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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-09 · Heft 4 (9.2.1890) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 4 (9.2.1890)
Date
1890-02-09
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 bis spät in daS Jahr 1889 .hineingezogen und ist an manchen Orten (z. B. Berlin und Frankfurt a. M.) noch nicht zum Abschluß gekommen. Als bisheriges Ergebniß wird lnitgetheilt, daß 221 Listen mit einem Sammelertrage von netto 11,153 Mk. 58 Pfennigen beim Bureau deS GemcindebundeS eingegangen sind. Wenn auch durch dieses Resultat es noch nicht möglich geworden ist, einen festen Fonds für Zwecke des Religionsunterrichts zu begründen, ist der Bund doch im Stande gewesen, in mehr als 40 kleinen Gemeinden die Ertheilung von Religionsunterricht zu ermöglichen. Berlin, 1. Februar. Zu Gunsten der Wittwen- und Waisenkasse jüdischer Kantoren findet am Mittwoch, den 26. Februar, in dem Saale des Vereins junger Kanfleute zu Berlin ein Wohlthätigkeits.-Konzert, veranstaltet von dem Vorstande der genannten Kasse, unter Mitwirkung hervorragender musikalischer Kräfte statt. — Am 11. Dezember v. I. faud hier eine Versammlung behufs Bildung eines Vereins ehemaliger Zöglinge der jüdischen Lehrerbildungsanstalt statt, an welcher einige Mitglieder des zeitigen Lehrer-Kolleginms Theil nahmen. Nach einstimmiger Annahme des Statuts wurden die Herren Weber, Lewy, Friedman», Querbach, Bricn in Berlin, sowie die Herren Peritz-Königsberg, Plocki-Flatow, Borchardt-Krone und Salomon-Autonieuhütte zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Berlin, 1. Februar. Das von dem Verein „Freunde d e r T a u b st u m m e n" (JedideJlmim) in Weißensce (Parkstr. 18) bei Berlin erworbene Grundstück liegt in der ruhigeren und besseren Gegend des Ortes, von Gärten und Villen umgeben, ist 102 Meter tief und 31 Meter breit (also etwa 1 ‘/* Morgen groß), mit alten schönen Laubbäumcn bewachsen. Das Gebäude besteht aus: 1. einem Kellergeschoß, enthaltend alle Wirthschaftsräume der Anstalt und eine Wohnung für den Schuldiener; 2. einem Erdgeschoß, enthaltend die Schulräume, Speisesäle und das Konferenzzimmer; 3. 1. Stock mit der Wohnung für den Dirigenten, einem Schlafsaal für die Knaben nebst Zimmer für den Lehrer; 4. 2. Stock enthaltend die Aula, einen Schlafsaal für die Mädchen, 2 Krankenzimmer, ein Wartezimmer und ein größeres Rescrvezimmer. Das Gebäude mit Vorgarten und Hofraum umfaßt einen Flächenraum von 31 Meter Breite und 43 Meter Tiefe. Für Park- und Gartenanlagen bleibt noch ein Flächenraum von 1829 Quadratmeter. Allen hygienischen und pädagogischen Anforderungen ist Rechnung getragen. Das Grundstück haben wir mit 27,100 Mark voll ausgezahlt. Die Herstellungskosten des Baues mit Gas und Wasserleitungsonlagen, Pflasterung des Bürgersteiges und des Hofes, Regulirung des Parkes betragen gegen 130,000 Mark. Der Rohbau ist bis rum 1. Oktober d. I. fertig gestellt. Die Uedersiedelung der Anstalt von hier nach Weißensee kann schon im Juni 1890 erfolgen. Berlin, im Januar. Der älteste Arzt in Deutschland ist ein Berliner, der Geh. Sanitätsrath Dr. Martin Steinthal, der jetzt im zweiundneunzigsten Lebensjahre steht und seit 1821 Doktor der Medizin ist. Derselbe ist ein begeisterter Jude und einer der Begründer der hiesigen Reformgemeinde. — Verschiedene ausländische Studenten der hiesigen Technischen Hochschule sind im letzten Herbst ausgewiesen worden. Wie jetzt verlautet, waren dieselben ausschließlich jüdischer Religion. Unter ihnen befanden sich drei Russen, welche in Zürich ihre Studien fortsetzen. Ein Appell an das russische General-Konsulat znm Zwecke der Intervention blieb fruchtlos; auch die sonst übliche Frist bis zur Abreise war ihnen von der Behörde nicht bewilligt worden. Breslau, 30. Januar. Eine Entscheidung, welche fürweitere Kreise Interesse hat, ist vom Minister des Innern getroffen worden. Zwei jüdische Gefangene in der hiesigen königl. Strafanstalt, deren Seelsorger Herr Rabbiner Dr. D. Frankel ist, hatten am letzten Jom-Kippnr die Theilnahme am Gottesdienst verweigert. Auf eine spätere Beschwerde erklärte der Anstalts-Direktor, daß in dieser Hinsicht zwischen Inden und Christen ein Unterschied bestehe, indem nur letztere gezwungen werden können, an dem gemeinsamen Gottesdienste sich zu betheiligen. Herr Rabbiner Dr. Frankel beruhigte sich nicht bei dieser Entscheidung, sondern wandte sich an den Minister und erhielt nunmehr folgende Antwort: „Ew. Hochwohlgeborcn erwiedere ich auf den gefälligen Bericht vom 14. vorigen Monats ergebenst, daß kein Anlaß vorliegt, hinsichtlich des Besuches des Gottesdienstes Seitens der jüdischen Gefangenen nach anderen Grundsätzen zu verfahren, als hinsichtlich der christlichen Gefangenen, und daß mithin dem Anträge des dortigen Rabbiners Dr. Fränkel, auch de» jüdischen Gefangenen die Theilnahme am Gottesdienste zur Pflicht zu machen, Folge zu geben sein wird. Der Minister des Innern, (gcz.) Herrfurth. Der Verein Liwjath-Chen in Breslau, dessen Aufgabe es ist, unbemittelte Hörer des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau in zartsinnigster Weise vor dringender Noth zu schützen, erstattet Bericht über seine Thätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr 1889. Die Einnahmen des Vereins sind gegen das frühere Jahr gestiegen, sie betragen ca. 3600 Mk. gegen 2750 Mk. im Vorjahre, die Ausgaben belaufen sich auf 3200 Mk. gegen 3000 Mk. im Vorjahre. Königsberg, 29. Januar. Wie gewisse Kreise über die Befähigung der Juden für öffentliche Aemter denken, hat die Rektoratswahl in Königsberg am vorigen Dienstag gezeigt. Bis dahin galt es als unzweifelhaft, daß Prof. Hermann diesmal in der Reihenfolge der Professoren zum Rektor auscrsehen sein würde. Da erhoben einige Mitglieder des Senats in den letzten Tagen vor der Wahl Bedenken gegen Hermann, weil derselbe Jnde sei. Man erzählt, es sei von einzelnen Leuten besonders betont worden, daß der Besuch des Kaisers im Laufe des Jahres in Königsberg zu erwarten sei und man könne doch Sr. Majestät nicht Namens der Uliiversität einen Rektor jüdischer Konfession vorstelle». Im Anfang erregte diese Opposition selbst bei Nationalliberalen großen Unwillen, da im Ganzen die früheren liberalen Traditionen au

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