Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 8 (7.3.1890)
- Date
- 1890-03-07
- Page
- Seite 123 (sequence 11)
- Language
- German
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123 und Ambra umhüllt. — Auch Brod ward nicht vergessen. — Und nun begannen wir zu essen — Und kauten uns die Zähne stumpf — Und füllten uns den leeren Rumpf, — Bis der Wanst schwer voll — Zur Erde nicderqnoll. — Doch als der Braten war verzehrt, — Hat mein Herz noch mehr begehrt. — Ich weiß, so sprach ich daher zum Wirth, — Daß es meinen Freund erfreuen wird, — Wenn Ihr noch Naschwerk bringet zum Essen,—Dies macht ihn den Kummer vergessen. — Lasset schnell Mandeln in Honig kochen, — Doch frische, gestern vom Baume gebrochen, — Und lasset sie schmoren zum Zerfließen, — Daß man sie schlürfend könne genießen. — Ohne den Zähnen Müh' zu bereiten, — Sollen sie über die Zunge gleiten, — Und dermaßen lieblich sollen sie schmecken, — Daß es Schlafende lohnt zur Tafel zu wecken. — Der Wirth vollbrachte dies unverzüglich, — Bediente den Bauer ganz vorzüglich, — Wir aßen und saßen sehr vergnüglich — Und verspeisten denn Alles auch glücklich. — Nachdem nun der Nachtisch vernichtet war, — Das Tischgebet auch verrichtet war, — Sagte ich zudem Bäuerlein: — Mir brennt's im Leib wie Fenerwein. — Jetzt möchte ein kühlender Trunk behagen, — Zn löschen den wühlende» Brand im Magen. — Wenn Du ein wenig willst verweilen, — Will ich zur Thür hinaus eilen, — Dem Knaben Befehl zn ertheile», — Uns Wasser von den Quellen zu bringen, — Kühl wie sie aus Schneebergen dringen, — Den brennenden Durst zn bezwingen. — Da sagte der Bauer: Du hast einen guten Gedanken, — Thn', wie Du gesagt hast, ich werd' es Dir danken. — Da ging ich aus dem Hans — Auf den Hof hinaus — Und nahm meinen Stand — Hinter einer Wand, — Daß ich sehe, was geschehe, — Und wie es dem Bauern ergehe. — Als dieser merkte, daß die Zeit verginge, — Schienen bedenklich ihm die Dinge. — Er schnallte den Gurt, sich vorzubereiten, — Auf seinem Esel von dannen zu reiten, — Doch der Wirth sprang heran — Und packte den Mann — Und rief: Hast Du Dich satt gegessen, — So mußt Dn nicht zu zahlen vergessen. — Da schrie der Bauer: Heb' Dich hinweg — Vertritt mir nicht den Weg — Und ford're von mir kein Geld, — Ich habe bei Dir nichts bestellt; — Weder Braten noch Fladen, — Zn Gaste war ich geladen. — Da thät ihn der Wirth am Kragen packe» — Und schlug ihn derb auf den Nacken, — Und schrie: O, Du Vagabunde, — Hab' ich Dich geladen zur Stunde? — Seit wann bist Du mein Kunde? — Und zahlst Dn nicht bald drei Silberstiicke, — So straf' ich mit Schlägen Deine Tücke, — Daß Dir Lnngrer das Genoss'ne soll schlver bekommen — Und dn hungriger gehst, als Dn hergekommcn. — Da schluchzte der Bauer: Verflucht sei der Schuft, — Der meinen Vater beweint in der Gruft, — Der meinen Namen verdreht, — Mich tückisch hintergeht; — Wie eine Schlange mich beißt — Und ins Verderben mich reißt. — Doch dies konnte den Wirth nicht bewegen, — Der Bauer mußte das Geld erlegen. — Beim Fortgehen ließ er noch Thränen fließen — Und seinen Schmerz sich also ergießen: Dem Schelm, der die Gier mir entzündet, Sei blutige Rache verkündet. O Unglücksstunde, da der Unbekannte Mich listig mit seinem Netz umwindet Und Schmerz ob des Vaters Tod mir heuchelt Und Freude an meinem Leid empfindet. Heman Esrachi fährt fort zn berichten: — Nachdem ich vernommen solche Geschichten, — Erkannt ich Cheber in Schelmenstreichen — Als Meister, den Keiner könne erreichen. — Ich sagte: Im Trügen miiß Jeder Dir weichen, — In bübischen Zügen findest Dn nicht Deinesgleichen; — Mit Deiner List kannst Dn Helden bezwingen, — Mit Deinem Witz Unthaten vollbringe»; — Mitbürger und Fremde sind Dir verfallen,— Dn bist ein Würger mit Löwenkrallen. — So sprach ich ihm ernst zu Gemüth — Er aber lachte und sang dies Lied: Täuschet Einer den Andern in dieser Welt, Wer kommt und geht, der wird geprellt; Und Lamm wie Len, und Narren und Weise Sind meiner List lvillkommene Speise. Dann sah ich ihn von dannen schwanken, — Und er überließ mich meinen Gedanken, — Der Bewunderung seiner gewitzten Schelmereien — Der Verwunderung über seine verschmitzten j Bübereien. Jerusalem und Caesarea. Uovtrag» gehalten im akademischen Verein für jüdische Geschichte »nd Litteratur zu Berlin von Dr. Adolf Rofenzweig. Meine geehrten Herren! Ich beabsichtige, Ihnen heute zlvei Städte ans Alt-Israels Gebiete: Jerusalem und Caesarea, weniger in topographischer Bcziehnng, als ihrer geschichtlichen Bedeutung nach »nd in! ihrem gegenseitigen Verhältnisse zu einander vorzuführen, j In meiner Darstellung werde ich weniger Jerusalem, als! Caesarea, die minder gekannte Stadt, im Auge behalten. Folgen Sie mir freundlich auf rascher Wanderung durch! ferne Jahrhunderte. Wir sehen Thränen rinnen, Schwerter; blitzen, Geister prallen aneinander; wir stehen im Mittelpunkte ’ jener Kämpfe, die Palästinas Boden erschütterten und für die 1 Geschichte der Menschheit von höchster Bedeutung gewesen sind. : Ans Gegensätzen baut sich auf das Leben in der Natur; j Gegensätze sind es, durch die das Menschenleben besteht und sich; erhält, Gegensätze sind die treibenden Kräfte in den Kämpfen ' und Siegen der Geschichte. Sommer und Winter, Wachsen und Welken, Lust und Schmerz, Liebe und Haß, Licht und Dunkel, Kultur und rohe Gewalt, Sem und Japhet, sie sind cs, die die Blätter der Natur- und Weltgeschichte füllen. Und Gegensätze waren auch Jerusalem und Caesarea, ob ihnen auch manches gemeinsam gewesen, Gegensätze in ihreni Werden, wie dem Prinzip nach, durch das sie geworden. Wie Jakob und Esau der heiligen Schrift, so gelten Jerusalem