Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-09 · Heft 4 (9.2.1890) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 4 (9.2.1890)
Date
1890-02-09
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227830--46813-3268298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

52 sich für diese Angriffe, wo die Dummheit mit der Rohheit streite, ziem«. Unerschütterlich in dem Sturm, der ausbreche, bleiben, das ist der Rath, den Frank seinen Glaubensgenossen geben zu müssen glaubt. Diese Theorie des Redenlassens bekämpft Isidore Löb in einem Vortrage: „Der Jude nach Geschichte und Legende". Der gelehrte Dozent deS Seminars stellt die Ansicht auf, daß es nufere Pflicht sei, die Jrrthümer zu bekämpfen, welche auf unsere Kosten verbreitet werden, Jrrthümer lächerlicher und kindischer Art, deren Unwahrscheinlichkeit mit solcher Leichtigkeit zu Tage zu fördern sei, lächerliche Vorurtheile, die so leicht zu widerlegen seien, wenn man sich überhaupt hierzu die Mühe nehmen wollte. Und nun schicke sich Herr Isidore Löb an der Hand von Urkunden an, die Legenden, die sich um den Juden gebildet haben, Revue passiren zu lassen, zergliedert sie, zeigt ihre Entstehung und verfolgt sie durch die Jahrhunderte bis zur Gegenwart. Zunächst beleuchtet er die Fabel von dem Reichthum Israels. Von acht Millionen Juden, weist er nach, befinden sich in Rußland, Galizien, Rumänien, Kleinasien, Asien 6,300,000, welche das jämmerlichste Dasein führen. Der Wucher, den mau den Juden so sehr zum Vorwurf mache, ist von Griechen und Römern in ausgedehntem Maaße getrieben worden, und die Christen unserer Tage, wie im Mittelalter, widmen sich ihm mit viel mehr Eifer als die Israeliten. Auch der Handelsgeist, den mau ihnen zuschreibt, sei Gegenstand der Kontroverse. Was unsere physischen Mängel anbetrifft, jenen eigenthümlicheu Geruch, mit dem wir nach dem Ausspruch eines nroderneu Schriftstellers behaftet wären, so weist Herr Löb schlagend nach, daß Legenden dieser Art von der Verwirrung herrührten, welche der Geist des Mittelalters zwischen Zauberern und Juden anrichtete, indem es diese wie jene als außerhalb der Menschheit stehend betrachtete und daher mit grotesken und abstoßenden Merkmalen versah. Der außerordentlich interessante Vortrag wurde dadurch abgekürzt, daß er, an das Ende der Sitzung gelegt, erst zu sehr vorgerückter Stunde seinen Anfang nahm. Aus dem weiteren Verlaufe der Sitzung erwähnen wir den Kassenbericht des Schatzmeisters, den man in Folge leisen Sprechens nicht verstehen konnte, dagegen lauschte man mit gewohntem Vergnügen dem Berichte, den Herr Theodor Reinach in akademisch elegantem Redeflüsse über die in der Revue veröffentlichten Arbeiten abgab. Herr Oppert, Mitglied des „Institut", wurde für das Jahr 1890 zum Präsidenten der 8oeiöte erwählt. lauge der Vorrath reicht, nachgeliefert. Zuschriften sind an die Redaktion In Linz a. D., Landstraße Nr. 7, zu richten. In dem eben erschienenen Heft bringt der Herausgeber, Dr. Karl v. Kißling, folgende interessante Mittheilung über den deutschen Reichskanzler Fürst Bismarck, den die Antisemiten noch immer für sich in Anspruch nehmen möchten: „Im Gegentheil hat er wiederholt seine Mißbilligung dieses Treibens in Privatkreisen ausgesprochen, und ein ihm nahestehender, in Deutschland hochberühmter Mann hat uns über die Frage, ob der Reichskanzler den Antisemitismus gutheiße, geschrieben, daß wir, ohne Widerspruch zu befürchten, den angeblichen Antisemitismus desselben in Abrede stellen dürfen." * Seit dem 1. Januar d. I. erscheint in Freiburg i. B. ein neues Wochenblatt unter dem Titel „Israelitische Zeitung". Als Redakteur und Herausgeber ist Herr Julius Burgheimer genannt. * Eine neue Zeitung für jüdische Angelegenheiten wird, wie uns mitgetheilt wird, vom 1. April 1890 ab in Glogau unter Redaktion des Lehrers Graf herausgegeben werden. Die „populär-wissenschaftlichen Monatsblätter" zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Konfessionen, herausgegeben von Dr. Adolf Brüll in Frankfurt a. M., bringen In ihrem Februar-Heft die folgenden Aufsätze: Kaiserin Angnsta. — Ueber die Gbichnißlitteratur des Alterthums. Von Dr. M. Dessauer. — Der Glaube an Unsterblichkeit und die Idee der Wiedergeburt des Menschen Von Dr. D. Rothschild. — Eine Uebersetzung der Sprüche Salomons ins Volapük. — Regelung des israelitischen Gemeindewesens in Ungarn. — Monatsschau. — Referate und Mittheilungen. * Zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin werden auch in diesem Jahr an sechs aufeinander folgenden Montagen Vorträge gehalten. Redner und Themata sind: am 3. Februar, Professor Dr. Lazarus: Vererbung und Charakter; am 10. Februar, Prof. Dr. Steinthal: WaS Gott thut, das ist wohlgethan; am 17. Februar, Dr. R. Löwenfeld: Ghettodichter; am 24. Februar, Dr. Gustav Karpeles: Was haben die Juden in Afrika zu suchen? am 3. März, Dr. Immanuel Ritter: Anklänge an biblische Gesichtspunkte in den Dramen von Henrik Ibsen; am 10. März, Dr. Heinrich Meyer-Cohn: Die Juden Kleine Notizen. Von der „Z e it sch rift z u r Be kam p fu n g im heutigen England, des Antisemitismus" ist soeben das sechste Heft ausgegeben j Ueber den ersten der genannten Vorträge berichten wir worden. Diese Zeitschrift, welche mitEnergie dem wüstenTreiben j an anderer Stelle, entgegentritt, darf bestens empfohlen werden. Die Pränu- : meraiion beträgt 2 Mark für die 2. Serie (7.—12. Heft);; die erschienenen ersten sechs Hefte werden für eine Mark, so-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.