Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 3 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227829--46798-3268282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
38 ist die Sammlung des Materials bis zum Jahr 1273 im wesentlichen'beendet; nur noch einzelne minder wichtige und umfangreiche Werke sind durchzusehen. Der Herausgeber, Dr. I. Aronius, hofft den Stoff in zwei weiteren Lieferungen bewältigen zu können, von denen die eine voraussichtlich in den ersten Monaten' des Jahres 1890, die andere in der zweiten Hälfte desselben Jahres erscheinen wird. Für die Bearbeitung des der Schlußlieferung außer dem Register und der Einleitung beizugebenden Verzeichnisses deutscher Rabbiner bedarf es noch der Gewinnung einer geeigneten Kraft, zu welchem Zwecke Unterhandlungen eingeleitet worden sind. Die Frage, ob das große Werk, welches eine sichere Grundlage für alle Studien auf dem Gebiete der Geschichte der Juden in Deutschland schafft, auch für die Zeit nach 1273 — in veränderter Gestalt — fortzusetzen ist, soll in der nächsten Versammlung entschieden werden. Von den Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland konnte wider Erwarten der zweite Band, enthaltend die Kreuzzugsquellen, im Berichtsjahre nicht fertig gestellt werden. Zwar ist der hebräische Text, bearbeitet von Herrn Dr. Neubauer in Oxford und Herrn Dr. M. Stern in Berlin, fertig gedruckt worden, dagegen traten in der Herstellung der Uebersetzung, welche Herr Stern übernommen hatte, unliebsame Verzögerungen ein, die zuletzt einen Wechsel in der Person des Bearbeiters nöthig gemacht haben. Die Vollendung der von Herrn Stern begonnenen Uebersetzuug hat nunmehr die bewährte Kraft des Herrn Dr. S. Baer in Biebrich übernommen; die Commission hofft den Band im Frühjahr 1880 veröffentlichen zu können. Erfreulicheres ist über den Fortgang der übrigen Arbeiten der Quellen zu berichten. Herr Dr. I. Egers hat seine Arbeiten für die Sammlung und Bearbeitung der religiösen Dichtungen mit historischem Inhalt so weit geführt, daß zu Ostern 1890 der Druck der Sammlung, der einen mäßigen Band ausmachen wird, beginnen kann. Im verflossenen Jahre ist der Bestand der Sammlung durch einige werthvolle Dichtungen über Verfolgungen in Wiener Neustadt 1230, Prag 1389 und Frankfurt a. M. 1624 bereichert worden. Auch für allgemein deutsche Geschichte wird die Sammlung nicht ohne Interesse sein; so ergiebt sich z. B. aus einem bisher ungedruckten Gedicht des Menachem b. Jacob eine sonst nicht nachweisbare Belagerung von Worms durch Otto IV. im Februar 1201. Die Vorarbeiten für die Publication der ältesten Memorbücher, welche Herr Landrabbiner Dr. Salfeld in Mainz übernommen hat, waren schon im Vorjahre so weit geführt worden, daß der Druck hätte beginnen können, wenn es nicht zweckmäßig erschienen wäre, die Ausgabe erst auf die Edition der Kreuzzugsquellen folgen zu lassen. Nach dem von Herrn Dr. Salfeld eingereichten, von der Commission gebilligten Arbeitsplan wird der Band außer einer ausführlichen Einleitung die Todtenlisten der Verfolgungen des Mittelalters und das Necrologium der Gemeinde Nürnberg von 1297 bis ca. 1380 in Text und Uebersetzung mit kritischen Noten enthalten. Sehr umfangreiche Arbeiten hat Herr Dr. Joel Müller für die von ihm übernommene Sammlung von Responsen deutscher Rabbiner des Mittelalters mit historisch wichtigem Inhalt ausgeführt. Etwa 150 Responsen bis zum 13. Jahrhundert sind ausgewählt, bearbeitet und übersetzt worden. Für die Responsen des R. Meir aus Rothenburg sind noch Handschriften aus Prag und Parma heranzuziehen, deren Hierhersendung von dem Gemeindevorstand in Prag und der Kgl. Bibliothek in Parma in Aussicht gestellt worden ist. Für die Sammlung der Responsen des 14. und 15. Jahrhunderts. welche historisch noch ergiebiger sind, da sie Orts- und Personennamen bestimmt zu bezeichnen pflegen, sind die Vorarbeiten in Angriff genommen worden. Der Druck der ganzen Sammlung, welche voraussichtlich zwei Bände füllen wird, dürfte im Jahre 1891 beginnen können. Die Zeitschrift, welche im laufenden Jahre eine erhebliche Anzahl neuer Abonnenten gewonnen hat, wird von ihrem vierten Jahrgang ab in etwas veränderter und gefälligerer Gestalt erscheinen. Zu den Gemeinden und Instituten, deren Subvention der Commission die Durchführung ihrer Arbeiten ermöglicht, sind im Berichtsjahre die israelitischen Cultusgemeinden zu Wien und Mannheim hinzugetreten. Breslau, 26. Januar. Von besonderem Interesse nicht nur für die preußischen Synagogengemeinden, sondern für alle jüdischen Gemeinden dürfte der nachstehende Erlaß sein, welchen ein Regierungspräsident an die Synagogengemeinde seines Bezirks erlassen hat. Der Erlaß lautet: „Die Uebelstände, welche sich daraus ergeben, daß neben der staatlichen Einschätzung eine besondere Einschätzung zur Cultussteuer vorgenommen wird, Nebelstände, die wiederholt die Versagung der Vollstreckbarkeits-Erklärung für die Heberollen nothwendig gemacht haben, veranlassen mich, die Organe der dortigen Synagogengemeinde, nach deren Statut gleichfalls eine besondere Einschätzung zur Cultussteuer vorgenommen wird, zu einer Beschlußfassung dahin aufzufordern, daß die Cultussteuer, wie dies bereits bei einer Anzahl von Synagogengemeinden geschieht, nach Verhältniß der staatlichen Classen- und Einkommensteuer in Form eines procentualen Zuschlages zu diesen Steuern aufzubringen ist. Ein Formular zu einem derartigen Beschlüsse füge ich mit dem Bemerken bei, daß ich binnen vier Wochen einen Bericht in der Angelegenheit erwarte, welchem die Originalbeschlüsse nebst den betreffenden Einladungscurrenden beizufügen sind. Der Regierungs präsident.