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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-21 · Heft 10 (21.3.1890) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 10 (21.3.1890)
Date
1890-03-21
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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gewiesen fhib, jcd.r an sic hcrantrctcndc» Lockung verfallen und zu Grunde gehen. Der Lehrer des Instituts hat oft die Klage der Lehrlinge anhören müssen, daß sie nicht so frei seien wie andere Lehrlinge, daß diese in Bier- und Tanzlokaleu sich träfen, während sie zu Hanse an freien Tagen spielen und lernen müßten, daß Jene bis in die späte Nacht fortbleibeu könnten, während sie zur rechten Zeit sich einfindeu müßten. Der Bericht kehrt zu thatsächlicheu Angaben zurück. Alle Kinder, welche in das Hans gebracht werden, haben ein Handwerk erlernt, bis sie Gesellen wurden. Es befinden sich unter ihnen: Maurer, Schlosser, Zimmerleute, Klempner, Tischler, Kupferschmiede, Wagenbauer, Drechsler, Lithographen, Buchdrucker, Schneider, Sattler, Holzbildhauer, Goldschmiede, Korbflechter, Gärtner und so fort. Die Schwierigkeit, daß die meisten Kinder in Berlin in der Lehre waren und täglich ans dem Vororte — manchmal zu sehr früher Stunde — nach Berlin wandern und Abends znrückwandern oder fahren mußten, war Anfangs höchst belästigend, hat sich aber mit der Zeit als nberwindlich erwiesen. Zum Schlnsse darf vielleicht angeführt werden, daß die Aufsichtsbehörde den Einrichtnngen des Instituts wiederholt ihre Anerkennung gezollt hat, und daß die dauernde Erhaltung desselben, auch nachdem die ausländischen Kinder dasselbe verlassen haben werden, für inländische Waisen gesichert erscheint. Literarische Mittheilmigen. * „Die Einrichtnng des Gottesdienstes bei den israelitischen Gemeinde» des Großherzogth ums Baden." Auf Grund amtlicher Erhebungen dargestellt von D. Einstein. Mit Anmerkung und Nachwort von Dr. D. H. Mayer. (Karlsruhe 1890.) Von dem Großh. Oberrath der Israeliten zu Karlsruhe sind im August 1889 gedruckte Fragebogen an sämmtliche Synagogenräthe des Großherzogthnms Baden verschickt worden. Dieselben hatten den Zweck „einen Ileberblick über die gottesdienstlichen Einrichtnngen sämintlicher isrealitischcr Gemeinden des Landes in der gegenwärtigen thatsächlicheu Gestaltung zu verschaffen und über einzelne Punkte von Wichtigkeit die Ansichten der Synagogenräthe kennen zu lernen". Das Resultat der Anfrage liegt in dem genannten Heftchen vor und gliedert sich nach folgenden Abtheilungen: Gebetordnnng an Sabbathen und Feststagen, Trennung des Morgengottcsdienstes an Sabbathen und Festtagen in einen Früh-und einen Hauptgottesdienst, Umgestaltung des Vortrages der Haftara, Funktion der Barmizwa, Konfirmation für Knaben und Mädchen, Einrichtnng von Jngendgottesdiensten, Begründung und Ausbildung der Synagogenchöre und des Gcnieindegesangs, Synagogenheizung, Maßnahmen zur Förderung der Theilnnhme am Gottesdienste. — Der Eindruck, den wir ans dem Inhalt des Buches gewonnen haben, ist ein durchaus erfreulicher. Daß in größeren Städten der Intelligenz durch Verschönerung des Gottesdienstes in weitgehendem Maaße Rechnung getragen wird, ist ja nicht zu verwundern; angenehm überrascht waren wir aber zu ersehen, bis zu welchem Grade selbst die konservativen Landgcnieinden sich dazu verstanden haben, von blindeni Hersagen der Liturgie und starrem Festhalten an überkommenen Bräuchen zu verständnißvoller und den heutige,! Anschanungen entsprechender Gebetordnung fortznschreite». Es scheint, als ob im Punkte der „Reform" das Wort verhaßter geworden ist als die That. Auch das bisherige Verfahren des Großherzoglichen Oberraths, nicht gewaltsam bet der Einrichtnng von Reformen vorzugehen, sondern dem zwingenden Einflüsse der Zeit und der wachsenden Kultur dies zu überlassen, scheint seine guten Früchte getragen zu haben. — Nichtsdestoweniger ist ein der Verbesserung bedürftiger Zustand dadurch geschaffen worden, daß es jeder Gemeinde überlassen war, nach eignem Ermessen vorzugehcn. Es haben sich dadurch im badischen Lande so unendlich viele verschiedene Arten der Liturgie und der synagogalcn Einrichtnngen herausgebildet, daß die Erzielung eines gewissen Grades von Gleichmäßigkeit schwer zu fallen scheint. — Diese schwierige Aufgabe nun ist cs, welche sich das Obcrrathsmitglied Regiernngsrath Dr. Mayer in dem beachtenswerthen Nachwort mit trefflicher Geschicklichkeit unterzieht. Von dem hier einzig richtigen Standpunkte ans, einerseits dem religiösen Bedürfniß der Zeit zu genügen, andererseits nach Möglichkeit das Ueberkommene zu erhalten, wo aber ein Streit zwischen diesen beiden Faktoren ausbricht, zu Gunsten des erstercn zu entscheiden, gelangt der Verfasser zur Aufstellung von Grundsätzen, welchen wir über die Grenzen Badens hinaus Bethätigung wünschen. — Der winzige Preis des Büchleins (50 Pfennig), dessen Ertrag noch dazu für einen wohlthätigcn Zweck bestimmt ist, wird hoffentlich dazu beitragen, daß die Gemeindevorstände und Beamten, denen daran gelegen ist, einen würdigen, der Erhaltung der Gemeinde wie des Jndenthums in gleicher Weise zu Gute kommenden Gottesdienst einznrichten, die hier gemachten Vorschläge lesen und prüfen. Daß dieselben dann Annahme finden, sind wir gewiß. B. * Seitdem die von Moritz Steinschneider redigirte „Hebräische Bibliographie", die nicht nur „ein Repertorium über die das Jndeuthum und seine Quellen betreffende Littcratnr, sowohl für die Wissenschaft, als für den Buchhandel," sondern auch eine reiche Fundgrube litteratnr- und kulturgeschichtlicher Nachweise und Belehrungen geworden ist, nicht mehr herausgegeben wird, fehlt es der jüdischen Litteratnr an einem bibliographischem Organ, dessen Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Negistriiung der sämmtlichen ihr angehörigen neu erscheinenden Schriften besteht. Um diesen Uebelstand abznhelfen, hat sich der gelehrte Frankfurter Rabbiner Dr. N. Brüll entschlossen, einen „Centralanzeiger für jüdische Litteratnr" heranszngeben, ein Unternehmen, welches wir mit aufrichtiger Freude begrüßen und dem wir den besten

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