Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1890)
- Date
- 1890-02-21
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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(SiiUaifeutu überläßt aber der -Staat den Privaten und Pereinen. Es würde mich freuen, wenn meine Darlegung geneigte Berücksichtigung fände. Es würde mancher Nutzen für die jüdische Gesammtheit daraus erwachsen. Hochachtungsvoll gcz.: Rabbiner Dr. Löb." Auf dem Gemeindetage des Jahres 1888 ist bekanntlich der Beschluß gefaßt worden, die Fürsorge für eutlassene Strafgefangene ausdrücklich in die Thätigkeit des Gemeiudebundes anfzunehmen. Seitens des Ansschnsses geschieht, wie wir hören, Alles was uöthig ist, um diesen Beschlüssen die That folgen zu lassen. Nicht nur steuert der Bund zu den Lokalvereinen au alle» in Frage kommenden Orten Geldmittel bei, er ist auch mit Erfolg bemüht gewesen, die einzelne» Fälle, welche seitens der Strafanstalten oder von privater Seite ihm gemeldet wurden, in direkte Behandlung zu nehme». Gleichwohl wird ein erfolgreiches Wirken nur dann möglich sein, wenn der Ausschuß bei dieser Arbeit die thatkräftige Unterstützung der jüdischen Gemeinden, sowie aller für humanitäre Bestrebungen Sinn und Verständniß besitzenden Privatleute finden wird. Es kommt nicht nur darauf allein an, dem Gemeindebund für diesen lvichtigen Zweck bedeutendere Geldmittel zur Verfügung zri stellen, sonder» mehr noch darauf, ihn durch wiederholte Anmeldung von Arbeitsgelegenheit iu den Stand zu setzen, eine Unterkunft für die unglücklichen Mensche», deren Sorge cs gilt, nachzuweiscn; denn Schnelligkeit der Unterbringung ist hier die wesentlichste Bedingung für den Erfolg. Seine Organisation und der Umfang seiner Wirksamkeit befähigen den Gemeindebnnd vollauf, dem vom Herrn Rabbiner Dr. Lob geschilderten Nothstande abzuhelfen; mögeu die Freunde des Bundes, und vor Allem die Freunde der Humanität, nicht zögern, durch kräftiges, unermüdliches Helfen zu einer segensreichen Thätigkeit auch auf diesem wichtigen Gebiete jüdischer Wohlthätigkeit beizntrage»! Litterarische Mittheilimgen. Vocabularium und Grammatik zu den hebräischen Versen des Spruchbuchs, II. Kursus von Dr. M. S. Zuckermandel, Oberrabbiner; 78 S. Oktav. Trier 1890, Anton Müller. — Der Verfasser verdient uneingeschränkte Anerkennung. Es ist leider keine häufige Erscheinung, daß Männer, die einmal das Lob der gelehrten Kreise für exakt wissenschaftliche Werke sich errungen haben, es nicht verschmähen, zu der Jugend herabzusteigen, um sie zu belehren Noch seltener ist cs, daß solche Gelehrte praktisch genug sind, neue Methoden für den Jugendnnterricht zu zeigen, die Erfolg versprechen. Um so willkommener muß uns Z.s Merkchen sein, dessen II. Kursus uns vorliegt. Bei dem Mangel an Zeit, unter welchem der jüdische Religionsunterricht in unserem Schulsystem in der Regel zu leiden hat, ist jeder Versuch dankbar zu begrüßen, der das natürliche Jneinaudergreifen der einzelnen Unterrichtsgegenftände im Unterricht selber zu verwertheu unternimmt. Z.s Spruchbuch (I. Kursus) enthält lauter biblische Sprüche, die zugleich im Siddur enthalte» sind, in der Reihenfolge, daß sie zu den einzelnen biblischen Geschichten und de» daraus sich ergebenden Lehren als Denkverse auswendig gelernt werden können. Zugleich ist jedem Vers auch seine Fundstelle in der Bibel und im Gebetbuch beigefügt, damit die Kinder sich früh in dem letzteren zurechtfinden lernen. Der vorliegende II. Kursus unternimmt es nun mit großem Geschick, etwa nach Art der Plötzschen Lehrbücher für die französische Sprache, im Anschluß an die gelernten Verse in einzelnen Regeln allmälig das gesammte Lehrgebäude der hebräischen Grammatik aufzubauen, so daß fortan mit Hilfe der Zuckermandel'schen Büchlein biblische Geschichte, systematischer Religionsunterricht und Hebräisch eng mit einander verbunden werden können, und gewissermaßen als Nebenertrag dieser Arbeit eine eingehende Kenutuiß des Gebetbuchs sich ergiebt. Die Methode ist geistvoll ersonnen und wird sicherlich in den Schulen, welche diese Büchlein cinfnhren, von großem Nutzen sein. Einzelheiten in dem grammatischen Theile, die vielleicht zu Ausstellungen Veranlassung geben könnten, kommen bei dieser ersten Auflage nicht in Betracht. Man könnte an dem Umfang des grammatischen Stoffs, hier und da auch über die Präzisioir der Regeln u. dergl. m. vielleicht manches aussetzen. Aber das beeinträchtigt den Gesammteindrnck des trefflichen Büchleins nicht, dem wir die verdiente Würdigung und weite Verbreitung von Herzen wünschen. 6. * Von der in diesem Blatte schon besprochenen „Mendelssohn-Bibliothek" (Berlin 1890, H. Engel) liegen wieder vier Hefte vor. Heft 11 und 12: „Nach der Vertreibung" von Dr. A. Löwenthal, schildert Bilder aus den letzten Tagen der Juden iu Spanien; Heft 13: „Der Heldenkampf der Makkabäer" von Frida Bach; Heft 14: „Das Channkafest" von Dr. N. Deutsch läuder; Heft l5: „Chanuka", ausgewählte Gedichte, beschäftigen sich alle mit dem unerschöpflichen Thema des Nationalfcstes, dessen Thaten und Wunder eine so mächtige Anziehungskraft ans die Jugend ansüben. Uns hat besonders die Arbeit von Deutschländcr, die von trefflichen pädagogischen Gesichtspunkten ausgeht, wegen ihres Inhalts wie der Form nach angesprochen. Wir empfehlen auch bei diesem Aulasse das gesammte Unternehmen noch einmal auf das Wärmste. _ * lieber ein auch für unsere Leser sehr interessantes Thema hat am 7. Februar der bekannte Orientalist Professor Dr. Dieterici einen interessanten Vortrag im „BerlinerUnionsverein" gehalten, nämlich über die „Sage von der Schöpfung bei den Völkern des Ostens." Der Redner ging dabei von dem Gedanken aus, daß den Ur- und Quellfragen gegenüber die Menschheit immer eine Antwort gesucht, wenn auch nicht gefunden habe. Schillers Gedicht „DaS verschleierte Bild zu Sais" enthalte diesen Grundgedanken; mit ihm deckte sich jenes Wort der Klage des JesaiaS, daß ihn Weh treffen werde, da seine Auge» Gott gesehen. Daß dem Menschen die Erkcnutniß der reinen, vollen Wahrheit nicht beschieden sei,