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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-07 · Heft 8 (7.3.1890) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 8 (7.3.1890)
Date
1890-03-07
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 zwangloses Souper la carte (die rituelle Küche wird voll Frau Ww. Lichtenstein besorgt). Dritter Theil von 10 Uhr ob.; Bull für Erwachsene. Um 1.2 Uhr findet offizielle Kaffeepause statt; während derselben werden von namhaften Künstlern Borträge gehalten. * Berlin, 28. Februar. Das 29. Heft der „M itt h e i l n u g e n v o m D e ll t s ch -I s r a e l i t i s eh e n G e m eindebnnde" ist soeben ansgegeben worden. Dasselbe enthält enteil Aufsatz des Herrn S. Blnmenan in Bielefeld über den „Religionsunterricht im Hanse mib in der Schule", sowie Mittheilnngen ans dem Bürean. Hamburg, 25. Februar. Herr H. Lew and owsky, seit einer Reihe von Jahren Ober-Kantor der deutsch-israelitischen Gemeinde, ist in letzter Nacht im 72. Lebensjahr verstorben. Frankfurt a. M., 28. Februar. Die „Suppen an statt für israelitische Arme" hat im Berwaltnngsjahr 1888/80 in dem Vereins-Speiselokal 22,429 Portionen verabreicht, und zwar 44-!4 an Erwachsene, 11,714» an Kinder, .'>829 an Durchreisende und 427.au verschämte Arme (gegen Vergütung von 2o Pf.) Ferner wurden an Kranke und Wöchnerinnen in deren Wohnungen 6177 Portionen verabreicht, also insgesammt 20,802 (2000 mehr als int Vorjahre). Frankfurt a. Main. 2. März. Um die durch den Tod oes Oberkantors Popper erledigte Stelle sind nicht weniger als 80 Bewerbungen eingelanfen. Unter den wenigen, welche zn Probevorträgen zngelassen worden sind, scheint Herr Davidsohn, der durch seine gesanglichen Leistungen als Solist der Berliner Gemeinde wohl noch in guter Erinnerung des dortigen synagogenbesnchenden Publikums ist, die besten Aussichten zn haben. Wiesbaden, 24». Februar. Hier hat wieder ein Duell wegen antisemitischer Aeußernngen stattgefnuden! Die beiden Gegner waren Herr Referendar Dr. S iebert, ein Sohn des Jnstizraths, und der praktische Arzt Dr. Friedländer. Wenn wir bemerken, daß Herr Dr. Friedländer Jude ist, so wird der Leser schon errathen, welches die Ursache des Zweikanipfes war, mib zwar verlief die Affaire folgendermaßen. Ans dein jüngst stattgehabten großen Knrhansmaskenball, jener karnevalistischen Neranstaltnug, ans der sich die jeunesse cloree Wiesbadens amüsirt und auch nicht amüsirt, war Mitternacht bereits vorüber und der Sekt begann schon, in den Köpfen der Gebildeten und Ungebildeten seine Wirkung anszunben. Einer der Gebildeten, Herr Dr. Siebert, saß an einem Tische neben einer Schauspielerin des hiesigen Theaters. Herr Dr. Friedländer, der gerade vorüberging, näherte sich der ihm bekannten Künstlerin und richtete an sie die Frage: „Wie geht es Ihnen?" Noch ehe die Dame antworten konnte, war ihr der Herr Referendar schlagfertig mit den Worten znvorgekommen: „Bis dahin ging es gut, nun aber riecht es bedeutend nach Knoblauch." Am nächsten Tage erhielt der Referendar eine Forderung, und es wurde dreimaliger Kngelwechsel mit zwanzig Schritt Distanz vereinbart. Das sollte schon vor einigen Tagen stattfinden, wurde aber von der Polizei, die von der Sache erfahren hatte, vereitelt. Heute endlich kam der sogenannte Ehrenhandel znm Anstrag. Der Ort des Duells war der sogenannte „Hehler" an den Schießständen der Biebricher Unteroffizierschnte. Der Referendar schoß zuerst und verwundete den Arzt, der gar nicht znm Schießen kam, in das rechte Bein. Es ist eine ungefährliche Verletzung, da die Kugel nur ins Fleisch drang und keinen Knochen berührte. Ter Schluß der Affaire wird vor dem Gericht spielen. Friedberg (Oberhessen), 25. Februar. Die traurige Katastrophe ans dem Eise, welche sich am verflossenen Samstag in dem benachbarten Bad Nauheim ereignete, und dem drei Menschenleben znm Opfer fielen, ein Kandidat der Theologie und seine Braut, sowie ein junger jüdischer Kaufmann Moritz Lob von hier, der die Beiden retten wollte, ist Ihnen sicher bekannt. Gestern wurde L ö b zn Grabe getragen. Ein Leichen- . zng, wie einen solchen Friedberg wohl noch nie gesehen hat,! bewegte sich Nachmittags 4 Uhr durch die Straßen unserer i Stadt nach dem jüdischen Friedhofe. Alte Eivil- und Militär-! Behörden, das Lehrer- und Prediger-Seminar, Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen Friedbergs und der ganzen Umgegend gaben dem Verblichenen das letzte Ehrengeleite. Ein Landauer, gefüllt mit prachtvollen Kränzen, Blumen, Palmenzlveigen mit Schleifen, alle gewidmet von christlichen Mitbürgern, fuhr im Inge. Allch eine Schaar seiner christlichen Freundinnen, jede mit einem schönen Kranze, hatte sich dem Zuge angeschlossen; das Weinen und Schlnchzelt war weithin vernehmbar. Wohl kann das Ehrengeleit nach Tausenden gerechnet werden. In kernigen Worten schilderte Lehrer Ehrmann die Handlungsweise des jungen Mannes. Er sagte unter Anderm: „Wenn auch unermeßlich herbe der Verlust ist und tief die Wunde, die den Eltern ob dieses jähen Ablebens ihres zn beu schönsten Hoffnungen berechtigenden einzigen Sohnes geworden, so ist doch tröstender Balsam der Gedanke, einen so geachteten, geliebten Sohn gehabt zu haben, dem die ganze Stadt und Umgegend das Ehrengeleit gaben, und verstummen und verschämt müssen hier die elenden Verleumder znrückweichen, die sich bemühen, den Samen des Hasses und der Zwietracht ansznstrenen zwischen den Bekennern verschiedener Religionen." LL Ans Hessen. Der Antisemitismus hat in Hessen bei : der diesmaligen Reichstagswahl einen Triumph errungen. Die beiden Wahlkreise Fritzlar und Marburg werden im kommenden Reichstage durch die Herren Liebermann von Sonnenberg und Böckel vertreten sein. Und woher dieser Erfolg? Alles ganz natürlich! Schon seit zwei Monaten bereisen diese Agitatoren ihre Wahlkreise, reden in jedem, selbst! dem kleinsten Dorfe, verhetzen wacker darauf los, machen den Landlenten unerfüllbare Versprechungen; jede Diskussion wird rundweg abgeschnitten. Aber auch der Zerfahrenheit, mit welcher man von Seiten der Parteien bei Aufstellung ihrer! Kandidaten zn Werke ging, verdanken sie zum größten Theil ihren Sieg. Vier Wochen vor der Wahl wurde z. B. im

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