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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-07 · Heft 8 (7.3.1890) · p. Seite 118

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 8 (7.3.1890)
Date
1890-03-07
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 äOiiljlfmi'c >3*iita 1 -4}ic11cnIjoiii ,s)cu v. iViuiuLuul) ausgestellt, welcher aber 11 Tage vor der Wahl znrücktrat. Der da»» anfgestellte Nachfolger »ad bisherige Vertreter des Wahlkreises, Landrath u. Gehre», trat ebenfalls vier Tage vor der Wahl zurück. Der dritte Kandidat, Priuz Philipp vo» Hanau, crschic» aus der Fläche. Mußte» da nicht die Wähler konfus werde», und wurde dadurch nicht die Sache der Antisemiten befördert? Aber »och ei» dritter Punkt öcrbieiit die größte Aufmerksamkeit, I» Hesse» sind cs zum großen Thcil die Schullehrer auf dein Lande, welche die ManlwnrfSarbeit für die Autiseniiten besorge». Ein Theil derselbe» betrachtet cs als heiligste Aufgabe, ei» Autiseuiitenblalt, den „Kasseler Sonntngsboten", massenhaft zu verbreiten, ei» Blalt, das auf de» ersten Seiten von Frömmigkeit und Liebe trieft, um daun auf den letzte» Seiten in der gehässigste» Weise Uudnldsauikeit predigen zu könne». Während die Antisemiten außerdem »och kolossale Massen Flugblätter mit großer Virtuosität verbreiteten, habe» die anderen Parteien sich damit begnügt, einige Tage vor der Wahl eine nichtssagende Erklärung in de» Lokalzeitungen zu veröffentlichen. X> Homburg v. d. H., im Februar. Einer der ältesten Leser und Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Jndenthnms", Herr Louis Lehmann, hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des „Israelitischen Armen-Holz-Vereins" und des „Vereins zur Ausstattung israelitischer Mädchen" den Rechenschaftsbericht dieser Vereine veröffentlicht. Sind nun schon die Jahrcsberichte der Wohlthätigkeitsvereine imAllgemeinen wegen ihres Inhalts, welcher einen wichtigen Theil der Thätigkeit unserer jüdischen Geincinschaft ausniacht, beachtenswerth, so zeichnet sich der vorliegende Doppelbericht auch noch durch die Form ans. Es ist ja nicht zu leugnen, daß das ewige Einerlei der Zahlen und Namen in den nieistcn Berichten dieser Art das Publikum von der Lektüre abhält. Wenn der Empfänger sich die Schlußzahlen angesehen hat und so ein Bild über die Gesanimtleistnng des betreffenden Vereins gewouueu zu haben glaubt, daun pflegt er den Bericht aus der Hand zu legen und — zn vergessen. Anders in diesem Fall. Herr Lehmann hat es verstanden, dem Berichte eine so anmuthende Fassung zn geben, ihn mit poetischen Gedanken so artig zu dnrchflechten, daß die Durchsicht des nur 12 Seiten; zählenden Heftchens zur Annehmlichkeit wird, und durch die; glückliche Form »»merklich auch für die Vereine selbst des Lesers Interesse geweckt wird. Die Fortschritte an Einnahmen, und Leistungen, welche beide Vereine zn verzeichnen haben,; erfreuen uns, nicht minder aber die Fortschritte an sozialen, Ersahrnngcu, welche sich in den für die nächsten Jahre in Aussicht genoiumcncn Erweiterungen und Veränderungen anssprecheu, wie die llnterstützung der Selbsthilfe armer Gemeindemitglieder seitens des Holzvereins durch Lieferung i billige» Brennmaterials gegen kleine Ratenzahlungen, .sowie j die angestrebte Verbindung der Verwalinng mit derjenige» der jüdischen Geineinde. Möge es gelinge»! Halle a. T., 8. Februar. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde klagte gegen einen Böttchcrineister, weil derselbe lvährend , des Gottesdienstes ans seinem der Synagoge benachbarten Grundstücke die Böttcherei betrieb und durch den damit verbundenen Lärm den Gottesdienst störte. DerKläger wurde aber vom Reichsgericht mit der .Klage abgewiesen, weil der Vorstand selbst das Hincindringen des Lärnis i» die gottesdienstlichen Räume durch die BananSführnng crinöglicht und verschuldet hatte. Daß der Beklagte ans Chikane handele, wurde nicht angenommen; in dieser Beziehung waren auch keine schlüssigen Behauptungen ausgestellt. X Gleiwitz, 2. März. Der Fra ncnverci n der hiesigen Synagogcn-Gemcindc veröffentlicht soeben seinen Bericht für daS Jahr 1889 90, ans welchem ein erfreuliches Wachsthnm dcr Einnahmen wie der Ausgaben des Vereins ersichtlich ist. Hcrvorznheben ist, daß der Verein sich nicht damit begnügt hat, arme Wittwen zn nnterstützcn, sondern daß er sowohl durch eigene Thätigkeit, wie auch durch einen Beitrag a» den Jnngsrancnvcrcin in Breslau, darauf bedacht ist, jüdischen Mädchen zur Erlernung eines Berufes zn helfen. Königshütte, 28. Februar. Die diesjährige Hauptversammlung des oberschlesischen Gemeindcverbandes ist ans den 12. März nach Gleiwitz einbernfcn worden. * Hoppstädte», 3. März. Der südwestdentsche Lehrer- und Kantorenverband wird seine diesjährige Versammlung am 13. und 11. April in Saarlonis abhalten. Die Tagesordnung wird folgende Gegenstände nmfassen: 1. Fortbildung der Lehrer in religionswissenschaftlicher Hinsicht (Referenten die Herren Rabbiner Dr. Goldschmidt-Hoppstädten und Znckermandel-Trier). 2. Biblische Geographie und Chronologie in der Religionsschnle (Referent Herr Sender-Tholey). 3. Bericht der Kommission über die hebräische Lesefibcl. i. Schildberg, 2. März. Herr Salo m o n S chr e i b er hat, nachdem die königliche Regierung ihn bestätigt hat, sein Amt als Rabbiner unserer Gemeinde angetreten. München, 28. Februar. Nach der in diesen Tagen veröffentlichten Unterrichtsstatistik für das Jahr 1887-88 im Königreich Bayern, gab es in Bayern 90 israel. Volksschulen. s. Leipzig, 26. Februar. Zur Gedächtnißfeier für den vor einem Jahre zum ewigen Leben abbcrnfenen unvergeßlichen Seelsorger unserer Gemeinde, Herrn Rabbiner Dr. A. Goldschm idt, hatten sich in den heutigen Morgenstunden die Vorstände, Gemeindevertreter, sowie die Familie und zahlreiche Freunde und Verehrer des Dahingeschiedencn an dessen Ruhestätte eingefunden. Mit dem Vortrag des 16. Psalms begann die Trauerandacht, in deren weiterem Verlaufe ein von der Gattin und den Kindern des Verewigten gewidmeter Denkstein enthüllt wurde. Herr Rabbiner Dr. Porges wies in seiner trefflichen Rede n. a. darauf hin, daß heute dcr Tradition nach auch dcr Sterbetag unseres großen Lehrers Moses sei, der, wie unsere Weisen erzählen, vor seinem Tode anf die bange Frage an den Ewigen, ob die Lehren, die er seinem Volke hinterlassen, dicscni auch erhalten bleiben würden, von

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