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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-07 · Heft 8 (7.3.1890) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 8 (7.3.1890)
Date
1890-03-07
Page
Seite 127 (sequence 15)
Language
German
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Mit besonderer Vorliebe weilte er in Caesarea, und fast schien es, als könnte die heidnisch gesinnte Stadt für die ihr von dem Könige zu Theil gewordene Auszeichnung dankbar sein; sie ließ ihm zu Ehren eine Denkmünze prägen, die auf der einen Seite das Bildniß des Königs mit der Inschrift: „Der große König Agrippa, Freund des Kaisers" — das war das höchste Lob, das Caesarea zu spenden verstand — und ans der andern Seite das Bild der Glücksgöttin trug, in der eineil Hand das Ruder und in der andern das Füllhorn haltend, mit der Inschrift: „Caesarea beim Hafen Sebastos."') Allein wie wenig tief der Dank der Stadt wurzelte, erwies sich beim Tode des Königs. Dieser hatte zu Ehren des aus Britannien siegreich heimkehrenden Claudius ein glänzendes Fest in Caesarea gegeben, aber in der dem Feste folgenden Nacht starb er, nach Einigen an einer Wurmkrankheit, die lange an ihm genagt haben soll, nach Anderen in Folge einer Vergiftung.') Kaum hatte sich die Nachricht von seinem Tode in der Stadt verbreitet, da zogen die heidnischen Bewohner singend und johlend durch die Straßen, und ihnen schlossen sich die Soldaten an, mit unflätigen Reden die Töchter des Kölligs schmähend. So dankte Caesarea dem Könige, der es mit Wohlthaten überhäufte. (Schluß folgt.) Vermischtes. Daß die „Allgemeine Zeitung des Jndenthnms" immer in den ersten Reihen stand, wo es galt, für Freiheit und Aufklärung zu kämpfen, ist bekannt, ebenso auch, daß sie und ihr Begründer Ludwig Philipp so» in Folge dessen so manche Gefährdung von lichtscheuer Seite zu bestehen hatte. Wie weit dieser Haß gegen Philippson von theologischer Seite getrieben wurde, ist unser» Lesern wohl bekannt. Weniger indeß dürften die Anfeindungen im Gedächtniß des Publikums sein, welchen in politischer Hinsicht unser Blatt und sein früherer Leiter zeitweilig ansgesetzt war. So erinnert die „Israelitische Gemeindezcitnng" daran, daß in der Sturm- und Dranges lieber Münzen, die in Caesarea geschlagen wurden, i. Arnand und Eckhcl a. a. O. 2) vgl. Apg. 12, i:>, 13; Jos. bell. I, 33, 5; Sota 35a. Periode der „Allgemeinen Zeitung des Judeuthums" für Oesterreich das Postdebit entzogen wurde, und als das Blatt unter Couvert seinen österreichischen Verehrern zugestellt wurde, man nach demselben eine förmliche Jagd veranstaltete. In Ungarn ging der Stuhlrichter znm betreffenden Rabbiner und forderte ihn nachdrücklichst auf, ihm diejenigen Personen in seiner Gemeinde namhaft zu machen, welche Philippson'sche Bücher besitzen oder gar seine Zeitung halten! Diese Hetzjagd dauerte noch in den Fünfziger Jahren fort, Nicht nnr den Geistesprodnkten Philippson's, sondern ihm selber ward der Eintritt in Oesterreich strengstens untersagt. Man erwies dem Manne der Freiheit die hohe Ehre, ihn als „gefährlichen" Revolutionär hinznstcllen, ja man stellte den schlichten Rabbiner in eine Kategorie mit Kossuth und Manzini! — G. Wolf, der berühmte jüdische Historiograph in Wien, ließ sich's angelegen sein »nd ging damals der Sache auf den Grund, da hörte er es aus dem Mund des Ministers, daß er — der Minister — gezwungen sei, einem Mann wie Philippson gegenüber, welcher so unerschrocken »nd so erfolgreich den Liberalismus vertrete »nd den Freiheitsgedanken propagire, Stellung zu nehmen. Ein solcher Mann sei höchst gefährlich und darum müsse er, um das Reich zu schützen, ihm und seinen Schriften den Eintritt »ach Oesterreich entschieden verwehre». In Folge dessen wurde Philippson, als er auf einer Reise nach Italien begriffen, Oesterreich passiren muhte, an der Grenze angehalten und bei der Paßrevision zurückgewiesen. Der „gefürchtete" Mann war daher gezwungen, znrückznreisen und mußte über die Schweiz nach Italien gehen. Ein musikalischer Wunderknabe ist in Cincinnati anfgetancht. Der vierzehnjährige Jüngling, Namens Isidore Paviers, der es bereits verstanden, die Aufmerksamkeit der Mnsikkenncr ans sich zu lenken, scheint dazu ansersehen zu sein, der Welt zu zeigen, daß der Genius der Musik auch noch in Israels Hütten weilt. Auf einem Konzert im Crystallpalast brachte er eine Schnmann'sche Komposition mit Orchesterbegleitung, sowie Chopin's „Berceuse" »nd Etndc (Op. 10.) zn Gehör. Die Wirkung des glänzenden, gefühlvollen und packenden Vortrages war eine außergewöhnliche. Paviers hat auch in der Komposition sich bereits mit Glück versucht. Pchmt mit) Werk MnM von Frau Dr. Leverson und Frl. Constanze Levy, Hannover, Thiergartenstraße 4. Auf Ostern sind einige Vakanzen. — »»- Frau Director Therese Gronau’s Jsr. Töchter-Pensionat nnd Höhere Unterrichts-Anstalt, gegründet 1»«4 kann zu Ostern noch einige Zöglinge aufnehmc». —— Berlin NW.. Hinderstnstraße 11, Königsplatz. — Dringende Bitte. (Line fast 94 jährige Rabbiiierswitlwe bittet barmherzige edle Glaubensgenossen um eine Unterstützung, da sie stets ans Bett gefesselt ist, weder Lebensmittel noch Brennmaterial besitzt. Gütige Zusendungen übernimmt aus Humanität die Redaktion dieses Blattes. Mdische Reform-Gemeinde. Sonntag, beu 9. d. Mts. Vorm. 10 Uhr Gottesdienst. Predigt Herrvr. Oppenheimer. leeknioum Mittweida \ — Sachsen. — ■ Maschinen - Ingenieur- Schule I Werkmeister - Schule. m

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