Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
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42 eine Anregung zur Förderung ihrer Interessen geben. Und doch, auch in ganz kleinen Gemeinden giebt es Wohl ein Mitglied, einen Verein oder dergl., die gerne einen Beitrag leisten würden, wenn sie von dem gesegneten Wirken der Achawa Kcnntniß hätten. Zum „Nehmen" sind viele bereit; warum nur so wenige zum Fördern? Alles das und noch mehr haben wir schon so oft im Laufe des vergangenen Vierteljahrhunderts gesagt. Es ist endlich Zeit, daß es gehört werde — überall. Oesterreich-Ungarn. Aus Galizien, im Januar. (Privatmitth.) „Der Empfang der Juden in Polen im Jahre 1096" ist das neueste hervorragende Werk des weltberühmten polnischen Malers Jan Matejko. Das genannte Bild stellt die Scene vor, da die aus Deutschland vertriebenen Juden vor dem Schlosse Krnszwiz dem Könige Ladislaus Hermann, der mit seinen beiden Söhnen im Vordergründe steht, die Huldigung darbringen. Die „Neue Freie Presse" äußerte sich über das l'/r Meter hohe und ebenso breite Bilv überaus günstig. Dasselbe wurde von dem Krakauer Reichsrathsabgeordneten L>r. Arnold Rappoport, der sich als erster Anwalt der österr. Länderbank in Wien großes Ansehen rasch erworben hat, (er ist ein Enkel des früheren Prager Oberrabbiners) für eine sehr bedeutende Summe angekauft. Schon früher hatte der Banquier David Rosenblum in Warschau ein Meisterwerk Matejko's: „Die Schlacht bei Grünwald" darstellend, für 60,000 Rubel gekauft. Bei alledem ist Matejko — wie seine mehrmaligen Reden beweisen — kein Freund der Juden. — Ihr Geld aber liebt er doch! — Da von Malerei die Rede ist, so mögen die in Petersburg zur Ausstellung gelangten Bilder der Academiker I. Aschkenasy (die Eltern des Moses), Leon Baksta (Eheleute) und die Marmorgruppe des Professors Antokolski (der weise Jasoslau) — alle drei Juden — erwähnt werden, welche die Bewunderung der Kunstkenner Petersburgs und eines so bedeutenden Blattes wie „S. Peterb. Wicdom." sich erwarb — und doch wurde die Aufnahme von Juden in die Kunstacademie Petersburgs erst kürzlich verboten. — Ieuii Die Jüdin von Toledo. Merkwürdig ist das Schicksal, welches das Bühnenstück erfahren, das den Titel führt: „Die Jüdin von Toledo". Jahrzehnte lang lag es verborgen im Pult des Dichters, der damals mit seiner Zeit und der Bühne grollte. Nach dem Tode Franz Grillparzers aus dessen Nachlaß herausgegeben, ging es zuerst über die Bühne des Theaters, dem vor allen die Pflicht oblag, das Andenken Grillparzers zu ehren. An dieser Bühne — dem Wiener Burgtheater — erlebte es seltsamer Weise einen Mißerfolg. Fortan wurde „Die Jüdin von Toledo" in die Kategorie jener ungezählten Tausende von Bühnenwerken mit eingeschlossen, die man mit dem unglücklichen Titel „Buchdramen" belegt. Aber damit ist das Schicksal des Werkes noch nicht beschlossen. Ein genialer, junger Künstler, der vielleicht berufen ist, eine Revolution in der deutschen Schauspielkunst hervorzubringen und eine neue Schule des bühnenmäßigen Realismus zu gründen, gewinnt Boden und Anhang in der deutschen Reichshauptstadt und mit ihm und einer liebenswürdigen, reichbegabten Künstlerin, gelangt das Drama Grillparzers, das man scheinbar längst zu den Toden geworfen, zu einer neuen Renaissance und füllt an jedem Aufführungsabend seit zwei Jahren in Berlin die Räume des „Deutschen Theaters" bis auf den letzten Platz. Es kann nicht bezweifelt werden, daß dieser Erfolg dem Stücke neues Leben cinhauchen und dasselbe vielleicht l e t o n. dem dauernden Besitzstand unseres classischen Bühnenbestandes einverleiben wird. Da dürfte es denn wohl von Interesse sein, den Ereignissen und Gestalten, die dieses Stück uns vorführt, auch geschichtlich näher zu treten. Die schöne Jüdin von Toledo interessirt uns zudem besonders, wenn wir das Theater schon verlassen haben und von Alfonso VIII. möchten wir gerne mehr wissen, als unser Lehrer uns in der Geschichtsstunde verrathen, besonders da Grillparzer den Stoff in eine poetische Beleuchtung gerückt hat, die denselben fast als sagenhaft und erscheinen läßt. Dies ist aber nicht der Fall. Die Geschichte von Alfons dem Edeln, dem König von Kastilien, und der Jüdin von Toledo, die den Namen Rahel und wegen ihrer bezaubernden Schönheit später auch „Fermosa" führte, beruht auf historischer Wahrheit. Alfonso war mit einer englischen Prinzessin Leonor verheirathet; gleichwohl hielt die kleine Jüdin von Toledo den König, den Gatten der schönsten Frau Spaniens, in ihren Fesseln. Sieben Jahre dauerte dieses Verhältniß und das „Romancero Castellano" berichtet in langen und feierlichen Gedichten ausführlich von dieser Liebe. Ein kastilischer Sänger klagt: „Es vergaß der König seine Gattin Und zog mit ihr sich zurück. So sehr liebte sie der König, Daß er Reich und Volk darum vergaß." Natürlich rief dieses Verhältniß eine allgemeine Erbitterung unter den Großen des Reiches hervor. Es wurde,