Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 4 (9.2.1890)
- Date
- 1890-02-09
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227830--46812-3268297- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
51 großes Leben im Dienste der Idee — sicherlich höher stehen und mehr bedeuten als äußere Ehren, als Kronen und Kränze, die verwelken, indeß die Liebe und die Treue ewig bleibein Litterarischer Wochenbericht. * Den zahlreichen Forschungen, welche auf dem Gebiete der jüdischen Geschichtswissenschaft in jüngster Zeit durch die Feder von Rabbinen ihre Veröffentlichung gefunden haben, reiht sich würdig eine Schrift des Braunschweigischen Landrabbiners Dr. G. Rülf an. Dieselbe führt den Titel: „Einiges aus der ersten Zeit und über den Stifter der Jacobson-Schule in Seesen". (Brannschweig 1890 bei B. Goeritz. 41 S.) Den Stoff zu seiner Abhandlung hat Rülf aus Urkunden geschöpft, welche sich im herzoglichen Hanptarchive zu Wolfenbüttel befinden. Die Gründungsgeschichte der Anstalt, sowie die mannichfachen Schwierigkeiten, mit welchen das junge Institut in seiner ersten Zeit zu kämpfen hatte, sind klar und anziehend geschildert. Der interessante Bericht, auf den wir noch zurückzukommen gedenken. umfaßt die Zeit von 1801—1814. — Zur Herausgabe eines „Führers durch die Deutsch-Israelitische, unterhaltende (schönwissenschaftliche) geschichtlich-belehrend e,populär-religiöse undJugendschriftlitteratur vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis heute" haben sich zwei bekannte Männer, derBerlagsbuchhändlerHugo Jacobson in Breslau und der Lehrer Cohen in Rees vereinigt. Das Büchlein entspringt einem Bedürfniß, welchem in den letzten Jahren vielfach öffentlich Ausdruck gegeben worden ist. Auch an dieser Stelle haben wir wiederholt eindringlich auf die Nothwendigkeit der Errichtung jüdischer Gemeinde-, Schul- und BolkSbibliothcken hingewiesen. Es fehlte bisher auch nicht an dem guten Willen der Betheiligtcu, wohl aber bereitete die Auswahl des für solche Bibliotheken geeigneten Bücherschatzes große Schwierigkeiten. Man klagte über den Mangel an brauchbaren Schriften, und wir sind die Letzten, die da leugnen wollen, daß für die Thätigkeit der jüdischen Volks- und Jugendschriftsteller die Zukunft noch einen übergroßen Spielraum hat. Indeß ist theilwcise auch durch den Umstand ein Jrrthum hervorgerufen worden, daß man zu streng trennen wollte. Hier sollte eine Religionsschulbibliothek, dort nur ein Lesezirkel für gebildete Erwachsene geschaffen werden, an jenem Orte wieder mußten aus leidigem Parteihaß oder sonstigen Rücksichten die Schriften dieses oder jenes Autors auf den Index gesetzt werden — so war's natürlich, daß an jeder einzelnen Stelle nur ein kleiner ungenügender Katalog aufgestellt wurde. Indem die Herausgeber des „Führers" alles in dieser Richtung bisher bearbeitete Material zusammenfaßten, ist ein Musterkatalog entstanden, welcher nach ungefährer Schätzung gegen 1000 Nummern enthält. Jedoch der hinkende Bote folgt nach. Gut die Hälfte der als zur Anschaffung empfohlenen Werke ist aus dem Buchhandel verschwunden und nur noch antiquarisch zu haben. Hier ist der Punkt, wo der Hebel anzusetzen ist Es gilt nicht nur, die modernen Autoren/ welche, fei es aus Mangel an Interesse oder an Nachfrage, sich denjenigen Litteraturzweigen nicht widmenderen Erzeugnisse für Bibliotheken der gedachten Art sich eignen, zum Schaffen anzuregen, sondern auch daS Alte, Vorhandene für die Jetztzeit zu retten und die Werke, die in den Jahren 1830—1860 so ungetheilten Beifall fanden, für die jetzige Generation neu auszulegen. Nach beiden Richtungen hin würde eine Wiederbelebung des alten „Litteraturvereins" heilsam wirken können. — Haesters Fibel oder der Schreib-Lese-Unterricht für die Unterklassen der Volksschule. Für israelitische Schulen bearbeitet von Emanuel Hecht", und Hebräische Lese-Fibel. Nach einer neuen Methode bearbeitet von Emanuel Hecht. Neunzehnte Auflage 1889 (Essen bei G. D. Baedeker). Einer „neunzehnten Auflage" brauchen wir kein Wort der Anerkennung mehr hinzufügen. Da hat der Erfolg mit beredterem Munde gesprochen, als die Kritik es vermag. Nur darauf wollen wir an dieser Stelle Hinweisen, daß auch die Lesebücher von Haester, sowohl das für die Oberklassen wie für die Mittelklassen der Volksschulen, durch Anregung des gleichen Verlages ihre für israelitische Schulen geeignete Bearbeitung durch den Hanptlehrer Blumenfeld in Essen gefunden haben. Der billige Preis macht alle die genannten Ausgaben für die Einführung in die Volksschule besonders empfehlcnswerth. — Wir schließen hieran noch eine kleine aber sehr wichtige Publikation, die Gebetordnung für den Jugendgottesdienst am Sabbat-Nachmittag in Karlsruhe. (MannheimerVereinsdruckerei 1889). Schneller als irgend eine andere hat sich die Institution des Jngendgottesdienstes, von Oesterreich ausgehend, in den deutschen Gemeinden eingebürgert. Das in Rede stehende Büchlein kommt diesem Bedürfniß entgegen. Es ist mit Sachkenntniß und pädagogischem Geschick ausgewählt und enthält sehr hübsche Lieder und geeignete Gebete in hebräischer und deutscher Sprache. Wir können diese Agende allen Lehrern und Rabbinern, die den Jugendgottesdienst einführen wollen, bestens empfehlen. ö. * Den „Arclüves israelites“ entnehmen wir den nachfolgenden Bericht über die am 25. Januar stattgehabte Generalversammlung der „Societe des Etudes juives“: Sie ,,Societe des Etudes juives“ hat am jüngsten Sonnabend Abend ihre Generalversammlung abgehalten. Diese litterarische Feier wurde durch die Anwesenheit unseres hervorragenden Glaubensgenosse» Ad. Frank, Mitglied des „Institut" erhöht, der nicht nur die Versammlung leitete, sondern auch eine feurige Rede hielt, in welcher er mit unerbitilicher Logik die antisemitische Bewegung geißelte und mit Entrüstung gegen die niederen Beweggründe, ans denen diese Bewegung entspringt, auftrat. Das verehrte Mitglied der Akademie ist der Ansicht, daß das Schweigen der Verachtung die einzige Antwort sei, welche ' 4*