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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-14 · Heft 5 (14.2.1890) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 5 (14.2.1890)
Date
1890-02-14
Page
Seite 72 (sequence 7)
Language
German
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72 auSarbeiten zu lassen und hat sich zu diesem Zwecke mit einem hier lebenden jüdischen Schriftsteller in Verbindung gesetzt. — Aus den Michael' Beer'schen Kunststiftungen in Berlin werden auch in diesem Jahre zwei Konkurrenzen ausgeschrieben, eine für Maler aller Fächer, wobei der zu behandelnde Gegenstand dem Künstler vollkommen überlassen bleibt, und eine für Kupferstecher. Der zum letzteren Zwecke dieser Bewerbung einzusendende Kupferstich muß in Liniemnanier ausgeführt sein und müssen demselben außerdem Zeichnungen einer aus dem Leben ausgeführten Aktfigur, sowie einer ans dem Originalbilde eines guten Meisters entlehnten Gewandfigur beigefügt werden. — Die Preisbewerbuugen gelten nur für Künstler israelitischer Konfession. Der Preis ist in beiden Fällen ein Stipendium von 2250 Mk. zu einer einjährigen Studienreise nach Italien. Berlin, 6. Februar. Die diesjährige Generalversammlung des „Hilfsvereins für jüdische Studirende" findet am 15. Februar, Abends 7 Uhr, im Lokale des Brüdervercins statt. Aus dem Vorstande scheiden laut Statut aus: die Herren Geheimer Sanitätsrath Dr. Abraham, Julius Bleichroeder, Geheimer Justizrath Prof. Dr. Goldschmidt (z. Z. Vorsitzender), Ferdinand R e i ch e n h e i m, Dr. H. S i m o n und Siegfried Sobernheim. Die Herren W. Kopetzky und Louis Liebermann haben im Laufe des Verwaltungsjahres ihre Aemter niedergelegt. Ueber die Wirksamkeit des Vereins im jüngsten Jahre erstattet der Schriftführer Herr Geheimrath Abraham einen Bericht, dem wir Folgendes entnehmen: Schon seit längerer Zeit ist der Vorstand in Uebereinstimmung mit den in General-Versammlungen wiederholt ausgesprochenen Wünschen der Mitglieder des Vereins bestrebt gewesen, in der Auswahl der Stipendiaten strenger zu verfahren, dagegen die laufenden Unterstützungen höher zu bemessen, als es in früheren Jahren der Fall war. Der Vorstand ging dabei von der Erwägung aus, daß es sich nicht empfehle, den stetig sich mehrenden Zudrang zum Studium durch Unterstützung solcher Elemente noch zu verstärken, die durch mangelnde Begabung und Leistungen zu demselben nicht berufen erscheinen. Andererseits empfanden wir es lebhaft als einen Uebelstand, daß unsere Mittel nicht ansreichten, unsere Stipendiaten längere Zeit hindurch zu unterstützen und daß Vielen gerade in den letzten Semestern, in denen es am schwersten wird, Zeit zum Erwerb des Lebensunterhalts zu finden, die Beihilfe entzogen werden mußte. Noch besonders angeregt durch Vorschläge über Höhe und Dauer der Unterstützungen, welche von einem eifrigen und hervorragenden Mitglieds des Vereins dem Vorstande gemacht worden sind, hat derselbe nach eingehender Berathung folgende Beschlüsse gefaßt: 1. In den beiden ersten Semestern sollen den Studirenden in der Regel laufende Stipendien nicht bewilligt werden; ausnahmsweise Unterstützungen im Falle dringender Roth bleiben Vorbehalten. 2. Die Unterstützungen sollen von nun ab in der Regel zwei Drittel der Studienzeit hindurch, in besonders geeigneten Fällen bis zur Beendigung derselben gewährt werden. Der Vorstand wird sich eingehender als bisher durch Recherchen über die Bedürftigkeit der Petenten zu informiren suchen und bei den Prolongationen von Stipendien, wo es wünschenswerth erscheint, den Nachweis über die gehörige Benutzung der Studienzeit fordern. 3. Der Vorstand wird in seinen! Bestreben fortfahren, die Stipendien in den geeigneten Fällen zu erhöhen. Mit der Ausführung dieser Maßregeln, die, wie wir hoffen, die Zustimmung der Mitglieder finden werden, ist bereits bereits begonnen, indeß ist es einleuchtend, daß namentlich mit der Verlängerung der Unterstützungszeit nur allmälig vorgegangen werden kann, da sonst mehrere Jahre hindurch überhaupt keine neuen Stipendiaten ausgenommen werden könnten. Die Spezialstiftungen, welche für die Promotion, die verschiedenen Examina und die sonstigen außerordentlichen Unterstützungen bestimmt sind und die besonders segensreich wirken, da sie größere, den Studirenden zur Erreichung ihres Zieles uothwendige, aber sonst schwer erschwingliche Beihilfen gewähren, sind im abgelaufenen Jahre um eine sehr daukenswerthe und erfreuliche durch Frau Küh-Zaller vermehrt worden, welche dem Verein ein Kapital von 6000 Mark überwiesen hat, dessen Zinsen zu Unterstützungen in Krankheitsfällen und für Badereisen verwendet werden solle». Ueber die speziellere Wirksamkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre werden die folgenden Angaben gemacht: Es sind im Jahre 1889 64 Gesuche um laufende und 45 um einmalige Unterstützungen eingegange», von denen resp. 44 und 38, also im Ganzen von 109 Gesuchen 82 bewilligt worden sind. Für das am 1. Januar und 1. Juli jeden Jahres zu vergebende Alexander v. Humboldt-Stipendium sind außerdem 8 Gesuche eingegaugen. Unterstützt wurden aus den Fonds des Hilfsvereins im Ganzen 142 Studirende, von denen 104 der medizinischen, 29 der philosophischen und 9 der juristischen Fakultät angehörteu. Was das Institut der Preisanfgaben betrifft, so ist für dasselbe ein Preis von 150 Mark durch die Ernst Reichenheim-Prämie für immer gesichert, welcher im vorigen Jahr einer von den 5 für die medizinischen Aufgaben eingegangenen Arbeiten nach dem Urthcil der Preislichter zuertheilt werden konnte. Da die Letzteren noch eine andere Arbeit der Berücksichtigung würdig erachteten, so wurde dem Verfasser derselben ein Accessit von 100 Mark zuerkannt, tvelche dem Verein zu diesem Zwecke von einem Mitgiiede giftigst zur Verfügung gestellt wurden. Die Zweigstiftuug für Akademiker, von Herrn Ferdinand Reichen heim begründet und vom Vorstande wie die anderen Stiftungen in statutenmäßiger Weise verwaltet, hat im Jahre 1889 23 Studirende der technischen Hochschule, der Bergakademie^ und der Kunstakademie, und zwar 6 Gewerbetechniker, 4 Bautechniker, 1 Chemiker, 2 Maler, 2 Bildhauer, 7 Musiker und 1 Stndirenden der Thierarzneischnle, mit laufenden Stipendien von 50 Mark resp. 60 Mark vierteljährlich im Gesammtbetrage

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