Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1890)
- Date
- 1890-03-21
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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bk bisherigen Vorstandsmitglieder, bk oo.Ijve0Dei'ic[)tc, die (S'tiita uub fonftiflc wesentliche Ereignisse der Gesellschaft. Da mm in unseren Akten mtb Büchern das urkundliche Material nicht bis zu den Anfängen der Gesellschaft zurückreicht, so erlauben wir »ns, an die verehelichen Mitglieder der Gesellschaft daS Ersuchen zu richte», „das etwa in Ihrem Besitz befindliche Material an den niitnnterzcichneten Vorsitzenden Herrn Leopold Lesser Kl. Präsidentenstrasze 7, gefälligst bald einsendcn zn wollen". Jedes darauf bezügliche Schriftstück, Drucksache, Zcitnngsansschnitt oder dergl., gleichviel ans welchem Jahrgänge, auch der etwaige Hinweis, wo etwa solches Material sich befinden mag — ist uns wichtig und erwünscht. Andere hierauf bezügliche Mitthcilnngen, Anregungen und Wünsche nehmen wir gleichfalls dankbar entgegen." Vielleicht sind mich ans dem Kreise der answärtigen Leser unseres Vlaltes manche im Besitze einschlägigen Materials und können zur Herstellung der geplanten Schrift, welche in sozialer wie! in historischer Beziehung gleich wichtig erscheint, beitrage».! Berlin, 15>. März. Zur Interpellation des Abgeordnete»! Zelle über die Fcrnhaltnng jüdischer Mitbürger dom Schöffen-! und Geschlvorencnamte gehen dem „Berliner Tageblatt" ans! den verschiebenstcn Theilen des Landes Mitthcilnngen zu, : welche die Beschwerde des freisinnigen Abgeordneten bestätigen, so ans Flatow in Westprcnstcn, ans dem ostprenstischen Kreise Brannsbcrg, ans Kattowitz in Obcrschlesien, ans Obergloga»,; Arnöwalde, EiSleben und anderen Orten, wo die Nebergchnng der jüdischen Bürger bei der Besetzung der bczcichnetcn Aeniter seit langen Jahren anfgefallcn sein soll. Das genannte Blatt bcnicrkt hierzu: Wir meinen, das; eine konfessionelle Unterscheidung, welche das Gerichtsverfassnngsgcsctz nicht kennte und welche mit den Bestimmnngcn der Verfassung nicht in; Einklang zu bringen ist, schon mit Rücksicht ans die Entlastung : der christlichen, zu solchem Ehrenamt tauglichen Personen ' unterbleibe» sollte.; Berlin, 10. März. Von hiesigen wohlthätigen Jnstitnte» und Vereinen liegen uns tviedernm zwei Berichte vor.! Die Altersversorgnngsanstalt der jüdischen Ge-! meindc hat ihren sechzigsten Jahresbericht heranSgegcbcn. Derselbe weist einen Vcrmögcnsbestand von 1,671,68» Bi. ans, wovon 81,179 Bi. den Zuwachs des jüngsten Jahres dar-! stellen. Die Zahl der Hospitaliten ist von I b) ans 15,3 ge-j stiegen. An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden Herrn! Julius I. Bicher ist Herr Sanitätsrath Dr. Wiese»-! thal vom Gemcindevorstand zmn Vorsitzenden der Anstaltj delcgirt worden. — Die „Gcsellschaft Hachnassath kallah! zur Ausstattung bedürftiger Bräute", als deren Vor-! sicher Herr Dr. David Eassel fnngirt, berichtet über die! Thätigkeit zweier Jahre. Bei einem VermögcnSbestand von! 77,»mi Bk. betrugen die UntcrstütznngsanZgaben im Jahre 1888 an 5,3 Mädchen 6,26» Bi., im Jahre 1889 an 79 Mäd-! chen 8,5,75, Bi.! Berlin, 10. Biürz. Ein Eomitö, bestehend ans de»! Herr» A. Baginsky, Dr. Bartels, Gen.