Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-09 · Heft 4 (9.2.1890) · p. Seite 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 4 (9.2.1890)
Date
1890-02-09
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227830--46815-3268300
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

der Sonne, nämlich In der Welt des Geistes", und ein anderer Weiser lehrte: „Wer sich zu einer sittlichen Weltanschauung bekennt, also wer einen Charakter erworben hat, der erschafft sich selbst von Neuem." - Zum Ausgangspunkt seiner Rede zurückkehrend, zitirt Lazarus das Wort des Propheten Jeremias (Cap. 31), der jenem Spruch von den Herlingen, welche die Väter gegessen und davon den Söhnen die Zähne stumpf geworden seien, die Wahrheit abspricht und die Leiden seiner Generation auf ihre eigenen Sünden zurückführt. Es war, nach dem Ausspruch Jochauan ben Sakkais, der Prophet Jeremias, der sich nicht scheute, gegen die Lehre Moses' von der Vererbung der Sünde und ihrer Schuld, der Tugend und ihres Lohnes, als gegen eine Anschauung veralteter Zeit aufzutreten und an ihre Statt die Lehre von der eigenen Verantwortlichkeit für Sünde und Tugend zu setz-n. Und in gleicher Weise übertrcffe der Prophet Ezechiel den Psalmisten, denn während Jener in seiner Noth den Ewigen anrufe und zu ihm flehe, er möge ihm ein neues Herze schenken (Ps. 51), ruft der Prophet aus: „Thut selbst eure Sünden ab und schaffet euch selbst ein neues Herz und einen neuen Geist." (Ez. 18, 31.) Rauschender Beifall lohnte den Redner am Schluffe seines Vortrags. Berlin, 28. Januar. In Gegenwart eines Vertreters der königlichen Regierung fand heute Vormittag 11 Uhr die feierliche Einführung der neugewählten Repräsentanten und Stellvertreter statt. Es sind dies die Herren Maurermeister Joseph Frankel, Justizrath Mako wer, Moritz Heilmann, Kommerzienrath Siegmund Friedländer» Gustav Löwenberg, Sanitätsrath Dr. Boas, Siadtrath Gustav Borchardt, Siegfried Leichtentritt, Sanitätsrath Dr. Kirstein und Sanitätsrath Dr. Blumenthal, sowie die Stellvertreter Herren Banquier A. Ruß, Rechtsanwalt Dr. Tiktin, Stadtv. Louis Sachs, Isidor Löwe, Rudolf Masse, Martin Simon, Albert Philipp Meyer, Sanitätsrath Dr. Mühsam, Syndikus Dr. Minden, I. Blumenthal, Gotthilf Salomo», Julius Oppenheim, Caspar Levy, Louis Jaffe und Rechtsanwalt B. Breslauer. Die letztgenannten vier Herren sind, nachdem die Herren Julius Bleichröder, Justizrath G. Levy, Bernhard Friedheim und Professor Dr. Kirschberg die Annahme des Amtes abgelehnt haben, an deren Stelle einberufen worden. Bei der Wahl eines ersten Vorstehers vereinigten sich die Stimmen auf den bewährten bisherigen Vorsitzenden Herrn Justizrath Mako wer. Zn stellvertretenden Vorsitzenden wurden die Herren L. Li ebermann und Kommerzienrath Friedländer, zu Schriftführern die Herren Hirschfeld und Landsberger gewählt. Berlin, 2. Februar. Die „Mittheilungen vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund" Nr. 25 sind soeben ausgegeben worden. Dieselben enthalten die preisgekrönte Arbeit des Herrn Arnold Budwig: „Die Wichtigkeit des jüdischen Religionsunterrichts und der Schaden, welcher aus der Vernachlässigung desselben erwächst." Ueber die Preisaufgabe selbst berichten die „Mittheilungen" Folgendes: . „Herr Ern. Stein in Berlin hat im Jahre 1888 einen Preis von 300 Mark zum Zwecke einer Preisaufgabe über daS Thema: „Die Wichtigkeit des jüdischen Religionsunterrichts und der Schaden, welcher ans der Vernachlässigung desselben erwächst," dem Ausschuß des GemeindebundeS übergeben. Nachdem im Einverständniß mit dem Spender die Herren Dr. Abraham Berliner, Dr. David Cassel, Rabbiner Dr. Salomon Cohn, Dr. Gustav Karpeles und Prof. Dr. Hajim Steinthal, sämmtlich in Berlin, zu Preisrichtern ernannt worden waren, wurde in den jüdischen Zeitungen Deutschlands und in unseren „Mittheilungen Nk. 21" das Ausschreiben veröffentlicht und der 1. März 1889 als Endtermin für die Einreichung von Arbeiten festgesetzt. Hierauf gingen in der anberaumten Frist 37 Arbeiten ein, darunter 30, welche einen Ort Deutschlands als Aufgabestcmp.l trugen, während 5 aus Oesterreich-Ungarn, 1 aus England, 1 aus Rußland eingesandt wurden. Alle Arbeiten kamen versiegelt in die Hände des Herrn Geheimrath Dr. Kristeller, w.lcher dieselben bis zum 4. März unter seinem Verschluß verwahrte. Von diesem Tage ab begann die Versendung an die Preisrichter, theils durch persönliche Uebergabe, theils durch die Post in Form von eingeschriebenen Packeten. Die censirten Arbeiten mit den Urtheilen gelangten ebenso wieder ai! Herrn Dr. Kristeller zurück. Die Urtheile wurden ausgedrückt durch die Prädikate „sehr gut" (---1), „gut" (— 2) und „mittelmäßig" (= 3). Herr Dr. Kristeller verwahrte die Censuren bis zum 10. April 1889, an welchem Tage er dieselben den Preisrichtern in ihrer Sitzung wieder übergab. In dieser Sitzung stellte das Prcisrichtercomite, aus welchem inzwischen Herr Dr. Cassel aus äußeren Gründen ausgeschiedcn war, den Censurenwerth der Arbeiten fest und gelangte zu dem Resultat, daß die Arbeit Nr. 21 den Censurenwerth von 6, vier andere Arbeiten den von 7 und 8, alle übrigen 9 und mehr aufwiesen. Es wurde beschlossen, die 5 Arbeiten, welche sich dergestalt als die besten erwiesen, einer nochmaligen Prüfung zu unterwerfen. In der Sitzung vom 24. April 1889 wurde das Resultat dieser Prüfung festgestellt, welches dahin ging, daß einstimmig die Arbeit Nr. 21 als die beste bezeichnet während der Arbeit Nr. 30 ein Acccssit zugesprochen wurde. Die Eröffnung des Couverts ergab als Verfasser der ersten Arbeit Herrn Arnold Budwig in Berlin, der zweitbesten Herrn S. Blumenau in Bielefeld." Auch die Publikation der Blumenau'schen Schrift wird in baldige Aussicht gestellt. Berlin, 2. Februar. Angesichts der Thatsache, daß nach statistischen Erhebungen in mehr als 800 kleinen und armen Gemeinden Deutschlands die jüdischen Kinder des Religionsunterrichts entbehren, und daß dieser Uebelstand nicht etwa in der Theilnahmlosigkeit der betroffenen Familie» und Gcmeiudevorstände, sondern lediglich im Mangel au Geldmitteln seine Ursache hat, ist von dem Ausschasse des dentsch-isr. Geineindcbundcs im November 1888 ein Aufruf zur Aufbringung von Mitteln, um diesem Nothstande abzuhelfen, erlassen worden. Die Sammlung hat sich durch vielfach eiuwirkende lokale Gründe,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.