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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-14 · Heft 9 (14.3.1890) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 9 (14.3.1890)
Date
1890-03-14
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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133 muß es heißen: „für das Wohl der weibliche», aus der Schule entlassenen Jugend, u. zw. besonders für die wirthschaftliche Ansbildnng armer jüdischer Mädchen" anstatt „n. s. w>", in dem vorletzten Absatz „ca. 2600 M. an jährlichen Beiträgen" anstatt „600 SD?.". Gleichzeitig können wir mitthcilen, daß sich inzwischen die Jahresbeiträge ans 3200 M., die einmaligen Zuwendungen ans 10,500 M. erhöht haben. Hamburg, 27. Februar. Die Beerdigung des langjährigen Oberkantors des deutsch-israelitischen Synagogcnverbands, H. Lcwandowski, fand heute Morgen 10 Uhr vom Trancrhause ans statt. Die zahlreiche Betheilignng legte ein beredtes Zengniß für die allgemeine Beliebtheit des Verstorbenen ab. Das Gefolge bestand ans 10 Wagen und mehrere» hundert Fußgängern. Im Trancrhanse selbst fand unter Theilnahme der Spitzen des Shnagogcnverbandes und der dentsch-israelitischcn Gemeinde, sowie zahlreicher Freunde und Bekannten eine erhebende Trancrfeierlichkeit statt. Herr Oberrabbincr Hirsch widmete dem so plötzlich Dahingeschicdcnen einen warmempfnndcnenNachruf, welcher auf alleAnwcsende» sichtlich einen tiefen Eindruck machte. — Die Leiche des Verblichene» wurde auf dem israelitischen Friedhofe in Ohlsdorf dem Schooße der Erde übergeben. Hamburg, 7. März. Die Trauung des Fräulein Margarethe Form cs, der ehemaligen Schauspielerin vom Wiener Bnrgtheater, mit dem Baron L. v. Königswarter, hat vorgestern in Hamburg durch den Rabbiner Dr. Leimdörfer stattgefundeu, nachdem die Braut zum Jndenthnm übcrgetreten war. 1' Frankfurt a. M., im März. Wir glauben die Lehrer und Rabbiner ans dem Leserkreise Ihres gesch. Bl. wiederholt darauf aufmerksam machen zu müsse», daß mit Ende dieses Monats die Frist ablänft, binnen welcher auch solche Lehrer oder Rabbiner, die bereits das 10. Lebensjahr überschritten, aber das 50. noch nicht erreicht haben, als aktive Mitglieder in die Achawa anfgeuommen werden können. Dieselben haben außer dem Einkanfsgelde von 60 M. noch die Beitrüge für die vom 10. Lebensjahre an znrückgelegteu Jahre nachzuzahlcn. — Möge dieser Mahnruf nicht unbeachtet bleiben! Ocsterrcich-Ungam. w. Wien, 9. März. Das „Judengesetz", wie cs im Volksmunde heißt, obschon die Inden offiziell jetzt Israeliten heißen, wird demnächst promnlgirt sein. Man darf von demselben keine Wnnderwirknngcn erwarten; aber es wird doch den Gemeinden einen sicheren Boden, und zwar durch das Recht Knltussteuern zu beheben, geben. Es ist in dem Gesetze die Frage offen gelassen, ob wie in Mähren auch in den anderen Kronländern Landcsrabbinate entstehen sollen. Wie cs jedoch scheint, wird man von dieser Erlanbniß keinen Gebrauch machen, da sich Landcsrabbinate anch in früherer Zeit nicht bewährt haben. So bestand in Böhmen zeitweilig ein Landcsrabbinat, das jedoch cinging. Es scheint anch, daß der Landesrabbiner mehr der Träger eines Titels als der Funktionär eines Amtes war. In Folge des neuen Gesetzes wird anch die hiesige Gemeinde daran gehen müssen, ihre Statuten zu revidiren, was von großem Vortheile sein wird. Die Gemeinde kann nämlich in finanzieller Beziehung nicht stets ihrer Aufgabe Nachkomme», und zwar aus dem Grunde, weil ihr die Mittel fehlen. Die höchste Knltnsstener, die hier gezahlt wird, ist fl. .5« >0 jährlich, und nun vergleiche man damit, wie weit reiche Leute in Berlin oder, um bei Oesterreich zu bleiben, in Triest zahlen. Die Knltnsstener für die obersten Zehntausend wird also jedenfalls, und zwar bedeutend erhöht werden. — Es sind Heuer loO Jahre, seitdem Solomon L. Nappaport, der bahnbrechend für die Wissenschaft des Judenthums war, geboren wurde. Als ihn seiner Zeit Jost fragte, wie alt er sei, antwortete er: vijpri Höl pn TilPl Ieuiklelon. Franz Delitzsch. Bon Gustav Karpelcs. Sie haben einen guten Mann begraben, nnd uns war er noch mehr. Sein Name steht über diesen Zeilen, sein Gcdächtniß aber wird fortleben in unfern Herzen. Gerade als er die letzten Worte einer Arbeit über „Mejsianische Weissagungen" geschrieben hatte, hauchte er seinen letzten Lebensodcm aus. Was er dort noch in Ahnungen und Hoffnungen ausgesprochen, das ist ihm nun zur Gewißheit geworden, da er eingegaugen, „zu schauen die Herrlichkeit Gottes und auszuruhn in seinem Heiligthume". Am Dienstag voriger Woche ist Franz Delitzsch ans dieser Zeitlichkeit geschieden. Mitten in den Stürmen dieses Vorfrühlings ist er von uns gegangen, er, der selbst den Frühling j so heiß ersehnt, so innig geliebt, so herrlich verkündet hat: den Frühling in der Natur, den Frühling im Völkerlcben, i den Frühling der Menschheit. Nicht an mir ist es, heute nnd an dieser Stelle das Leben zu schildern, welches Franz Delitzsch heißt. Wohl aber ist es an uns, schon heute zu sagen, was er uns gewesen und warum er uns mehr als all' den Andern war, die seine Gruft trauernd nmstanden. Franz Delitzsch war ein echter deutscher Gelehrter. In Leipzig 1813 geboren, stndirte er daselbst und führte dort das Lehramt, bis er nach Rostock und Erlangen berufen wurde. Dann kehrte er.wicder nach Leipzig, lehrte dort weiter, und wo seine Wiege stand, liegt nun anch sei» Grab. Das ist Alles. Dazwischen liegt aber ein großes, viclumfassendcs inneres Geistesleben, das nun in mehr als hundert Schriften vor den erstaunten Zeitgenosse» sich offenbart, ei» Geistesleben, so

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