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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-28 · Heft 7 (28.2.1890) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 7 (28.2.1890)
Date
1890-02-28
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 daS nicht thun kan«/ ob er ein Jude ist oder ein russischer Türk (Heiterkeit)/ wird unserem Lande keinen Vortheil brrngcn. Aus den von niir vorgebrachten Gründen erlaube ich mir folgenden Antrag zur Annahme zu empfehlen: „Das Haus wolle beschließen, cs sei über die vom Abg. R. v. Schönecer überreichten Petitionen, betreffend dieVorlage eines Anti-Semiten-Gesetzes mit strengen Bestimmungen gegen die Einwanderung und Niederlassung ausländischer Juden in Oesterreich, zur Tagesordnung überzngehen, gleichzeitig aber die Regierung aufzufordern, die Gesetze über die Niederlassung und den Geschäftsbetrieb von Ausländern strenge in Anwendung zu bringen, und soweit sie nicht ausrclchen sollten, die Einwanderung ausländischer, der inländische» Armenversorgung zur Last fallenden Personen zu hindern, diesbezügliche Gesetzvorlagen bei der Neichsvetretung einzubringen." (Lebhafter Beifall.) Der Antrag Kronawetters wurde genügend unterstützt und sodann die Debatte geschlossen. Bei der folgenden Abstimmung wurde aber nur der erste Theil des Antrags, nämlich der Uebergang zur Tagesordnung über die Anti-Semiten-Petition, mit großer Majorität angenommen. Wien. 21. Februar. Das Herrenhausmitglied Baron Moriz Königswarter hat dem Wiener Wärmestubcn-und Wohlthätigkcitsvereine in hochherzigster Weise eine Spende von hnnderttausend Gulden znkommen lassen. In dem an den Verein gerichteten Begleitschreiben heißt es: „Unter den mannigfachen Humanitären Unternehmnngen unserer Stadt nimmt Ihr Verein einen ehrenvollen Platz ein und verdient mit Recht die Sympathien der bemittelten Kreise, weil er cs sich zur Aufgabe macht, dem nothleidendsteii Theil der Bevölkerung Erleichterung und Linderung zu verschaffen. Umso bedauerlicher erscheint es mir, daß Ihr Verein trotz seiner anerkannten Ersprießlichkeit noch immer ein prekäres Dasei» fristet und es alljährlich bei Eintritt der rauhen Jahreszeit großer und unausgesetzter Anstreiignngen seitens Ihres opferwilligen Ausschusses bedarf, um die Baarmittcl zur Deckung des bescheidenen Erfordernisses flüssig zu machen. Diese Wahrnehmung hat den Wunsch in mir wachgcrnfc», Ihren Verein ans eine solidere Grundlage zu stellen, dessen Zukunft einigerinaßen zu sichern und hierdurch auch meinen Mitbürgern einen erneuerten Beweis zu liefern, wie sehr mir das Interesse für meine Vaterstadt am Herzen liegt." — An diese großartige Spende wurde von Baron Königswarter die Bedingung geknüpft, daß die Wohlthat dieser Spende Angehörigen aller Konfessionen ohne Unterschied ihrer Nationalität zu Theil werden muß. Die Vercinsleitung hat in ihrer gestrigen Sitzung nach vorher erfolgter Genehmigung des Spenders den einhelligen Beschluß gefaßt, in vier Bezirken Wiens, in welchen die ärmste Bevölkerung ansässig ist, Gebäude zur Unterbringung der Wärmestuben zu errichten.— Ucber die Spende erfährt die „Neuzeit" Folgendes: Baron Königswarter hatte ursprünglich die Absicht, den Betrag von fünfmalhunderttansend Gulden zu widmen behufs Durchführung eines früheren Projektes, welches er mit der Fürstin Pauline Metternich wiederholt besprochen hatte. Es sollte nämlich das Asylwesen mit den Wärmestnben zu einem großen Ganzen vereinigt werden. Diesem Plane standen jedoch verschiedene Hindernisse entgegen; Baron Königswarter wünschte nämlich — und das hat seine Berechtigung in der Organisation — daß sowohl der Asyl-, wie auch der Wärmestnbenverein in der mit dem Kapital von 500,000 Gulden neu zu gründenden großen Wohlthätigkeitsanstalt aufgchc. Da dieses augenblicklich nicht durchführbar erschien, spendete Baron Königswarter 100,000 Gulden mit der Bestimmung zur Errichtung von vier neuen Würmestnben in den Bezirken Brigittenau, Favoriten. Gumpendorf und Erdberg. Wien, 24. Februar. Die „Oesterreichische israelitische Union" hielt gestern eine Kaiser Josephs-Feier ab, in welcher Professor Dr. Gerson Wolf die Festrede hielt. Hierauf sprach Gemeindcrath Dr. Alfred Stern, welcher eine patriotische Parallele zwischen den Monarchen Joseph II. und Franz Joseph I. zog. Zum Schlüsse der offiziellen Feier recitirte der Schriftführer der „Union", Herr Joseph Fuchs, wirkungsvoll Grüu's Gedicht: „Sein Bild". Ans Antrag des Vereinsmitgliedes Ludwig Waldstein wurde dem anwesenden Reichsraths-Abgcordneten Dr. Bloch der Dank der Versammlung für sein mannhaftes Auftreten im Reichsrathc einstimmig votirt. Wien, 20. Februar. Der Dichter Ludwig August Frankl veröffentlicht nachfolgende Danksagung: Uebcrrascht und bewältigt von den kaum zu überschauenden Zeichen ehrenvollster Auszeichnungen, menschlich wohlwollender Theiluahme, die mir an meinem 80. Geburtstage zugekommen sind, ist es mir, zu meinem Leid, völlig unmöglich, den einzelnen künstlerischen, wissenschaftlichen und hnmanitärcn Körperschaften, den aus allen Gesellschaftskreisen unserer Monarchie, Deutschlands, Italiens, Rumäniens und Amerikas persönlich und schriftlich an mich gelangten Glückwünschen und Adressen meinen tiefst empfundenen Dank auszusprechen; den unauslöschlichen Dank für nach vielen Hunderten zu zählenden werthvollen sinnigen Liebesspenden» »»vergänglichen Denkmalen, in Vers und Prosa niedergeschricbenen Segenswünschen. Es war plötzlich ein liebevoller, betäubender Wolkenbrnch von Ehren auf mich niedergegangen und weckie den Gedanken und den Wunsch in mir, daß ich doch im Leben und Kunst so viel geleistet hätte, um all die Auszeichnungen und Kundgebungen zu rechtfertigen! Dank, Dank, Dank! und auch für das weithin tönende Glockcngcläute, mit dem die Presse mein Jubelfest begleitet hat. Es war ein pnrpurgoldenes Spätabendlcuchten . . . Wien, im Februar 1890. Ludwig August Frankl. * Wien, 20. Februar, lieber das „Vereinswesen im iJndenthnm" hielt jüngst Herr Rabbiner Dr. M. Güdezmann in dem Verein „Union" einen sehr interessanten Vori trag. Gras Ta affe hat anläßlich der demuächstigcn Gcmcinde-; rathswahle» verschärfte Weisungen an die Behörden zur ^Verhütung antisemitischer Ausschreitungen erlassen.

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