Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 7 (28.2.1890)
- Date
- 1890-02-28
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 seinem Besuche beehrt hat, ist von der hiesigen Bevölkerung mit großen Ehlenbczengungen empfangen worden. Die zahlreiche deutsch redende Judenschaft zog mit der deutschen Kolonie dem hohen Gaste entgegen, und nnserm Mitglied, Herrn Hansdorf, wurde die Ehre einer Unterhaltung mit dem Prinzen zu Theil. Nach dem Einzug in die Stadt besuchte der Prinz auch die Tempelstättc und verweilte längere Zeit an der Westmaner. Persien. Jspahan, den 7. November 1889. Der „All. Isr. Un." wird von hier berichtet: In der Nähe von Jspahan, in einem Dorfe Namens Sangan, befindet sich ein jüdisches Heiligthum, wo einstmals Sernh, die Tochter des Patriarchen Ascher, erschienen sein soll; der Ort ist seit undenklichen Zeiten eine Wallfahrtsstätte für die persischen Israeliten. Am vorigen 10. August, einem Sabbat, erhöbe«: Muselmänner die Anklage gegen die Pilger, einen niohamedanischcu Richter geschlagen, mit Steinen beworfen, Wein und Branntwein in einer Moschee vergossen zn haben. Zweihundert Menschen warfen sich auf die Pilger (von denen die meisten ans Jspahan waren), schlugen dieselbe», und ungefähr hundert Inden hatten zerbrochene Hände und Beine; alle anderen wurden verwundet. Wir flohen in der Nacht nach Jspahan, aber die Verleumdung verbreitete sich in der Stadt, und am nächsten Tage gericth auch die Stadt in Aufruhr; man schlug uns auf den Straßen und Plätzen. Auch am folgenden Tage fielen sie über uns her und mißhandelten uns; wir mußten uns verstecken, ohne selbst Nahrungsmittel hcrbeiholen zn können. Zwei Inden, die cs wagten, sich zu zeigen, wurden todt geschlagen; ihre Leichen wurden den ganzen Tag in der Stadt und im Jndenvicrtel hernmgeschleift, wo sie endlich verbrannt werden sollten; doch die Nacht kam herbei nnd man beschränkte sich darauf, sie liegen zu lassen. Am nächsten Tage neue Angriffe: jüdische Frauen wurden entehrt, nnd muselmännische Richter verfaßten eine Petition, die sie nnterzeichncten nnd die dahin lautete, daß alle Juden ausgerottet werden müßten. Sie brachten dieses Schriftstück dem Prinzen Zil-Sultan, Sohn des Schah's, doch weigerte sich derselbe, die Petition anzunehmen; nnd nachdem er erfahren, was sich zugctragen hatte, ließ er drei der angeseheneren Israeliten komme», beschenkte sie mit Kleidungsstücken nnd ließ sie unter dem Schutz von Soldaten znrückgeleiten. Doch die Mißhandlungen dauerten fort. Christliche Würdenträger haben sich große Mühe gegeben, um uns beizustehen, an ihrer Spitze Mirza Norolloh. der Mehreren das Leben rettete und uns noch immer hilft. Am 5. Oktober 1889 schlug ein Muselmann einen Inden; es erfolgte ein Auflauf, und die Mohamedaner behaupteten, der Jude hätte ihren Glaubensgenossen geschlagen; alsbald verbreitete sich das Gerücht, ein Jude hätte einen Muselmann erschlagen; es folgte ein Volksaufstand; die Juden wurden erschlagen, ihre Häuser geplündert, nnd ohne die Hilfe des Sohnes Sr. Majestät, der uns zu Hilfe kam, wären wir alle umgebracht worden. Der Fürst begab sich nach Teheran, und wir legten ihm unsere Klagen ans Herz. Noch heute können wir uns nicht in Straßen nnd auf Plätze wagen und besonders nicht in die benachbarten Dörfer, ohne uns deni Tode anszusetzen.! Amerika. New-Aork, 26. Januar. — Unsere Stadt besitzt jetzt ein Theater, welches ausschließlich der Unterhaltung des jüdischen Publikums dienen will. Es führt den Namen „Thalia" und die Schauspiclertrnppe ist als „Gesellschaft der vereinigten jüdischen Schauspieler" bekannt. Die Direktion scheint für ein reichhaltiges Repertoire gesorgt zu haben. So kommen in einer Woche zur Aufführung: „Judas Makkabäns", „Der russische Soldat", „Die Jüdin", „Raschi", „Die beiden Cavaliere" nnd „Leah, die Verlassene". (Letzteres Stück scheint eine Bearbeitung des bekannten Mosenthal'schen Schauspiels „Deborah" zn sein.) Die Gesellschaft bringt sowohl Opern als Schauspiele zur Aufführung. New-Nork. Ende Januar. Die Isr. Wochenschr. berichtet über die Jahresversammlung der B'nei B'rith-Loge Folgendes: Die 28. Jahresversammlung der Großloge, Distrikt 1, B'nei B'rith, wurde am Sonntag, den 26. Jannar, von Präsident M. Hellmann eröffnet. Der erste Distrikt hat 8900 Mitglieder in 72 Logen. Ungefähr 7200 Mitglieder wohnen in New-Aork. Am Sonntag waren 101 Delegirte anwesend. Präsident Hellmann verlas die Jahresbotschaft, alsdann wurde der Bericht des Schatzmeisters Snlzbergcr, des Sekretärs Hamburger nnd des Bibliothekars Max Cohen entgegengcnommen. Dann folgte die Beamtenwahl, welche folgendes Resultat ergab: Präsident W. A. Gans, New-Iork. Erster Vice-Prüsidcnt: Jsaac Rosnosky, Boston. Zweiter Vice- Präsideut: L. Walter, New-Iork. Gegenwärtig strebt die Verwaltung des Distriktes danach, in hiesiger Stadt eine große B'nei B'rith-Halle zn errichten. Dieselbe soll ca. 450,000 Doll, kosten. Die zweite wichtige Frage war die, ob die jetzt im Orden bestehende obligatorische Lebensversicherung von 1000 Doll, für jedes Mitglied zn einer freiwilligen gemacht werden soll. Infolge der Lebensversicherung stellen sich die Beiträge der Mitglieder jährlich auf ca. 26 Doll., eine Summe, die vielleicht vielen Personen, die dem Orden beitreten möchten, zn hoch erscheint. Dieses Argument führen viele Mitglieder als Grund an, daß letzterem wenig junges Blut zurückgeführt wird, und sie drängen jetzt darauf hin, daß die Lebensversicherung in eine „freiwillige" nmgewandelt werde. Schließlich wurde die ganze Angelegenheit einem Neuner-Comitö überwiesen.