Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 8 (7.3.1890)
- Date
- 1890-03-07
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
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126 saug, dessen Wort die Propheten kündeten; nur die Noth hatte hier den Krieg zur Tugend gemacht, der Name') aber und das Ideal, das hier in den Geistern lebte, kündete den Frieden als höchstes Postulat und höchste Errungenschaft der ringenden und geeinigten Menschheit; in Caesarea hingegen erinnerte Alles an das wahnwitzige Cäsarenthnm, das Menschenhaß und Wahnsinn in sich verkörperte, an jenes Rom, das den Völkern mit der Freiheit auch den Adel des Selbstbewnßtseins genommen, an jenes Rom, dem die Völker zujubelten, wenn sie von ihm getreten wurden — Caesarea, die Stadt, die ein jüdischer König auf jüdischem Gebiete erbaute, erhielt von vornherein ein heidnisches Gepräge, weswegen sie auch Tochter Edom's'), Klein-Rom'), Stadt der Verachtung^), ein Pfahl am Fleische Israels') genannt wurde. Der Hafen erhielt den Namen Angnstus und der Thurm am Eingänge der Stadt Drusins. Ein römischer Tempel blickte in weite Ferne, den Schiffern ein günstig Zeichen, daß heidnisch die Stadt, in der es von Fremden wimmcltc, in deren Hafen die Masten fremder Schiffe emporragten. In dem Tempel befand sich das Bildniß des Kaisers in der Größe des Jupiter im Olymp neben der Juno, die das Bildniß der Stadt Rom darstelltc. Auch die öffentlichen Gebäude, namentlich die Theater, in denen Kampf und Ritterspieleü), Greuel in den Augen der Juden, abgehalten wurden, verliehen der Stadt einen heidnischen Charakter. Aber noch verhaßter wurde Caesarea den Juden, als die römische Regierung mit Rücksicht darauf, daß sie von hier aus leicht mit Syrien, Kleinasien und Egypten in Verbindung blieb und ihre Truppen zu Wasser mib zuLand ohneSchwierigkeit verproviantiren konnte, hier ihren Sitz aufschlug.') Von hier ans flog der Blick des römischen Adlers durchs ganze Land; >) n^tr * *rr- ') DH« ns HDp Meg. 6a; Echa r. 4, 26 'NQ1P1 '2NP pop 1? DH« ns 3) «“PH 'SH- Sedcr ha-Dorot s. v. USO'P ns Dl' 4) K'smjn «Dinnn «nrnis >W. r. n, 89;3aif. npni'J- 5) ranpn nn' Meg. Ga; Oppenheim 0. a. O. liest au dieser Stelle statt die Cmendation ist unnöthig, vgl. das Vorwort zu meiner Schrift „Der politische und religiöse Charakter des Josephus Flavins", Berlin 1889. •) Ueber eine Theatervorstellung in Caesarea, in der die Juden verhöhnt wurden, s. Einl. zuThr.17; über dieEselssigurallfderSchulter des Possenreißers 8L2-N Sabb. 66 d. Zu den Kunstprodnkten Caesareas gehören die eigenartigen Bettstellen K^Dp DIDÖ oder rP'HDp*!-KDI!?, 3er- M. kat. 83a; Ber. 6a, und die dort erzeugten Seidenwaaren ^^Op Jer. Kil. 36a. Berühmt waren die Bäcker der Stadt, von denen einzelne 500, ja tausend Arten von Gebäck bereiten konnten Koh. r. l, 23; Echa r. 3, 15. Neichthum und Glanz führte die Bewohner zur Herrschsucht, daher nach den Rabbinen in Caesarea der Hohepriester am Versöhnungstage im Heiligthume betete u bv 11 «nns- H'SIT üb'V, Jer. Joma 42c; vgl. Lev. r. 20, kss. äs B. Kah. 