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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-01 · Heft 3 (1.2.1890) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 3 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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43 wahrscheinlich auf Anstiften der Königin und der Geistlichkeit, eine Verschwörung angezettelt und eines Tages überfielen Verschwörer die schöne Jüdin auf ihrer reich geschmückten Estrade und tödteten sie sowie ihre Freunde und Angehörigen in Gegenwart des Königs. Eine kastilianische Romanze besingt auch diese Scene: „Der König, seiner Rahel beraubt Stand traurig da und klagte, Gebrochen das Herz, gesenkt das Haupt, Der Schmerz im Innern nagte — Bei dieser Gelegenheit mag wohl auch ein Auflauf gegen die Juden stattgefunden haben, in dem der berühmte jüdische Historiker Abraham Jbn-Daud umkam. König Alfonso der Edle beschützte die Juden aber auch in der Folge gegen ihre Feinde in Kastilien, und die Juden Toledos standen ihm in seinen Kriegen gegen die Mauren kräftig bei. Als er nach jener siebenjährigen Liebesepisode sich aufraffte und sein Heer sammelte, um die Uebermacht der Almohaden zu brechen, schossen die Juden dem verarmten Könige ihre Reichthümer für die Kosten der Heeresrüstung vor. Und als später die Schlacht bei Alarkos unglücklich für den König ausfiel, so daß die Almohaden in das schöne Kastilien eindringen und es verwüsten konnten, kämpften die Jude» im Wetteifer mit den übrigen Bewohnern des Landes, um das Anstürmen des Feindes zurückzuschlagen. Beide Thatsachen sind durch zeitgenössische Historiker beglaubigt. Auch die Geschichte von der! schönen Rahel wird von allen historischen Berichten ziemlich gleichmäßig geschildert. Nur einige jüngere spanische Historiker haben es später versucht, dieses Factum beharrlich zu leugnen — aber ohne Erfolg. Die Jüdin von Toledo behauptet ihren Platz in der Geschichte und die „^mores äs ^Ikonso VIII. OON In Fermosa Judia“ werden in Romanzen und Dramen der spanischen Literatur bis auf die neue Zeit herab viel gefeiert. Die Ueberlieferung des Volkes und seiner Dichter hat aber die Geschichte sicher treuer bewahrt, als die gelehrten Historiker — und diese Ueberlieferung lautet nach den Berichten eines zuverlässigen Schriftstellers, der sie in Toledo selbst ausgeschrieben, folgendermaßen: „Der König war mit seiner Gemahlin nach Toledo zurückgekehrt; aber die Liebe, blind wie sie ist, täuschte den König. Der König wurde von einer Jüdin berückt und verliebte sich in dieselbe. Sie nannte sich Fermosa (die Schöne), und dieser Name kam ihr wohl zu. Der König vergaß die Königin und schloß sich mit der Jüdin ein. Sieben Jahre blieben sie beisammen, ohne sich je zu trennen, und so sehr liebte sie der König, daß er darob sein Königreich vergaß; ja er vergaß sich selber. Da beschloß man, dem zu steuern, ein so schweres, so schlimmes Unrecht gut zu machen; sie beschlossen die Jüdin zu tobten, um den Herrn sich selbst zurückzugeben; denn sie hielten ihn für verloren und glaubten, ihre Handlung würde ihnen hoch ange° , rechnet werden. So gingen sie hin, wo der König mit seiner Jüdin war, im Innern seines Palastes, die einen sprachen mit dem Könige, die andern drangen dahin, wo die Jüdin auf einer schönen Estrade weilte; hier tödteten sie dieselbe und mit ihr ihre Gefährten. Als der König ihren Tod erfuhr, war er traurig und schwer bekümmert; er wußte nicht was thun, denn die überschwängliche Liebe, die er zur Jüdin hegte, hatte ihn der Sinne beraubt. Seine Vasallen sprachen ihm Trost zu und führten ihn nach Jllescas. Als der König in einer Nacht in seinem Bette schlief und von der Jüdin träumte, sprach ein Engel zu ihm: „Alfonso, Du denkst noch an Deine schwere Sünde; Gott hat Dich für Deine böse Handlung bestraft, er hat Dich grausam bestraft; kein Sohn wird Dir erwachsen, sondern Deine Tochter wird Dich beerben. Denke daran, Gott zu dienen, damit er Dir verzeihe." „Engel," antwortete der König, „sei mein Fürsprecher vor Gott; ich erkenne heute meine Fehler und ich erkenne, daß ich gesündigt habe." So lautet die Ueberlieferung schlicht, naiv und poetisch. Man sieht, sie entfernt sich nicht so sehr von der historischen Wahrheit. Kein Wunder, daß eine solche Ueberlieferung die spanischen Dichter in ihren Bann locken mußte. Eines der besten Stücke von Lope de Veja ist der Jüdin von Toledo gewidmet; es führt den Titel „I-as xarss de los Reyes y la Judia de Toledo“- (Der Friede der Könige und die Jüdin von Toledo.) Alfonso, dessen ganze Jugendgeschichte der erste Act schildert, verliebt sich in die Jüdin von Toledo, da er sie beim Baden im Flusse überrascht. Aber ein Engel vertritt ihm den Weg, als er sich zu seiner geliebten Jüdin begeben will, die er in dem Palast Galiana eingeschlossen hält, und auch später erscheint ihm wieder ein Engel, als er nach der Ermordung der Jüdin gegen seine Großen und die Königin Rache schnaubt, den Schluß des Stücks, das Grillparzer natürlich genau gekannt hat, hält dieser für so vortrefflich, daß er ihm „an Innigkeit beinahe nichts im ganzen Bereich der Poesie an die Seite zu setzen wüßte." Diese Schlußseene, welche Grillparzer so wundervoll findet, ist folgende: „Der König, der an den Hof zurück will, und die Königin, die ihrem Gatten entgegenreist, treffen, ohne voneinander zu wissen, in einer Kapelle zusammen, in der ein wunderthätiges Bild der Mutter Gottes zur Verehrung aufgestellt ist. Sie knieen von einander entfernt nieder und fangen an in lauten, sich durchkreuzenden Worten ihr Herz vor der Gnadenmutter auszuschütten. Der König, der sich dadurch in seiner Andacht gestört findet, schickt seinen Kämmerling, die fremde Dame um Mäßigung ihres lauten Gebets zu ersuchen. Die Königin lehnt die Botschaft ab. Sie habe ihren Gatten verloren und sei in ihrem Rechte zu klagen. Jndeß ist ihr Kammerfräulein zu den Kammerherren des Königs hingekniet, die Erkennungen tauschen sich aus und das fürstliche Ehepaar feiert seine Versöhnung vor dem Altäre der Gebenedeiten." 4*

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