-Stnbsarzt v. Colcr,! Prof. Dr. B. Fränkel, Prof. Fräntzel, San.-Rath Dr. S Guttman», Prof. Hirschberg, Gcn.-Arzt Dr. Lenthold, Prof. Lehden, Prof. Litten, Geh. Ober-Med.-Nath Dr. Mehlhansen, Prof. Biendel, Geh. Reg.-Rath Spinola, ist unter dem Vorsil des Prof. Virchow znsammengetrete», NM dem Andenken Traube's eine Büste zn stiften, welche an dem Orte seine Wirkens, der Charitö, Aufstellung finden soll. Seesen a. H>, 13. März. An der hiesigen Jacobson schule (berechtigte, lateinlose Realschule) fand gestern nnc heute unter dem Vorsitze des Regiernngskommissars Schul raths Eberhard ans Brannschweig die Enllassnngs Prüfung statt. Sämmtliche zn derselben zngelassene Abiturienten bestanden dieselbe, darunter einer mit dem Prädikat „seh gut", vier mit „gut". * Breslau, 11. März. Eine Kommission unter Vorsitz de: Rabbiners Herrn Dr. P. Neustadt, hat zur Abhaltung eine. Jugend-Gottesdienstes, bei welchem die Kinder selb» alle Funktionen unter Aussicht von Lehrern vollziehen, ein: eigene Synagoge Sonnenstraste Nr. 25, hergerichtet, derer Einweihung am 16. August vorigen Jahres stattgefundeu har Da die Banschnld nach nicht ganz abgetragen ist, wendet sw das Eoinitö i» einem Eirknlar an die Vorstände und Mi: gliedcr der grösseren jüdischen Geincinden Deutschlands m>: der Bitte »m Beiträge. £2 Breslau, 10. März. Das hiesige MissionSblättchc: „Dibre Emeth", eine Bionatsschrift, welche in einer von ihre: Redaktion selbst als „zudringlich" anerkannten Weise an Jude: verschickt wird, beschäftigt sich in einer seiner jüngsten Nummer: mit den vom Deutsch-Israelitischen Gemcindcbnndc veröffen: lichten „Grundsätzen der jüdischen Sittc»lehrc"r I: der Form eines „Briefes an einen Israeliten" äußert de betreffende Mitarbeiter seine „Bedenken" über diese Sätze und vcrstcigt sich unter Anderem zu folgenden Phrasen: „Znnäch ist cs verkehrt, daS Gebot der allgemeinen Menschenliebe al Hanptgrnndsatz der jüdischen Religion zn bezcichnen. Wie l: jeder Religion kommt cs in der jüdischen hauptsächlich aw die Regelung des Verhältnisses zwischen Gott und den Mensche!, an. Der dcmüthige Wandel vor Gott ist die Seele de: Religion. Ans dem richtigen Verhalten zn Gott, der Religio:. flieht das richtige Verhalten zn den Mensche», die Mora:. Religion und Moral sind zweierlei Dinge. Sodann ist ezwar sehr erfreulich, daß das vom Ehristenthmn beeinfluß: Jndenthnm der Gegenwart die Forderung der Mchstenlicl: ans alle Menschen ansdchnt, allein vom alten Jndentlm:: kann dies nicht gesagt werden. Das letztere bezog jev Forderung »nr ans die Volksgenossen. . . . Die wahic jüdische Religion ist nicht, tute Sie annchmen, das Jndcnthm der „Grundsätze", sondern das Ehristenthnm Ehristi und seine. Apostel." Nachdem mehr als 200 Rabbiner und Schristgeleht:: jene Sätze als Grundsätze der jüdischen Religion manifestr: haben, ist es ein sonderbares Unterfangen jenes unbekannte.; christlichen Herrn, einen Inden über daS Jndenthnm eine Besseren belehren zn wollen. Würde ein Jude so Handel!