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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-14 · Heft 9 (14.3.1890) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 9 (14.3.1890)
Date
1890-03-14
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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140 mehr als zweifelhaft; sicher aber ist es, daß Paulus dort lebte und lehrte. Als Gefangener kam er hin, aber sein Wort unterminirte die Kerker sowohl, in denen seine Parteigenossen seufzten, wie den Thron, auf dem Rom's Kaiser sahen, von dem aus sie die Welt in Zittern versetzteil. Jerusalem lag in Trümmern. Durch den Bar Kochbaaufstand, an dem das an Ansbreitnng gewinnende Christenthum nicht wenig Antheil hatte — kam es doch auf einen Messias mehr oder weniger nicht an! — wurde, was Titlls gelassen, völlig zerstört. Jerusalem ward eine heidnische Stadt. Nur selten betrat sie ein Jude. Caesarea aber blühte als die Hauptstadt des Landes,') zugleich als Sitz des Kirehenhanptes in Palästina, dem das Bisthnm in Jerusalem untergeordnet war. Paulus hatte über Petrus gesiegt, Caesarea über Jerusalem. Der Gegensatz, in dem die beiden Städte zu einander standen, ward durch die nach der Zerstörung Jerusalem'» eingetreteneu Verhältnisse mit aller Konsequenz durchgeführt. Nach Jerusalem kam nur selten ein Rabbi, um vielleicht ans den Trümmern des Tempels zu weinen, in Caesarea aber blühte neben der christlichen Akademie, die viele Jünger herbeilockte, jüdische Gelehrsamkeit. Der Berkehr zwischen Inden und Jndenehristeu scheint trotz eines Synhedrialbeschlnsses, der jeden Umgang mit diesen verbot,-) ein ziemlich reger gewesen zu sein; fast wäre er dem R. Elieser bei Hyrkanos, dem berühmten Schüler des N. Jochanau ben Saeeai, verhängnißvoll geworden; denn er gerieth, weil er in Caesarea oft mit Minim — so hießen die Judenchristen — verkehrte, bei der römischen Negierung, die sich in Folge der stärkeren Ansbreitnng des Christenthums genöthigt sah, strengere Maßregeln gegen dessen Anhänger zu ergreifen, in Verdacht, selbst ein Minäer zu sein. Nur ein kluges Wort rettete ihn ans der Todesgefahr. Ans dieser Erfahrung stammt seine Sentenz: Immerdar fliehe der Mensch das Häßliche und was dem Häßlichen ähnlich.-') Gegen die Ehelosigkeit in esseuisch-christlichen Kreisen wendet sich sein Ausspruch: Wer kein Weib hat, verdient nicht den Flamen Mensch.'') Erwähnen wir noch seine herrlichen GebctcSworte, an die einzelne Stellen im N. T. anklingen: „Thne Deinen Willen im Himmel oben, last ein Wohlgefallen sein unten, Jene, li vgl. Tacit. hist. IT., 79 „haec Judaeae caput est: vgl. Hieron. Ep. XXXVLII. ad Pammacli. Tom IV., Pars II., p. 330, ed Mart. ,,Ni fallor, hoc ihi decernitnr ut Palaestinae metropolis Caesarea sit et totius Orientis Antiochia; vgl. Jos bell. 3,!», 1; Ant. 1<h.I l; vgl. Echa r. 1, 9 s. v. pjf nirr; “isp actr va P rrmn “c rena nrrn aS cPrrv rein Pr *u* a na ran pi-rnaa pcp nrrj ePrn1 rnnnra cfe reim pisijm “) vgl. Graetz, Ge sch. I V., S. 43. 8) Tos.Chnl. 2,2i ^irrn ^2 mn rna k,t eSipS mp?*? nrrvj 4) Job. <;:;a. lyg rfiTK iS 'TÜT Sr die Dich fürchten und was Dir gut dünkt, das thne!"') An einem Freitag starb er in Caesarea. An seinem Sterbelager standen die weinenden Schüler: „Meister, lehre uns die Wege, durch die wir des ewigen Lebens theilhaftig werden!" sprachen sie, und manch' ernste Mahnung entrang sich dem Munde des Scheidenden, unter anderen! sprach er: „Haltet fern eure Kinder von allznvielem Grübeln! -) — in das Gewand griechischer Weltweisheit hatte sich Paulus' Jndenthum gehüllt und eine Lehre war entstanden, die sich immer mehr von dem Glauben der Väter entfernte. Je mehr das Christenthum in Caesarea überhand nahm, desto mehr entfremdete sich die Stadt dem jüdischen Bewußtsein — N. Inda, der Patriarch (170—219) erklärte sie und ihr Gebiet als außerhalb Palästina gelegen.-') Anerkannt war als Lehrer in Caesarea Hoschaja rabba, der Ordner der Tosefta. Ihn verehrte N. Jochanau (189—279» als Meister, den er, sobald ihm einzelnes auf halachischem Gebiete dunkel war, aufsuchtc.') N. Jochanau war eine milde Natur. Auch der Heide war ihm nicht der Götzendiener schlechthin. Er schätzte griechische Bildung und gestattete daö Studium der griechischen Sprache den Männern, weil es nützlich ist. sie zu verstehen und zu sprechen, schon um Angebereien, die in Caesarea an der Tagesordnung waren, vereiteln zu können, den Frauen, weil die Sprache ihnen eine Zierde ist. st Zn seiner Zeit fand das erste Konzil behufs Regelung der Osterfeier, die in der christlichen Kirche schon früh zu Streitigkeiten Veranlassung gab"), unter dem heil. Theophilus (198in Caesarea statt. Ein Zeitgenosse des Hoschaja rabba war Origenes, einer der bedeutendsten Lehrer der alten Kirche. Um 183 zu Alexandrien geborenst, wurde er als 18jähriger Jüngling in seiner Vaterstadt als Katechet angesteltt, zerfiel aber bald, ak er zum Presbyter in Caesarea gewählt wurde, mit seinem Bischöfe Demetrius, zumal diesem seine Rechtgläubigkeit in Folge seiner cigeuthiimlichen Geistesrichtnng, die den Alexandriuismus mit dem Christenthum in Uebereinstimmnng zu bringen suchtest, verdächtig wurde. Ans Betreibung Demetst Tos. Ber. 3, 7; Ver. 29 b SPEE E\BiP!T ‘"pijH HtPP nrp y'si'z nsm nnnr -j^tS nn r\m jm 2) Ber. 28b jpjnrr p 1P3E vgl. Geiger jüd. Ztschr. V, 299: Vö!v, B. Clian. IV. 3. 31, Bacher, die Agada der Tannaiten I., 3. 102, A. 3. 8) vgl. Jer. Demai 22e; s. dag. Jer. 5ket. 29 h, wo AbaHu es noch als jüd. Gebiet ansieht. -st Jer. Ter. 17 a. lieber Hoschaja rabba, s. Frankel, Mcbo 3. 74 ff. lieber R. Jochanau s. ib. 3. 99h ff. st Pea 19 o. lieber Angebereien in Caesarea vgl. Jalk. Hiob. DO 1: Jalk. Koh. 972; Koh. r. 9, 19. °) lieber die Streitigkeiten betreff der Osterseier. s. 3t. u. Kr. 1818, S. 383; 1899, 3. 797. st lieber seine Selbstentmannnng berichtet Euseb. K. G. VI, 2. 8,i vgl. (Rieseler, Kirchengescbichte 1, 1, 322.

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