'nN«- ’) D'SHS HP l’SianDD. Meg. da. hier sammelten sich die Auxiliartruppeu), die der Juden frei wogende Kraft in Banden hielten; hier sprach Rom sein Urtheil über Besitz und Leben'); hier wurden die Stenern ausgeschrieben, die des Volkes Kraft erschöpften'); von hier aus leiteten die geldgierigen Prokuratoren') die Wahl des Hohenpriesters; von hier ans flog der Funke ins Pulverfaß, der das staatliche Leben Israels vernichtete. Caesarea sollte ursprünglich die Nebenbuhlerin Jerusalenis werden, wurde aber seine Besiegerin. Wie Jerusalem der Mittelpunkt des nationalen Volksthums und der Natioualgesinnten gewesen, so wurde Caesarea der Ausgangspunkt aller gegen Inda gerichteten feindlichen Bestrebnugen. So oft Caesarea jubelte, weinte Jerusalem. Herodes starb. Caesarea weinte ihm eine falsche Thräne nach; Jerusalem aber halte für Tyrannen keine Zähren. Archelans, sein Sohn, erbte den Königstitel, freute sich aber nicht lange sein; Rom wußte ihn bald bei Seite zu schaffen. Prokuratoren, die feilen Knechte Roms, die gleich Königen lebte», beherrschten das Volk. Die ganze Welt bebte, wenn Rom sprach; die Juden aber empörten sich, sobald ihnen eine neue Kopfsteuer aufgelegt wurde. So waren kleine Aufstände nicht selten, Rom's Kreaturen verstanden ebenso wenig wie Rom selbst, der Volksindividualität Rechnung zu tragen. Noch einmal sah Jerusalem einen jüdischen König in seinen Maneru; es war Agrippa, ein Enkel des Herodes, ein milder, aber schwacher Mensch, politisch geschult — er hatte in Rom seine Erziehung genossen — aber ohne innere Festigkeit. Er bemühte sich redlich, die Gunst des Volkes zu erwerben, und ehrlich waren seine Frendenthränen, da das Volk ihm zurief: „Du bist unser Bruder!'") Allein er trieb eine Schaukelpolitik, die noch niemals bestehende Gegensätze anszugleichen vermochte. ‘) Die Auxiliartruppeu, die au- 2 Alae Reiterei und 5 ÄohortcnInfanterie bestanden, Ant. 19, 9, 2, setzten sich zumeist aus Syrern zusammen, Jos. bell. 2, 13, 7; 4, 1, 5; Ant. 14, 15,10; 20, 8, 7. Tic Reiterei rekrutirte sich aus Caesarea und Sebasts Jos. ant. 20, 6, 1; bell. 2, 12, 5; vgl. Apg. 10, 1; 27, 1. Ueber die Auxiliartruppcn s. Marquardt, röm. Staatsvcrfassung S. 453; über die Auxiliartruppeu in Caesarea s. Wiss. Zcitschr. f. Theol. 83 S. 12. Inschriften auf Meilensteinen der ehemaligen Besatzung in Caesarea s. Corpus inscript. graecar. III. 4472 S. 219. Eine lat. Inschrift, in Maros Nöniet bci.Gyula in Ungarn gefunden, s. Corp. inscript. lat. III., 1, 1382 S. 224; s. das. V., 7007 S. 788. *) Ueber das Recht in Caesarea, vgl. Midr. Esth. 7 Auf.; Jalk. Ps. 702; 830. ') Ueber die Lage der Juden daselbst, Jalk. Ge». 110; Meg. 6 a; verrufen waren namentlich die Gefängnisse, auf die das Wort: „Dein Leben schwebt stets vor Dir" (Deutr. 28, 66) bezogen wurde,Csih. r. 1,1. pnJ «HIP Hl “TUS *f? D’Xl^n "[’H 1H1 pDp bw ’DHS 4) |HDp*l die Prokonsulen von Caesarea, Ber. 9 a; Jer. Pes. 28 a, Meg. 74 a. Z Sola 41a.