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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-21 · Heft 6 (21.2.1890) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 6 (21.2.1890)
Date
1890-02-21
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 spreche das bekannte Wort Lessiugs aus, und der Grundgedanke von Schillers Gedicht sei auch in dem Goethe'schen Faust und dem unbezwinglichen Erkenntnißtrieb des Helden der Tragödie, der ihn in die Tiefen der Sinnlichkeit fallen läßt, enthalten. In solchem Streben nach Erkenntniß hat auch der orientalische Geist versucht, das Räthsel der Welteutstehung zu lösen. Gleichmäßig, mit unwesentlichen Unterschieden, finden wir die Vorstellung von der Entstehung der Welt aus einem Welt-Ei bei den Indern, den Aegyptern, den Phöniziern und Assyrern, und Anklänge davon haben wir auch in der biblischen Anschauung: Der Geist Gottes brütet über den Wassern, und aus der oberen Schale wird später der Himmel, aus der unteren die Erde. Aber der Unterschied zwischen jenen Kosmogonien und der biblischen ist doch unverkennbar und er ist wahrlich groß genug. Während jene Völker cs nur zur Natnrvergölterung bringen, während sie sich nur dazu aufznschwingen vermögen, von der Einwirkung der lebendigen Kraft ans den tobten Stoff zu reden, spricht die Bibel von einem sich selbst bestimmenden allmächtige» transcendenten Geist, der vor dem Chaos da ist und über ihm steht, der höher ist als alle Kraft und als aller Stoff. Auch in ihrer weiteren Darstellung der Welterschaffung ist die Bibel bewunderungswürdig und großartig. Zuerst werden die unbeweglichen, dann die beweglichen Naturgebilde hervorgebracht: Korrespondenzen Deutschland. X Berlin, 16. Februar. Der Deutsch-israelitische Gcnieindcbund hat an die Vorstände der 450 zu ihm gehörigen Genicindcn das nachfolgende Zirkular gerichtet: „Sehr geehrter Vorstand! Durch Beschluß des fünften ordentlichen Gcnieindetages ist als Aufgabe des Deutsch-israelitischen Genieindcbnndes die Sammlung und Mittheilung von Erfahrungen auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung in das Statut aufgenommen worden. Wir glauben, der Erfüllung dieser Aufgabe dadurch näher zu kommen, daß wir in nuferen „Mittheilungen", welche künftighin in kleineren Zeitabständen erscheinen werden, außer unseren eigenen Publikationen auch diejenigen der Vorstände unserer Bundesgemeinden, soweit sie dem obigen Zwecke dienen, veröffentlichen. Aus diesem Grunde ersuchen wir Sie mit gcfl. regelmäßige Mittheilung über 1. wichtige Beschlüsse des Vorstandes und der Repräsentanten, besonders über Etatswesen, Synagogenban, Schulwesen rc., ■2. wichtige Bekanntmachungen und öffentliche Ausschreiben des Vorstandes, 3. behördliche Verfügungen von weiterem Interesse, welche an Sie ergangen sind, 4. wichtige Vorgänge in der Geschichte Ihrer Gemeinde, Jubiläen und Personalveränderungen, sowohl des Vorstandes wie der Beamten, ein Wort von Gott genügt, um die Reihe der Wesen aus dem Nichtsein ins Dasein zu rufen. Und deutlich hat der Verfasser auch das Bewußtsein, daß mit dem Menschen die Krone der Schöpfung erscheint, das Juwel dem Geschmeide der Gedanke» Gottes eingefügt wird: er läßt vor der Erschaffung desselben Gott mit sich zu Rathe gehen, und unverkennbar ist auch die Anschauung von der Wesens- und Geistesverwandtschaft des Menschen mit Gott zum Ausdruck gebracht. Die Bibel charakterisirt sich auch darin als das wahre Kunstwerk der Gotteserkenntniß, daß sie in der Erschaffung des Menschen nach Gottes Ebenbild die ewige Liebe Gottes sich offenbaren läßt. Wir haben im 1. Buch Mose den allmächtigen Gott, im 2. Buch Mose den heiligen Gesetzgeber, durch das Gesetz wird Israel ein Volk des GotteSstaates. Aber dem Druck gegenüber und der Fülle von Satzungen, wie sie die Priester den Menschen anfbürdete», verkündeten die Propheten den gnädigen Gott, und ihre Verkündigung gipfelt in der Messiashoffuuug. Der Redner ging sodann auf die christologische Auffassung der prophetischen Reden ein, ein Gebiet, auf das wir ihm nicht zu folgen haben. Wir begnügen uns damit, seine Auffassung des biblischen Schöpfungsberichts hier in kurzen Zügen dargestcllt zu haben. und Nachrichten. 5. Stand und Wirksamkeit der wohlthätigen Institute und Vereine, 6. eintreteude Vakanzen, 7. Alles, was nach Ihrer Ansicht sonst noch von Interesse und Nutzen für das jüdische Gemeindeleben in Deutschland ist. Wir werden uns beniühen, das uns zngehende Material möglichst vollständig zur Veröffentlichung zu bringen, müssen »ns jedoch eine redaktionelle Befngniß im Hinblick auf die Beschränkung, welche sowohl das Statut des Bundes, als auch der voraussichtlich große Umfang des Stoffes uns anferlegeu, Vorbehalten." Es ist zu erwarten, daß diese Erweiterung des Inhalts der „Mittheilungen" des Gcmeindebundcs interessanten und anregenden Stoff in Fülle bieten wird. S£2 Berlin, 14. Februar. In der bekannten Anklage gegen dieVorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde und den Hilfsvorbeter Dragotschin wegest Vergehens gegen § 71, Absatz 2 des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847, worin von der II. Strafkammer des Landgerichts I. auf Freisprechung erkannt worden war, hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt, welche gestern vor dem Strafsenat des Kammergerichts zur Verhandlung kam. Im Wesentlichen wird darin Folgendes ansgeführt: Der Vorderrichter nimmt als erwiesen an, daß Dragotschin ein 6*

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