 Unterstützungen mit 14 776 M. zur Verthcilnng gebraclu und dadurch manchem Talent emporgeholfen, manche Sorgeu. ehrlich nnd redlich vorwärts Strebender gelindert. — Di. fortgesetzte Thätigkeit im Dienste der Menschheit, in der Bei Hilfe für unglückliche Glaubensgenossen nnd selbstverständlicu auch für die Unterstützung der Bedürftigen — ohne Unter schied der Konfession — welche in liberaler Weise geübt wird, verdient gewiß die Beachtung und die Thcilnahme atlr Menschenfreunde. Nachdem die Versanimlniig dem Verwaltnngs rath für die umsichtige Leitung »nd speziell dem Schatzmeistc für die Mühewaltung den Dank votirt, berichtet Herr Ale Werthaucr über die Revision der Bücher, Cassa, Effekte! nnd Belege, und wird hierauf auf dessen Antrag für da Jahr 1889 die Jnstifikation nnd Dechargc crtheilt. Es er folgt nun die »ach statutengemäßer Vorschrift nöthige Wah zweier VerwaltnngsrathSmitglieder, nnd werden Herr Bern Bodek, als Schatzmeister, nnd Herr B. Breslauer, als stell vertretender Schriftführer, einstimmig für weitere drei Jahr, wiedergcwählt, worauf die General-Versammlung durch den Vorsitzenden mit dem Wunsche für das fernere Gedeihe» dcwohlthätigen Wirkens der Stiftung geschlossen wurde. Oesterreich-Ungarn. * Wien, 10. März. In einer großen Anzahl öfter reichischer Gemeinden ist am 7. Adar ein Gottesdienst ab gehalten worden, bei welchem neben den großen Männern welche die österreichische Jndenhcit im jüngsten Jahre verloren hat, auch des unvergeßlichen Dr. Ludwig Philipps»! ehrendes Andenken gefeiert wurde. Wie», 14. März. Die heutige Numnicr der „Oesterreichisehcn Wochenschrift" enthält einen Aufsatz unter dem Täte' „Todtenfetische" aus der Feder von Friedrich S. Krauß. Derselbe bringt neue Belege für die von Rabbiner Dr. Bloch (Oest. Wochcnschr. 1888, Nr. 45) nnd Dr. Georg Minder (Berl. Zeitschr. f. Ethnologie, 1889, Heft V) geäußerten An schannngcn über die volkssagcnhaften Ursachen, auf welche da<- j Märchen vom Blntritnal znrückznführen ist.! Budapest, 7. März. Im großen Tempel in der! Tabakgasse hielt letzten Sonnabend der Rabbiner Dr. Kayserling

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