Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 8 (7.3.1890)
- Date
- 1890-03-07
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
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119 Gott die Beruhigung erhielt, das; der Geist seiner Lehren im Volke fortlebe» und wirken würde; so wären auch die Samenkörner des Guten, die Dr. Goldschmidt in seiner mehr denn 30jährigen segensreichen Wirksamkeit hier ausgestrent, jetzt schon anfgcgangen im Schoosze seiner Gemeinde zur schönsten Blüthe und wurden weiter blühe» darin und reiche Früchte tragen. — Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt der Vorstand, dem Verblichenen demnächst auch ein Grabdenkmal als sichtbares Zeichen dankbarer Würdigung und dauernder Erinnerung setzen zu lassen. Oesterreich-Ungarn. ß Wien,27.Febr. In der heutigen Parlanientssitznng beantwortete Graf Ta affe die in der vorigen Nummer bereits mitgetheilte Interpellation des antisemilischen Abg. Fiegl wegen der Rede des Bezirkshanptnianncs von Währing gegen die antisemitischen Lehrer. Die Antwort fiel etwas schwächlich ans und wurde allgemein als ein Znrückweichcn der Negierung anfgefastt. Der Minister-Präsident sagte: „Nach den dem Ministerium zugckomniencn Juformatwucn müsse der in den Zeitungen veröffentlichte Wortlaut der Ansprache zum großen Theil als erfunden bezeichnet werden. Der Bezirkshanptinann hat in seiner Ansprache die vom Interpellanten citirlen Redewendungen nicht gebraucht, er hat insbesondere weder des Antisemilisnius noch der Agitationen und Hetzereien Erivähnnng gemacht, von einer Neberwachung in der Schule und Beobachtung außer derselben hat er keine Silbe gesprochen,: ebenso erfunden ist die Wendung, daß er antiseinitischc Tendenzen absolut nicht dulde, und daß er antisemitische Lehrer vertreibe» werde, wo immer er sie treffe. Ec hat, was die Disziplinar- Angelegenheiten anbelangt, lediglich erklärt, daß er sich nicht scheuen werde, dort strenge vorzugehen, wo Milde nicht an, Platze wäre, da er die Ansicht habe, daß die Ehre des Lchrcrstandes dann anr besten gcnvahrt wird, wenn solche Mitglieder ausscheiden, w e l ch c der Lehrerschaft keine Ehre machen. Zugleich hat er der Lehrerschaft die sorgsamste Pflege des Patriotismus als eine der wichtigsten Aufgaben der Schule eindringlich eingcschärft. Da wir in den thalsächlich abgegebenen Erklärungen des Bezirkshauptmannes eine parteiliche politische Einflußnahme nach ketner Richtung erblicken und die Unparteilichkeit der Politischen Amtsführung durch die bestehenden Vorschriften genügend vorgesehen ist, sehen wir uns nicht veranlaßt, die von dem Interpellanten gewünsthlc besondere Untersagung zu verfügen, und beehren uns, die Bemerkung bciznsngen, daß den Lehrern das im Staatsgrnndgesehe gewährleistete Recht der freien Mcinungsänßernng innerhalb der gesetzliche» Schranken, ivelche für das Lehrerpersonal an den öffentlichen Volksschulen, insbesondere auch durch die Lcstinnnnngen des § 54 des ReichS- VolkSschulgcsetzcS gegeben find, bei dem in Frage stehenden Anlasse nicht verkümmert werde, und daß die Regierung sich ihrer Pflicht bewußt ist, diese gesetzlichen Schranken stets im Auge zu behalten." — Die Kommission des Herrenhauses ist den, Beschlüsse des Abgeordnetenhauses über das Gesetz, betreffend die äußeren NcchtSvcrhältnisse der isracliiischen Rcligions- Genossenschaft, beigcireien nnd beaniragi die vom Abgeordnetenhanse beschlossene Terinniig zur Anttahmc. Ferner beantragt die Koinniisswn: Die hohe Regierung sei anfzuforder», zu veraitlasse», daß a» Stelle der nicht mehr anwendbaren, im § 130 des AUgemeineii Bürgerlichen Gesetzbuches enthaltenen Strafbestiminuiig wider diejenigen, welche ohne die ordentliche Bestellung eine Trauung vornehmen, eine neue strafrechtliche Bestiminnng im gesetzlichen Wege erlassen werde, nnd es sei konform mit der Resolution des Abgeordnetenhauses gleichfalls die k. k. Regierung anfznfordern, die Errichtung von Anstalten zur Heranbildung israelitischer Religionslehrer nnd Rabbiner zu fördern. Wien, 28. Februar. Dem ReichSrathsabgcordneten Rabbiner Dr. Bloch sind in den jüngsten Tagen zahlreiche Beglückwüitschmigsschreiben, von jüdischer nnd nichtjüdischer Seite zugegaugen. — Der Vorstand der hiesigen Knltnsgemeinde hat die durch den Tod des vortrefflichen Rabbiners E. Karpelcs s. A. erledigte Stelle cines Rabbinats-Assessors wieder definitiv besetzt nnd Herrn Rabbiner M. Poltak in Holleschall als solchen beritfcn. — Die „Wiener Correspondenz" meldet, daß Baron Hirsch angesichts der Schwierigkeiten, welche der Aktivirnng seiner bekannten Biillionen-Stifinng für Galizien von Seiten der Behörden bereitet werde», das angelegte Kapital von zwölf Millionen Gulden für andere wohlthätige Zwecke, nitd zwar für israelitische JnstiNite in Wien verwenden wolle. Nach anderen Miiiheilnngen, die »»S zuverlässiger erscheinen, sind die schon oft erwähnten Hindernisse, ivelche der Aktivirnng dieser Stiftung in Galizien cntgegengestcltt werden, allerdings noch nicht behoben worden, der Stifter denke jedoch keineswegs daran, seine Spenden einem andern Lande znznwenden, da Die Hoffnung besteht, daß die oberen Instanzen in Folge des ergriffenen Rekurses die bestehenden Schwierigkeiten beseitige,! werden, ivelche in dem vom Stifter gcplanicn interkonfessionellen Charakter der in Galizien zu errichtenden Schule», sowie in der Zusammensetzung des Kuratorinins bestehen. — Unter reger Belhcilignng der journalistischen Kreise wurde hettte Nachmittag der Redakteur der „Presse", Joseph Hermann Eisler, zu Grabe getragen. Jni Trancrhansc hatten sich der Vorstand nnd die Ansschußmitglieder des Jonrnnlistcnimb Schriftstellervereins „Eoncordia", sowie viele persönliche Freunde des Verblichenen cingcfnnden. Trauten«», 12. Februar. Herr Rabbiner Schwarz ans Gablonz ist znm Rabbiner der hiesigenGcnieinde gewählt worden. Belgien. Antwerpen, 2t. Februar. Obgleich.die Zahl der Inden i» ganz Belgien ans höchstens 4000 geschätzt wird, scheint man doch auch hier die antisemitische Bewegung i» Fluß bringen zu wollen. Dieser Tage hielts.lant der,'„K. Zig." der Anwalt des Brüsseler KassationShofes, EdtunnchPicard, vor einer zahlreichen Zuhörerschaft ans dem Rechtsstande in Antwerpen einen Vortrag, in welchem das Jndcnthum erbarmungslos gegeißelt ivnrde. Die Auslassungen des äußerst