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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-03-07 · Heft 8 (7.3.1890) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 8 (7.3.1890)
Date
1890-03-07
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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Bevölkerung aufweist, im fünften Berliner Wahlkreis, ein jüdischer Kandidat seinem christlichen Gegner unterlegen ist, und dast, wie nicht zil bezweifeln ist, das Gros der jüdischen Wähler für den christlichen Kandidaten den Ansschlag gegeben hat. — Wenn wir als Inden also den politischen Fraktionen unparteiisch gegennberstehen, so hat doch der jüngste Wahlkampf ein Resultat gebracht, welches uns nicht gleichgültig lassen darf, und über welches wir unserem Bedauern lebhaften Ausdruck 311 geben gezwungen sind. In einer Reihe von Wahlkreisen sind Leute als Kandidaten für den Reichstag anfgestellt worden, welche als wesentlichsten, vielleicht als einzigen Punkt ihres politischen Programms die Bekämpfung der Rechte der jüdischen Staatsbürger hervorgehoben haben. Es gereicht dem deutschen Volke nicht zur Ehre, das; von diesen Leuten zwei im ersten Wahlgange die Stimmenmehrheit in ihren Bezirken erlangt haben, und daß sie in vier weiteren Kreisen zur Stichwahl gekommen sind. Die inzwischen eingelanfenen Resultate der Stichwahlen lassen erkennen, das; im Ganzen fünf Kreise durch „Antisemiten" vertreten sein werden. Wenn wir unsere Entrüstung hierüber öffentlich bekunden, so geschieht dies nicht etwa, weil wir in der Anwesenheit jener Reichsboten im Parlament eine Gefahr für die jüdische Glaubensgenossenschaft uub ihre staatsbürgerlichen Rechte erblicken. Im Gegentheil! Die Persönlichkeiten jener Herren sind fast durchweg der Art, das; sie der von ihnen vertretenen Sache 311111 Schaden gereichen. Wohl aber halten wir es für unsere Pflicht als Deutsche, die traurige Verblendung zu beklagen, in welcher ein Theil unserer Mitbürger noch befangen ist, und der Hoffnung Ausdruck zu geben, das; das Licht der Aufklärung auch jenen unglücklichen Bethmtcn bald leuchten möge. * Berlin, 2>. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses spielte auch die „Jndeufrage" wieder eine Rolle. Wir geben den Bericht nach den Miltheilnngen der Abendblätter wieder: Abg.Zelle (dfr.): Ich habe die Aufinerksanikeit des Herrn Jnstizministers auf einen einzelnen Punkt zu lenken, nämlich ans eine Verfügung des Oberlandesgerichts- Präsidenten von Breslau, welche dahin geht, daß es, wo möglich, zu vermeiden sei, Inden zu Geschworeneil zu wählen (Sensation). Eine solche Verfügung steht mit dem Gerichtsverfassungsgesetz und mit der Verfassung im Widerspruch; sie erregt große Unzufriedenheit, ititb ich kann den Herrn Minister nur bitten, dieselbe so bald als möglich ans der Welt zu schaffen. Justizminister v. Schell i na: Ich möchte bezweifeln, das; ein Oberlandesgerichts-Präsident eine solche Verfügung erlassen hat. Da aber der Herr Vorredner dies bezeugt, werde ich Veranlassung nehmen, den Präsidenten danach zu befragen, ob eine solche Verfügung erlassen ist. Ich meinerseits würde eine solche Verfügung nicht billigen. ß Berlin, 23. Februar. Man schreibt dem „Berl. Tagebl." „Die Beseitigung der Simnltanschnlen nimmt in Preußen in allen Landestheilen ihren Fortgang. In Kassel wird jetzt die Stadtgemeinde dllrch die Regierung gezwungen, eine besondere katholische Bürgerschule einzurichten, bezw. eine bestehende katholische Parochialschnle zu übernehmen. Die Kasseler Bürgerschulen standeil bisher den verschiedenen Konfessionen in gleicher Weise offen, und in den Verhandlungen der städtischen Körperschaften sprachen sich alte Redner entschieden für die Simnltanschnlen ans. Derselbe Fall liegt in Weißenfels vor. Auch hier muß die Stadt eine bestehende katholische Privatschnle nach einer Entscheidung des Provinzialraths unfreiwillig übernehmen, obgleich sie sich bereit erklärt hatte, die katholischen Schulen in die städtischen Schulen anfznnehmen itiib für besonderen Religionsunterricht Sorge zu tragen." — So weit das Berliner Tageblatt. Hand in Hand mit den hier geschilderten Bestrebungen, die Elementarschulen konfessionell zu gestalten, geht die uns von verschiedenen Orten gemeldete Berücksichtigung der Gesuche jüdischer Gemeinden um Errichtung und Oeffentlichkeitserklärungen eigener Elementarschulen. Wiewohl nach dem neuen §chnllastengesetze dem Staate jetzt ans einer jeden Genehmigung dieser Art Verpflichtungen erwachsen, hat dennoch die Hartnäckigkeit, mit lvelcher man an leitender Stelle in früherer Zeit die Gewährung dieser Vergünstigung abznlehnen pflegte, einer erfreulichen Miloe Platz gemacht. Wir sind im Gmude unseres Herzens keine Anhänger der jüdischen, luie überhaupt der konfessionellen Elementarschulen. So lauge aber die SimnltaiMt nicht allgemein dnrchgeführt luirb, können wir es nur mit Freude begrüßen, daß durch den Antheil, welchen der Staat für die Schulen leistet, auch der jüdischen Bevölkerung Preußens, welche für Schulzwecke meist weit höhere Opfer zu bringen hat, als dies bei den Bekennern der christlichen Konfessionen der Fall ist, eine Entlastung erwächst. * Berlin, 1, März. Gestern Abend sprach Herr Dr. Imin au ne l ^titter, Prediger der hiesigen Reformgemeinde, im dichtgefüllten Saale der Gesellschaft der Freunde zu Gunsten desHochschulfonds über „Anklänge an biblische Gesichtspunkte in den Dramen von Henrik Ibsen". Von einer auszüglichen Wiedergabe des interessanten und mit vielem Beifall aufgenommencn Vortrages sehen wir ab, da wir in der Lage sein werden, unfern Lesern denselben seinem Wortlaute nach in einer der nächsteil Nummern unseres Blattes mitzulheileu. Berlin, 28. Februar. Das Berliner Eomittz der Beuni- Berith-Logen veranstaltet auch in biejcm Jahr, und zwar am Dienstag, den 23. März, Nachmittags 3 Uhr, in den Festsälen des neuerbanten KAlec'schen Etablissements, Köpenicker Straße 96,97, eine Purim-Feier für Kinder und Erwachsene. Das Eoinitd hat bereits umfassende Vorbereitungen getroffen, um den Festtheilnehmeru einen genußreichen Abend zil bieten. Das Fest zerfällt *iit drei Theile: Erster Theil von 3—9 Uhr. Kinderfest, bestehend ans Festpolonaise, Rnndtänzen, Bewirthuug mit Chokolade oder Kaffee und Kuchen, Volksbelustigungen uub Geschenkvertheilnng. Zweiter Theil von 9—1<> Uhr. Pnmieiiaden-Konzert und

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