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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-07 · Heft 8 (7.3.1890) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 8 (7.3.1890)
Date
1890-03-07
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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122 Jeuilleton. Eine lustige Makame des Charist. ) Neberseht von S amu el Krist eller. Mio Ehvbov Aakeni mit seinen Tücken Ein arme» Künerlein thiit berücken. Heman Esrachi sprach: Als ich i» der Blüthe meiner j Jahre stand — Trieb's mich im Gemüthe. z» befahren das j Land, — Mich ans Reisen zn belehren — Mit Weisen zn! verkehre», — Vom Honig ihrer Lippen — Mit Wissensdnrst! zn nippen. Einst war ich nach einer Stadt gekommen — Und hatt'! einen Ansgang nnternommen, — Da schallt es durch die j Gassen — Und lachend und ansgelassen — Tritt mir ans meinen Wegen — Eheber Hake»! entgegen; — Ich fragt' ihn! nach seinem Befinden — Und nach des Lachens Gründen; — Da sagt er: Kiind' ich Dir umständlich Sachen nnd Thaten, — Wirst Dn in »»endliches Lachen gerathen. — Dräns von seinen Schelmengeschichte» — Fing er also an zu berichten: — Ging hent' ans mit schwerem Herzen und dusterer Seele — Mit leerem Magen nnd dürstender Kehle. — Ein wüthender Hunger war mir entbrannt, — Dabei keine» Heller in der Hand; — Ich lechzte nach einer Mahlzeit, — Zn endigen diese Qnalzeit, — Durchstreifte die Stadt mit meinem Harme, — Vielleicht, daß Gott sich meiner erbarme. — Schon drohte» des Hungers Schrecken, — Mich Aermsteu ins Grab zn strecken. — Schon wollt' ich verzagen — Und den leeren Magen nach Hanse tragen. — Siehe, da heb' ich die Augen ans, — Kommt mir ein Bäuerlein in den Lauf, — Arabischer Bauer, in der Straße Mitten —- Ans einein Esel daher geritten. — Wie ich ihn sehe, wird inir'S klar, — Daß nun ich sei der Sorge baar, — Daß dieser gekommen zu glückliche» Stunden ■ Und ich mein Heil »nn endlich gefunden. — Weit öffn' ich die Arme, ihn zn begrüßen: — Abidon, mein Herr, ans Herz laß Dich schließen, — Dn Sohn des Gidoni, Dn kommst mir zum Segen, — Dich suchte mein Auge ans allen Wegen, — Wo warst Dn? Ich konnt's nicht erkunden, — O Glück! daß ich nn» Dich gefunden. — Der Bauer entgegnet: Mein Herr, ich danke, — Doch irrige Wege geht Euer *) Wir jrciien uns, heute nnsern Leser» als Unterhaltung zum Purimfeste eine der vortrefflichen Uebersetzuugen vorführen zu können, die Herr Geheinirath Dr. S. Kristetler mit besonderer poelitcher Kraft lind feinein Berständiiiß aus beu Schätzen neuhebräischer Poesie gewählt und verderitscht hat. Es ist dies die 21. Makame aus dem Tachkemoni des berühmte» Juda Charisi, der wiederum die Makame» des Hariri übersetzt uiid nachgeahmt hat. In seinen Makaiiien ist der Held ein anderer Don Quixote, dem eine ziveite moralische Person, hinter der sich natürlich der Dichter selbst verbirgt, gegenübersteht, die seine Handlniigen lind Abenteuer beobachtet und erzählt. Heman Haüsrachi uub Eheber Hakeni spielen diese Rolle in den fünfzig Btakamen Charist's, von denen hier eine der liebensivürdigsten, die Geschichte eines altarabischen Bauernfängers, mitgetheilt wird. Die Red. Gedanke, — Ich bin nicht Abidon, Gidoni's Sohn, — Ich bin Abidon aus Gibeon. — Da rief ich: Verzeihe der Zunge Verirrung, — Der Gleichklang der Namen macht mir Verwirrung; — Doch sage mir, wie's Dir ergeht, — Und wie's mit dem Vater steht, — Ist er noch so munter, bei altem Befinden, — Oder geht's bcrgunter, daß die Kräfte ihm schwinden? — Da seufzte der Bauer, — Das Antlitz voll Trauer: — Der Süliden wegen, die ich .begangen, — Ist er zn den Vätern heimgegangen, — Ins Land der Ewigkeit ist er gerciset, — Mich ließ er in Traurigkeit und verwaiset. — Wie Solches ich hörte, wollt ich Leid beweisen, — Mit Trauergebärde mein Kleid zerreißen, — Doch der Bauer behende, — Ergriff meine Hände — Und hinderte meine Eiligkeit, — Und schwur einen heiligen Eid, — Daß ich nicht zerreiße mein Kleid. — Der Kummer, so rief er, vertreibt nicht die Noth — Die Sorge, mein Lieber, bezwingt nicht den Tod. — Wahrlich, so klagt' ich, geschäh's nach Gebühr, — Das Herz zerriß ich statt des Kleides mir, — Ja, Herzblut muff ich statt Thränen vergießen, — Den Freund zu betrauern, den trauten, den süßen, — Der in Roth nnd Sturm — Mir war Hort und Thurm — Und mit Liebesthaten — Mich hat überladen. — Doch ziemt es Verständigen — Den Schmerz zu bälldigeu — Und jegliche Fügung, die kommt von oben, — Als göttliche Schickung fromm zu loben. — Wohlan, die wir im Leide vereint, — Bedürfen des Trostes Beide, mein Freund. — Komm, theile mit mir, ich bitte, — Das dürftige Brod meiner Hütte; — Noch besser, beufe ich, möchte es sein, — Wir kehren in einem Wirthshans ein, — Dort giebt es köstlichen Braten zu speisen, — Dort will ich die Liebe mit Thaten beweisen. Kaum hatte der Bauer von Braten vernommen, — War Seligkeit über sei» Antlitz gekommen. — Die Lockspeis' hatte den Vogel gefangen, — Mit Fröhlichkeit ist er ilis Netz gegangen. — Und lvie wir ohne langes Berathen — Ins nächste Wirthshans cintrateu, — Schwitzt eben am Spieß ein saftiger Braten. — O, welche Lust ward uns crlveckt, — Als wir den etitdcckt, — Wie er, von Flamme» beleckt, — Sich dreht, mit Tropfen bedeckt, — Sich bräunte bald unten, bald oben, — Knisternd ans ihm sich Blüthcu erhoben, — Wie die Brühe sich perlend ergoß, — In krystallenen Tropfen niederfloß, — Dies Schauspiel war kanm zn ertragen, — Ein Feuer durchzog uns den Magen, —Im Herzen ei» Schwellen nnd Drängen, — Als sollt es die Brust zersprengen. — Schnell an den Wirth gewandt,- — Den Bauern an der Hand, — Sagt' ich: Dieser, Abidon genannt, — Ist mir wie ein Bruder verwandt. — Gebt ihm ein Stück Braten, — Doch lasset es gut gerathen, — Ein fette?, ein saftiges Stück, — Deß Farbe bestricke den Blick, — Das den Gamnen ergnicke durch Süße — Und mild auf der Zunge zerfließe. — Der Wirth nun den Braten kredenzte, — Der roth wie leuchtende Kohle erglänzte, — Voll Gluth, wie ein Herz von Neid erfüllt, — Voll Duft, wie von Zimmet

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