Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 7 (28.2.1890)
- Date
- 1890-02-28
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 gegenüber ist ein Zuwachs von zwölf Stndirendcu allein ans Preußen ein erfreuliches Zeichen. Berlin. Nach der amtlichen Statistik wurden im Jahre 1886 die preußischen Volksschulen von 65 000 jüdischen Schülern besucht. Von diesen besuchten 13 000 die jüdischen Schulen, deren Anzahl sich auf 318 belief. 197 jüdische Lehrerstelleu waren mit einem andern Amte verbunden. An den Berliner paritätischen Geinciudeschulen wirken 35 jüdische Lehrer und Lehrerinnen. Die Zahl der paritätischen Schulen hat sich von 1882 bis 1886 um 14 vermindert. * Berlin. Man spricht unseren Glanbensgenossen vielfach das Verwaltnngstalcnt ab. Diesem abfälligcir Urtheil gegenüber sei auf die Thatsache hingcwiese», daß die Zahl der Kommnnalvcrwaltnngen, welche jüdische Männer zu Stadtverordnetenvorstehern gewählt habe», verhältnißmäßig keine gennge ist. Wir neiinen die Städte Elbing (Dr. Jacobi), Gleiwitz (Sanitätsrath Dr.Frcnnd), Myslowitz (S.Freund). Posen (Jnstizrath Orgler) und Schönlanke (Munter). * Berlin. Die Großherzogin von Baden ließ der Fra» Lina Morgenstern ein großes Portrait der verstorbenen Kaiserin Augnsta in prächtigem Majolikarahnien mit folgendem eigenhändigen Begleitschreiben überreichen: „Ich bitte Sie in dem Bilde meiner Heimgegangenen Mutter, welches ich Ihnen bestimmt habe, einZeichen der ansrichtigen und dankbaren Gesinnung z» erkennen, mit der ich Ihrer so erfolgreichen Thätigkeit auf dem Felde der Wohlthäiigkeit folge. Die Erinnerung an die in Gott ruhende Kaiserin, deren wohlwollende und sördernde Theilnahme Sie so vielfach erfahren durften, wird Sie, dessen bin ich überzeugt, auch bei Ihrer künftigen Arbeit der gemeinnützigen Nächstenliebe fortwährend begleiten und sich so auch bis in fernere Zeit segensreich erweisen. Luise." * Königsberg i. Pr., 23. Februar. Der ncnnnndzwanzigste Jahresbericht des Waisenhauses für Stadt und Provinz Königsberg läßt erfreuliche Resultate der Wirksamkeit der Anstalt erkennen. Die Zahl der Zöglinge beträgt zur Zeit 30. Die Zahl der Gönner imb Beitragenden weist ein Wachsthnm. Unter den der Anstalt zngcfallcncii Legaten ragt das von dem verstorbenen Geheimen Commcrzienrath Simon in Höhe von 100000 Mark besonders hervor. Wiesbaden, 22. Februar. Anläßlich eines Spezialsalles hat auf Anfrage der Herr Regierungspräsident unterm 28. v. M. erklärt, daß auch dermale» »ach Einführung der Civilehe dem Bezirksrabbiner in dessen Bezirke die alleinige Befngniß zur Vornahme von Kopulationen israelitischer Brautpaare, zusteht und wird demselben seitens des Herrn Regierungspräsidenten anheim gegeben, ihm jeden einzelnen Fall der unberechtigten Vornahme einer Traiunig durch einen anderen Rabbiner zur Anzeige zu bringe». Iserlohn, 13. Februar. Nachdem vor einiger Zeit hierselbst auf dem jüdischen .Kirchhof verschiedene Denkmäler zerstört worden, ist, wie die „Köln. Bolksztg." meldet, dieser Tage das Gleiche ans dem jüdischen Kirchhof zu Oestrich mit ’ sämnitlichen Grabsteinen geschehen. Den Eingang zu dem ■ Friedhof haben sich die Thäter durch Erbrechen des Thores : verschafft. - d - Freiburg i. B., 20, Februar. Das Duell Salomo»- Veringer bildet hier das Tagesgespräch. In einem Bierhause saßen Stndentcn. Sie glaubten sich von jungen Leuten, die au einem anderen Tische Platz genominen hatten, belästigt, gekränkt — und „Sie krummer Jndenjnnge" entfleucht den Lippen eines Urgermanen. Er will damit einen sehr schönen und banmgradcn jungen Arzt gemeint habe». Allein naturgemäß bezog es der in Folge einer unglücklichen Mensur schiefgewordene Gand. med. Salomon ans Neuwied auf sich. Er bot dem Nhenancn Ohrfeigen an — und die Pistolenfordernng war da. Nicht einmal die vorletzte Station des Staatsexamens ließ das „Ehrengericht" den Geforderte» machen — er mußte hinaus auf den Plan und wurde niedergeschossen. Mag man über das Duell denken, wie man will, was nun folgte, ist roh — über die Maßen roh! Die günstigsten Berichte sagen, daß wenigstens der Arzt der Gegenpartei sich des tödtlich Verwundeten angenommen, d. h. ihm den Nothverband angelegt habe. Andre Erzählungen leugnen auch dies. Alle aber stimmen darin überein, daß Gegner und beiderseitige Sekundanten nebst den Unparteiischen den i»> Blute Daliegenden eben liegen gelassen haben. Der Jäger hat mehr Mitleid mit dem angeschosseneu Wild, als diese Blüthc der deutschen Jugend. Der Arzt des Salomo» brachte den Todtwnnden im Wagen in die Klinik. 5% Stunden währte die Fahrt auf der einen Stunde Weges. Nicht eini mal eine Knude war in die Klinik geschickt worden. — Jetzt : tritt die Menschlichkeit wieder in ihr Recht. Herr Prof. Kraske operirt; es wird Alles anfgcbotcn, den Unglücklichen zu retten. Nach einem Augenblicke der Hoffnung tritt der Tod ein. Am vorigen Sonntag haben sie ihn hinansgetragcn, den Stolz seiner F-amilie, den tüchtige» jungen Arzt — das Opfer verkehrter Ehrcnbcgriffe. Einen Leichenzng, wie ihn Freibnrg lange nicht gesehen, haben sie ihm bereitet. Tausende lauschten den herrlichen Worten, dieHerrKonferenzrabbinerDr.Schwar z aus Karlsruhe an Stelle des erkrankten Ortsrabbincrs an der Bahre sprach. Und wen» auch nicht Alle cs werden gelten lasse», daß Salomo» als ein Märtyrer des Jndeuchnuis gefalle» ist, was der Redner über das Duell und den Anti-! Semitismns zu der studentischen Jugend gesprochen hat — o,; baö es einwnrzelte und die Besserung herbeifnhren helfe! Eine lebhafte Zeitnngspolcmik spielt sich hier in den Lokalblättern ab. Doch von allgemeinciu Interesse wird nnr noch der Spruch des Gerichtes sein, dem, wie man hört, auch das sogenannte Ehrengericht unterliegen soll. 8 Karlsruhe, 20. Februar. Der frühere Bezirksrabbiner D r. F l e h i n g c r von Marchingcn, bekannt als Herausgeber eines Geschichtsbnchleins für die israelitische Jugend, ist, 80 Jahre alt, in Darmstadt gestorben. iv. München, 17. Februar. Unter dem Namen „Jsracliiischcr Wahlvcrein" hat sich hier eine Vereinigung gebildet