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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-01 · Heft 3 (1.2.1890) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 3 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 geführt, gemeinschaftlich von den Offieieren zu tapferer Haltung angefeuert, und vergießen gemeinschaftlich ihr Blut fm's Vaterland: warum sollen sie nicht auch gemeinschaftlich, Eines Angesichts des Anderen, zur Fahne schwören! Und warum wolle man, fuhr ich fort, die jüdischen Soldaten, die ohnehin mit dem Trauergefühle ins Regiment treten, selbst bei größter Tapferkeit und Würdigkeit nicht zum Officiersgrade befördert, ja, wie in neuester Zeit, nicht einmal des Unterofficiers gewürdigt zu werden, warum will man sie schon von vornherein ihre Inferiorität fühlen lassen! Allen diesem gegenüber beharrte der Herr Oberst auf seiner gegenteiligen Meinung und daß es bei seiner getroffenen Anordnung verbleibe. Und so blieb mir nur der Appell an das hochverehrliche Divisions-Commando mit der ergebensten Bitte, dasselbe wolle, wie es vordem immer hier geschehen ist und bei den Garnisonen in Darmstadt und Mainz annoch geschieht, auch hier die Beeidigung der jüdischen Rekruten in ganz gleicher Weise und Form wie die der christlichen geschehen lassen. Auf dieses Schreiben vom 27. December vorigen Jahres erhielt ich folgende Antwort: Darmsladt, den 7. Januar 1890. Auf Ihre geehrte Zuschrift vom 27. vor. Mts. erwidert Ihnen die Division sehr ergeben, daß von Seiten des Commandeurs des Infanterie-Regiments Nr. 116 in Bezug auf die Vereidigung der eingestellten Rekruten einwandfrei verfahren worden ist. v. Biosmann, Generallieutenant und Divisions-Commandeur. An den Großherzogl. Rabbiner der Provinz Oberhessen Herrn Dr. Levi, Hochwürden in Gießen. Von meiner Seite laßt sich nun in der Sache nichts weiter thun. Wenn jedoch eine Verschiedenheit in der Beeidung der jüdischen Soldaten von der christlichen auch anderwärts stattfinden oder platzgreifen sollte, dürften, so meine ich, Rabbinen und Vorstände Veranlassung nehmen, bei den höheren Behörden einzuschreiten. Rabbiner vr. Levi. I<1. Ober-Ingelheim, 25. Dec. (Privatmitth.) Vergangenen Sonntag, den 22. d. M. fand in Frankfurt a/M. die ordentliche Jahressitzung des Vorstandes der „Achawa" statt. Zur Vertheilung kamen statutengemäß 10,325 M. in 733/4 Theilen von je 140 M. (gegen 9600 M. und 136 M. ein Theil im vergangenen Jahre). Die größte Summe erhält eine Wittwe aus Baden mit 7 unerzogenen Kindern, 23/4 Theile gleich 385 M. Außerdem wurden im Laufe des Jahres 1950 M. als außerordentliche Gaben in besonders dringenden Fällen aus dem Reservefond gegeben; zusammen also in diesem Jahre 12,275 M. Das Vereinsvermögen beträgt ca. 175,000 M. Da zugleich die erfreuliche Mitteilung gemacht wurde, daß die verewigte Frau Joseph - thal, geborne Maas, die auch während ihres Lebens der Achawa reiche Gaben zufließen ließ, dieser aus ihrer Hinterlassenschaft ein Legat von 5000 Mark aussetzte, welche am 3. Januar 1899 behoben werden, so wird die Achawa mit einem Vermögen von 180,000 M. in das neue Vierteljahrhundert ihres Wirkens, das sie eben beginnt, eintreten. Die Zahl der activen Mitglieder betrug (1889) 295; mit den eben eintretenden werden es wohl 300 sein. Die Zahl der Ehrenmitglieder ist auf 860 gestiegen. Wenn wir uns auch aus vollem Herzen mit diesen Resultaten unseres eifrigen Strebens im vergangenen Vierteljahrhundert freuen dürfen, — haben wir ja während dieses Zeitraumes äuch wohl 150,000 M. zur Vertheilung gebracht, und damit gewiß viele betrübte Herzen aufgerichtet, — und wenn es uns auch wohlthut, daß nunmehr die Vertheilungssumme eines Jahres eine fünfstellige Zahl geworden ist, so dürfen wir uns doch nicht verhehlen, daß unsere Aufgabe immer noch eine sehr schwierige bleibt, und daß wir das, was wir erreicht haben, zumeist dem humanen Sinne Frankfurts zu verdanken haben. Erst in den jüngsten Jahren sind aus einigen anderen größeren Gemeinden Ehrenmitglieder in entsprechender Anzahl beigetreten; im Jahre 1889 besonders aus Augsburg. Wir haben dabei die Ueberzeugung, daß überall, in jeder irgend namhaften Gemeinde das gleiche Ziel mehr oder minder zu erreichen ist, wenn die entsprechende Anregung nicht fehlt. Hat Frankfurt, weil edle, aufopserungsfähige Männer von hier an die Spitze der Achawa gestellt sind, etwa größere Verpflichtung, dem jüdischen Lehrerstand Alldeutschlands, bis hinein nach Posen und Westpreußen beizuspringen, als Hamburg oder Berlin? Und kann ein Vernünftiger glauben, daß die Sorge für den Lehrerstand kein gemeinsames Interesse aller deutschen Juden sei? Daß eine oder die andere Gemeinde sich sagen könnte: Uns geht das nichts an? Wir werden ja für unsere Beamten keinen Anspruch erheben! — Woher sollen sich denn die anzustellenden Lehrer rekrutiren? Was zur Förderung des gesammten Lehrerstandes dient, kommt auch der Gesammtheit zugute und keine Gemeinde macht eine Ausnahme. Wenn dem Lehrerstande aufgeholfen wird, gewinnt die Schule, gewinnt der Unterricht, und kann mit größerem Rechte auf die Heranbildung tüchtiger Lehrer gehofft werden — und das kommt hier Allen zugute. Wir dürfen ohne Ueberhebung behaupten, daß die deutsche Judenheit keine höhere Aufgabe in dieser Richtung hat, als die Förderung der Achawa und die Unterstützung derselben, damit sie ihrer Aufgabe, — auskömmliche Pensionen geben zu können, — immer näher komme. Wir müssen aber auch zu unserer, d. h. des Lehrer- und Rabbinerstandes Beschämung eingestehen, daß noch kaum der zehnte Theil unserer Mitglieder seine Pflicht thut gegen diese wichtige Institution. Es giebt nur Einige, welche zuweilen

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