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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-01 · Heft 3 (1.2.1890) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 3 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 An die Vorstände der Synagogengemeinden des Bezirks. Beschluß. Von dem Unterzeichneten Vorstände und der Repräsentanten-Versammlung der Synagogengemeinde zu 1. ist heute in gemeinschaftlicher Sitzung nach vorgängiger statutenmäßiger Ladung und Mittheilung des Verhandlungszweckes folgender Statuten-Nachtrag beschlossen worden: Diejenigen Vorschriften des Synagogengemeinde-Statuts vom., welche von Veranlagung der Cultussteuer handeln, namentlich die ZA. ... kommen in Wegfall. An Stelle derselben treten folgende Vorschriften: Die durch directe Beiträge der Synagogengemeinde- Mitglieder aufzubringende Summe, welche sich aus dem Etat des Steuerjahres ergiebt, wird auf die sämmtlichen Synagogengemeinoe-Mitglieder nach Maßgabe der von ihnen zu zahlenden Staats-, Classen- und Einkommensteuer vertheilt. Hier wird es der Entschließung der Gemeindeorgane überlassen bleiben müssen, ob die Censiten mit unter 420 M. Einkommen mit einem fingirten Classensteuersatz von 1M. 50 Pfg. heranzuziehen sind. Zum Zwecke der Mittheilung jener Steuersummen übersendet der Vorstand rechtzeitig ein Verzeichniß der Gemeindemitglieder an den zuständigen Landrath, welcher die als Grundlage der Cultussteuervertheilung dienenden Staatssteuer- Summen in diesem Verzeichnisse vermerken läßt, worauf der Vorstand die Berechnung des auf jeden Censiten entfallenden Cultussteuerbetrages vornimmt und die so entworfene Heberolle der Aufsichtsbehörde zur Bestätigung einreicht. (Unterschriften.) Posen, im Januar. Am 29. v. M. fand die Generalversammlung des Vereins zur Förderung des Handwerkes unter den Juden und des Israelitischen Vorschußvereins hier statt. Der Vorsitzende Herr Glückstein erstattete bei dieser Gelegenheit den Rechenschaftsbericht für das Verwaltungsjahr 1889 folgendermaßen: „Wenn wir im vorjährigen Berichte den ungeahnten Aufschwung unseres Vereins nach einer längeren Zeit des Niederganges zu constatiren in der Lage waren, so gereicht es uns zu hoher Befriedigung, Ihnen auch heute die erfreulichen Resultate des abgelaufenen Verwaltungsjahres 1889 vorlegen zu können. Trotz den Anforderungen, welche der neubegründete Zweig unseres Vereins: „die Förderung des Handwerks unter den Juden" an uns stellte, waren wir doch im Stande, dank der steten Opferfreudigkeit und dem unermüdlichen Wohlthätigkeitssinne unserer Gemeindemitglieder, der Haupttendenz unseres Vereins zu entsprechen: die bedrängte Lage des kleinen Gewerbes durch eine das Zartgefühl nicht verletzende Art der Darlehnsgewährung zu verbessern, dem Creditbedürftigen die Mittel zur Fortführung seines Gewerbes in die Hand zu geben und zu verhindern, daß er der Armuth anheinifalle. Mancher Familienvater, durch unverschuldetes Unglück mit schwerem Herzen in die Lage gebracht, sich an das Mitgefühl Fremder zu wenden, ist durch ein rechtzeitig gewährtes Darlehn vor diesem demüthigenden Schritte bewahrt und meist in seiner früheren Erwerbsthätigkeit wieder hergestellt worden. Ungeachtet unserer stets bewiesenen Bereitwilligkeit, allen sich au uns wendenden würdigen Darlehnssuchern gerecht zu werden, haben wir bisher keine Ausfälle zu verzeichnen gehabt. Die Abzahlungen sind meist in den vorgeschriebenen Zahlungsfristen erfolgt und haben wir in den einzelnen Fällen, wo uns dargelegte Umstände dies nicht ganz ermöglichten, es nicht an Entgegenkommen und Nachsicht fehlen lassen. Auch die bisher erreichten Erfolge in der „Förderung des Handwerks unter den Juden" berechtigen zu den schönsten Erwartungen. Die von uns unterstützten und beaufsichtigten 9 Handwerkslehrlinge sind in folgenden Berufen beschäftigt: 1 Buchbinder, 3 Uhrmacher, 1 Schlosser, 2 Bäcker, 1 Klempner, 1 Holzbildhauer, und haben sich bisher die Zufriedenheit ihrer Meister erworben. Unser Verein hat demnach nach beiden Richtungen hin, sowohl in Ertheilung von Darlehen, als in der Ausbildung von Handwerkslehrlingen viel Gutes geschaffen und hegen wir die Zuversicht, daß derselbe auch in Zukunft einen Hauptsacror der Mildthätigkeit unserer Gemeinde bilden wird. Der Verein zählt an Mitgliedern 418 gegen 320 im Jahre 1888, die Jahresbeiträge belaufen sich auf 1716,90 M. gegen 1455,40 M. im Vorjahr, die ertheilten Darlehen sind von 4295 M. auf 7916 M. gestiegen. An außerordentlichen Spenden sind uns 351,50 M. zugeflossen, wofür wir den hochherzigen Gebern unseren tiefgefühlten Dank zollen und mögen sich die edlen Förderer unseres Werkes an dem erhebenden Bewußtsein genügen lassen, einen Baustein zu dem menschenfreundlichen Wirken beigetragen zu haben. Der statutarisch vorgeschriebenen Verstärkung des Reservefonds ist durch Ankauf eines 3J/2 °/o Pos. Pfandbriefs entsprochen worden, so daß wir nun einen Fonds von 1500 M. in Pfandbriefen besitzen. Hoffentlich wird die Kunde von unseren gemeinnützigen Bestrebungen dazu beitragen, auch in den Kreisen, in welchen unsere Ziele noch zu wenig gekannt und gewürdigt sind, das Interesse auf das segensreiche Wirken unseres Vereins hinzulenken und dessen weitere Ausbreitung zu fördern." Bielefeld, im Januar. Am 1. d. M. hielt, wie alljährlich, der Vorstand der Unterstützungscasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz zu

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