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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-14 · Heft 9 (14.3.1890) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 9 (14.3.1890)
Date
1890-03-14
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 Hanfe», auch nicht mit Branntwein und Opinni, sondern einzig TlVC d. h. mit dein Feuer echter religiöser Begeisterung. Er wolle daher die Jünger der Lehranstalt allerdings als „Missionäre", aber nur als solche anssenden, die in den jüdischen Glaubensgeincinden die in der Anstalt gewonnenen lleberzengnngen zur Ehre des Jndenthnnis und der Pflanzstätte verkünden und bethätigen. Ein weiteres Lied leitete einen Toast des Rabb.-Kandidatcn M i t t e l in a n u ans die Männer der Kanzel ei», welcher die ans der Aggada bekannte Erzählung von den Weisen zu Bene Berak mit dein gegenwärtigen Stiftungsfeste in einen humoristischen Vergleich stcllle. Im Anschluß daran erhob sich, lebhaft begrüßt, der Dozent der talinndischen Disziplinen, Herr Dr. Joel Müller, um daran zu erinnern, daß mit dem Abend des 27. Februar bereits der 7. Adar, der Gebnrts- und Sterbetag unseres großen Gesetzgebers Mose, begonnen habe, den Redner als Vorbild für einen jede Heuchelei verschmähende», überzengungstreuen Lehrer der Religion feierte. Hierauf wies Herr Prediger Dr. Landsberger ans den erfrenlicheii Gegensatz hin, in dem sich die heiltigen Stndirenden der jüdischen Theologie zu denen seiner eignen Studienzeit befänden, wo es noch keine Lehranstalt gegeben; anknüpfend an das Lnther'sche Wort, wonach der Prediger ins Blaue, der Lehrer ins Grüne rede, betonte der Redner besonders die Wichtigkeit der Vorbereitung znin Lehrerberufc. — Nachdem Nabb.-Kandidat Diamant noch den Gästen im Allgemeinen einen kurzen, aber herzlichen Toast gewidmet hatte, ergriff Rabbiner Dr. Maybaum noch einmal dasWort, um die segensreichenFolgen eines freiinüthigen Meinnngsaustansches darzulegcn. Gerade für die Entwickelung eines Theologen sei cs von höchster Wichtigkeit, abweichende Ueberzeugnngen zu dulden und achten zu lernen, was ja bereits die Alten in dem Satze ausgesprochen: OTIsd'2^ eWltlTa 4T „Wisse, was Du dem Epiknrner zu antworten hast". In diesem Sinne könne er nur jedem Hörer der Lehranstalt den Eintritt in diesen Verein aufs Wärmste empfehlen. Mit der Verlesung der zahlreich eingelanfenen Gratnlationsschrciben von Kuratoren, sonstigen Eingeladenen, sowie von den korrespondirenden Mitgliedern des Vereins und anderen ehemaligen jetzt amtirenden Hörern der Lehranstalt schloß der offizielle Theil des Festes. Die Fidelitas, welche außer der Verlesung einer hninorvollen Dichtung von Dr. Landsberger noch einige Lieder und zwei Erwiederungen von Gästen brachte, hielt die Anwesenden noch bis tief in die Nacht hinein beisammen. So dürfte denn auch dieses stinnnnngsvoll verlaufene Fest dargethan haben, daß in der Hörerschaft der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Jndenthnnis" ein reger Geist einmüthigcn religiösen Strebens erwacht ist, der für die Zukunft dieser Schule zu schönen Hoffnungen berechtigt. * Berlin, 7. März. Zn einem eigenartigen Geständnisse muß sich die „Krenzzeitung" angesichts der antisemitischen Wahlen in Hessen-Kassel bequeme». Ihr kurhessischer Korrespondent schreibt in einem Aufsatz über den Ausfall der Wahlen: „Die sozialdemokratische und antisemitische Agitation, welche ihre Lehren von Hans zu Haus trägt, sorgt für den Widerwillen, welcher den Besitzenden gegenüber angcfacht wird, für den Haß gegen die gebildeten Klassen. Unser Land ist keineswegs so arg verjndet, die Antisemiieu haben nur in solchen Landestheilen Boden gefunden, wo eine von jüdischem Einflüsse wenig berührte ländliche Bevölkerung wohnt, im Hananschen und Fnldaschen, wo thatsächlich die Inden das Geschäft in der Hand haben, ist von Antisemitismus keine Spur." — Wir freuen uns dieses Geständnisses. Also nur da gedeiht der Antisemitismus, wo man die Inden selbst nicht kennt, sondern sich nach den Schilderungen berufsmäßiger Hetzer ein Bild von ihnen zu machen gezwungen ist. Berlin, 9. März. In der Sitzung desj preußischen Abgeordnetenhauses vom 5. März wurde beschlossen, über die Petition der jüdischen Gemeinde in Segeberg um Bewilligung einer Beihilfe ans Staatsfonds zur Besoldung ihres Religionslehrers zur Tagesordnung überzugeheu. * Berlin, 7. März. Die Feier der n en n z i g ste n W i e d e rkehr seines Geburtstages beging gestern in Frische und Rüstigkeit unser Mitbürger Herr Noa Levinsohn. Derselbe ist eines der ältesten Mitglieder der Berliner Neformgenieinde, in welcher er als Repräsentant und Mitglied der Gottesdienst- Kommission fnngirte. Noch bis vor zwei Jahren hat L. allwöchentlich die Synagoge besucht. — Der Brüdcr-Vercin zur gegenseitigen Untcrstütznng, Unter beit Linden 4a, begeht am 15. März die Feier seines 75jährigen Bestehens. * Berlin, 7. März. Der Bau der Synagoge auf dem Grundstück Lindenstraße 18—50 ist begonnen worden und bereits aus den Fundamenten heraus. Die Synagoge entsteht auf dem Hinterland, während auf dem Vorderland ein mehrstöckiges Gebäude für Schul- und Wohnzwecke errichtet wird. Auf beiden Flügeln seiner Front ist ein Portal angeordnet, deren eines den Anfang, deren anderes das Ende eines in Form einer halben Ellipse um die Synagoge sich ziehenden Weges von fünfzehn Fuß Breite — also Eingang und Ausgang — bildet. Zwischen dem Vordergebäude und der Synagoge ist ein Hof angeordnet. Dem eigentlichen Synagogenban verbleibt demgemäß ein sehr beschränkter Platz, aber anders wäre die Banerlanbniß nicht zu erlangen gewesen. Berlin, 10. März. Das Moses Mendelssohn-Denkmal für Dessau schreitet unter den Händen des Bildhauers Heinr. Hoffmeister bereits der Vollendung entgegen. Das Denkmal erhält die Gestalt eines von einem Stnfenban getragenen Bassins, in dessen Mitte das Postament mit der Kolossalbüste anfragt. Ihr zur Seite hat die sinnend in die Ferne blickende Figur der Philosophie ihren Platz, während an den drei übrigen Seiten Becken mit wasserspeienden Bürenköpfen angebracht sind. * Berlin, 9. März. Der Aufsatz des Herrn Dr. Str elitz in Nr. 7 unserer Zeitung enthält zwei Druckfehler, welche folgendermaßen zu berichtigen sind. In dem ersten Absatz

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