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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-14 · Heft 9 (14.3.1890) · p. Seite 133

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 9 (14.3.1890)
Date
1890-03-14
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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133 prächtig ausgestatteteil Villa geschmücktes Grinidstück erstreckt | sich Don der Thurmstraße, zwischen der Bremer- und Wilhelmshavenerstraße, bis zur Verbiudiiugsbahu und umfaßt außer großen Gärten und Spargelplantagen noch richtige Kornfelder, alles demiiächstiges Platz-, Straßen- und Baustellen-Terraiu. Cahnheim, von unbemittelter Herkunft, ein echter selk-mackeman, hat als Holzhändler den Grund zu seinem bedeutenden Vermögen gelegt, und in richtiger Voraussicht der Eutwickelnug Moabils, nachdem es zu Anfang der sechziger Jahre in Berlin einverleibt worden, dort rechtzeitig das bezeichnete, jetzt ungleich werthvoller gewordene Terrain erworben. Ein nicht seltener Gast ist in der Cahiiheim'schen Villa der alte Kaiser Wilhelm gewesen, welcher den Verstorbenen mit seinem Vertrauen beehrte und sich gelegentlich daran erinnerte, wie er mit seinem Bruder Prinz Karl mehr als einmal in seiner frühen Jugend in dem Kaffeekokal verkehrte, welches an Stelle der jetzigen Villa in den zwanziger Jahren gestanden hat und von der Haut« volee Berlins zeitweise mit Vorliebe ausgesucht wurde. Cahnheim ist 74 Jahre alt geworden. Die jüdische Gemeinde verliert in Cahnheim einen den bedürftigen Glaubensgenossen gegenüber stets hilfsbereiten Mitbürger. ß Berlin, 11. März. Die Reihe der Vorträge zu Gunsten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums schloß gestern Abend Herr Rechtsanwalt Dr. Heinrich Meyer-Cohn, welcher über „Die Inden im heutigen England" sprach. Der Vortrag, welcher eine Fülle des interessantesten Materials bot, wurde von einer zahlreichen Hörerschaft mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Unsere Leser werden bald Gelegenheit haben, sich zu überzeugen, wie wohlverdient dieser Beifall war. Eine unserer nächsten Nummern wird die Wiedergabe des Vortrages enthalten. — Nach Schluß der Rede betrat Herr Sanitätsrath Dr. Kirstein das Rednerpult und sprach Herrn Dr. Heinrich Meyer-Cohn sowie den früheren Herren Vortragenden den Dank des Publikums in kurzen Worten ans. I. Berlin, 7. März. Der Verein der Hörer der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthnms" feierte am 26. Februar er. im Festsaale des Hotel Portugal sein 2. Stiftungsfest. Zu demselben waren außer den Hörern der „Lehranstalt" erschienen: die Dozenten derselben Doktoren Cassel, Müller, Maybaum; der Vorsitzende des Kuratoriums Prof. Dr. Lazarus, ferner Prediger Dr. Landsberger u. A. m. Bald nach 9 Uhr eröffncte der zeitige Präside, Rabb.-Kand. Dr. B lnmenthal, die Feier mit einer Begrüßung der Festtheilnehmer und ließ alsbald das erste, von einem Komilitonen gedichtete Lied absingen. Dann legte Herr Dr. L. in längerer Rede die Ziele und Bestrebungen des Vereins dar und gab einen Ueberblick über die bisherige Entwickelung. Klärung der Ansichten über alle die moderne jüdische Theologie bewegenden Fragen — wie Förderung des Bewußtseins der Zusammengehörigkeit unter den Hörern — dies seien die beiden Hauptprinzipien des Vereins; jenem suche er durch Vorträge »nd zwanglose freimiithige Debatten, diesem durch geschlossenes Auftreten i» allen durch die Hörerschaft interessirendcn Angelegenheiten gerecht zu werden. Nach Absingnng eines zweiten Liedes ergriff Herr Rabb. Dr. Maybanm das Wort, um als zeitiger Vorsitzender des Lehrerkollegiums die Glückwünsche desselben dem Verein darznbringen und ihm gleichzeitig gewisse Direktive für seine fernere Wirksamkeit zu geben. Redner sprach auch seine volle Sympathie für eine vom Präsiden gegebene Anregung aus, die dahin gittg, daß der Verein in seiner Mitte einen Darlehnsfond für bedürftige Hörer, ähnlich dem Liwjath Chen des Breslauer Seminars, begründen wolle. Hierauf folgte ein Toast auf das Kuratorium vom Schriftführer Rabb.-Kand. Samuel, welcher auf die Einheit der Hörerschaft gegenüber den Kollegien der Kuratoren und Dozenten hinwies und als das Ideal der „Lehranstalt" das einer jüdisch-theologischen Fakultät im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnete. Hierbei gedachte er des vor wenigen Monaten dahingcschiedenen Dr. Ludwig Philippson als Kurators der Lehranstalt und zugleich als des Mannes, der mit jenem Ideal schon in den vierziger Jahren in eben dieser Zeitschrift aufgetreten sei. Im Name» des Kuratoriums crwiederte alsbald Herr Prof. Lazarus. Das Wort des Talmud: xniiTÄ ’X XJtnsn „Entweder Vereinigung oder Tod", deute er auf dreifache Verhältnisse: Im gegenseitigen Meinungsaustausch zwischen Jünglingen, die durch gemeinsame Berufswahl und Bildungsstätte verbunden seien, könne eine Ansicht erst zur rechten Geltung kommen, die in der Vereinzelung verkümmert wäre; sehe sie sich aber dann isolirt, so solle sic, jenes Spruches eingedenk, sich durch Berücksichtignng anderer Ansichten abkläre» und lebensfähig machen; und wenn endlich eine ganze religiöse Richtung in den Gemeinden keinen Rückhalt fände, so solle sie dies als ein sicheres Kriterium ihrer Lebensnnfähigkeit ansehe». Nach Absingnng eines auf die Dozenten der Lehranstalt gedichteten Liedes folgte ein Toast auf dieselben von Rabb.-Kand. Kalischer, welcher außer dem Dank für die wissenschaftliche Ausbildung die bereits während der Studienzeit ermöglichte Vorbereitung für den Predigerberuf betonte und ans den bildenden Einfluß eines persönlichen Verkehrs zwischen Dozenten und Studirenden hinwics. Nunmehr erhob sich der Senior des Lehrkörpers, Dr. David Cassel, um in einer humorvollen Rede die wahren Ziele der Lehranstalt" ins rechte Licht zu setzen. Redner begann damit, zu erweisen, warum das Judenthnm nicht im gewöhnlichen Sinne Propaganda machen könne, und hob als vornehmsten Grund dafür hervor, daß es sich nie ans Konzessionen und Kompromisse eingelassen habe, ebenso wenig wie etwa der pythagoräische Lehrsatz. Die Juden, fo führte Redner unter lebhaftem Beifall aus, handelten in neuerer Zeit zwar mit allem Möglichen, mit alten und mit neuen Sachen, mit Aktien und mit Renten, nur nicht mit ihrer Uebcrzengung! Und ein Zweites sei, daß das Jndenthum nie mit solchen Mitteln Vorgehen mochte, wie sie andere Religionsgemeinschaften zu ihrer Ausbreitung angewandt. Nicht mit Kanonen und Scheiter-

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