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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-07 · Heft 8 (7.3.1890) · p. Seite 125

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 8 (7.3.1890)
Date
1890-03-07
Page
Seite 125 (sequence 13)
Language
German
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jetzt von den Eingeborenen Kaisarijeh, genannt wurde, etwa 60 Stadien von Jerusalem entfernt?) Verschieden wie die Zeiten, in denen die Städte entstanden, war auch der Charakter derselben. Jerusalem liegt im Süden Palästina's, Caesarea aber gehörte dein Norden an. Verschieden von einander aber waren Nord und Süd. Ernst und schweigsam ist's int Süden. Zwischen zerklüfteten Felsen schritt stolz und hoheitsvoll, stets abcr auch vereinsamt, der Löwe von Juda einher. Wild gähnten die Tiefen, die schaurig dem Auge entgegenstarrte»; nur der Aufblick zum Himmel rvar ungehemmt, darum verstand auch Juda die Zeichen des Himmels zn lesen, den Einen zn ahne», der gezählt hat der Sterne Heer. Zähne knirschten, wenn in seinen Triften die Kinder Edoin's sich zeigten, und blitzende Augen flammten, wenn es galt, gegen die Feinde des Ewigen zu Felde zu ziehen. Lachend abcr dehnten sich die weite» Fluren im Norden des Landes. Blühende Hügel, sonnige Tristen, die von Milch und Honig übcrströmten; fröhlich genießende Herzen athmeten dort, aus denen Liederströme, von junger Liebe und alten Schmerzen rauschend, sich ergossen. Judäa war ernst und starr und abgeschlossen wie sein Gebiet, war sein Denken und Glauben; leicht zugänglich, und allein Fremden geneigt war der Norden, wo die verschiedensten Völker neben einander weilten. ') Und Judäa war in Jerusalem, der Norden aber in Caesarea verkörpert. Jerusalem, in der Mitte Jndäa's gelegen, anßer dem Wege aller Heerstraßen des Orients, rings umher von Bergen umschlossen, den Zeugen göttlicher Unveränderlichkeit, war int Osten durch das todte Meer, in Nord und West durch die Felspfade Syriens, im Süden durch die Einöden Edoin's gleichsam von der übrigen Welt getrennt. Rauh und wild ist seine Umgegend, fast ohne Ackerland, ohne Fluß und natürliche Quellen. Auf Zijon hatte David seine Burg gebaut, ein Adlernest auf felsiger Höhe. Und felsig wie der Boden, auf dem die Stadt sich erhob, war auch ihre Treue! Keine Stadt auf Erden hat so innigen Antheil genommen an dem Geschicke ihres Volkes, wie Jerusalem. Als Jungfrau jubelte die Stadt in wonnigen Tagen jungen Heldenthnms, als Weib wahrte sie Treue in schweren Zeiten bitteren Ernstes, und als Wittwe hüllte sie sich in ihr Wittwenkleid und weinte nnversiegbgre Thränen nm das Geschick des Gemahls ihrer Jugend. Caesarea hingegen lag am Meere; schäumende Wogen umspülten den Sand, auf dem die Stadt ruhte, und ans Saud gebaut war auch ihr Glaube und ihre Treue. Reich war ihr Gebiet und fruchtbar, „Land des Lebens" st ward es genannt, und der natürliche Reichthum mehrte die Leichtlebigkeit, die st vgl. Neland, Palästina S. -144, wo die Entfernung ans 68 Stadien angegeben wirbst OsttlN S’Sj. st Jer. Kct. 12 ä L"NN nttn«. das Znstaiiunenströmen der Völker an den Gestaden des Meeres geschaffen. Heiliger Eifer für Glaube nnd Volksthnm hatte einst Jerusalem begründet; tief verhaltener Groll des Fremden aber gegen das Volk, auf dessen Thron ersaß, hatte in HerodeS den Plan gezeitigt, zwischen Dora st und Joppe, den alten Hafenstädten —Groll, namentlich gegen die letztere, deren Blüthe mit dem Glanze des Hasmonäerhauses znsammenfiel nnd die schon deswegen dem Herodcs verhaßt war — an der Stelle des alten Stratonthnrmcs eine Stadt zu erbauen, die die Rivalin Jernsalem's werden sollte. Nur Groll nnd Eigensinn konnte solchen Plan ersinnen; denn gerade jene Stelle, auf der die neue Stadt sich erheben sollte, war dazu am allerwenigsten geeignet. Zehn Jahre lang dauerte der Ban, der ungeheure Snmmen verschlang. Um einen festen Unterbau zn gewinnen, der den anstürmendcn Wogen Halt zu bieten vermöchte, wurden 20 Ellen tief Steine iu's Meer gesenkt, von denen jeder 80 Fuß lang, 9 Fuß dick nnd 10 Fuß breit war. Und als die Stelle mit Steinen bedeckt war, wurde eine Mauer von 200 Fuß hergcstellt, wovon 100 Fuß zur Brechung der anprallenden Wogen-), 100 abcr zur Aufnahme von Schiffsladungen bestimmt waren. Am Eingänge des Hafens st standen 3 Kolosse zur Linken, woselbst die Einfahrt stattfand, nnd ein fester, aus Quadersteinen erbauter Thurm zur Rechten. Sännntliche Häuser am Hafen waren in regelmäßiger Entfernung von einander aus Marmorsteinen, die wahrscheinlich aus Egypten herbeigeschafft wurden, erbaut. Den Unterbau der Stadt durchzogen unterirdische Gewölbe st, lange Gänge, die zum Meere führten. Jernsalem's Bestiminnng war es, zn verbindeil die Getrennten; Caesarea aber sollte trennen die Verbundenen. In Jerusalem erinnerte Alles an den Einen, dem die Davidharfe ') vgl. TH“; KHi' 3er. Schein. 3Cc, gegenwärtig Tortura oder Tontura, arab. XTH TTO. st Deshalb Prokymatia genannt; vgl. XT”P\T Midr. Stolj. 8 II. 5. Sir. s. v. natr; M. Ohol. 18, 6 Tstwn HPK ISi'Q nSu* OHtT Dipa- Zum Bau Caesnrcas vgl. Jos. bell. 1, 21, 2; Arch. I.st 9, 5; IC, 5, l. st Git. 1, ö HDp StT WaS/ ähnlich Jos. ,,Ihnen“. Ter Hafen galt nicht mehr als paläsnnensischeS Gebiet SkT rtPöS PK pDpÜ pDp Jer. Git. 43 b; daher die Mauer von Caesarea als Grenze des Landes angesehen wird; vgl indessen Jer. Dem. 2, 1 Saa •'Sr na ipnnn «Sr ma iaa S"rr am nop vgl. Kaftor wa-ferach 0. 11. 4) WIM Jer. Ras. fjGa. Tiefe wurden als unrein betrachtet. Betreffs der Reinheit der Stadt wurde die Ostvon der Westgrenze geschieden; vgl. Tosefta Ohol. 18, 1 ä; s. dagegen ib. 18, Hl; vgl. M. Ohol. 18, 0 und Simon aus Sens z. St. Durch breite Straßen gelangte mau zu diesen Gewölben, vgl. Jer. Bcr.6n r,7,a'aS rjm pap Sir irtaSaa S"va nm pan Die Gänge waren von hohen Säulen getragen 'j'HDp‘1 Ab. f. 42 c.

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