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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-02-01 · Heft 3 (1.2.1890) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 3 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 Literarischer Wochenbericht. Pest, 30. December. m by □•»'ivri psa-r n^n: 'o .n~inn by O'db'e» omrn '^22 -nD^>n mroDD Liber Hereditatis Josuae. Commentationes in plerosque talmudi babylonici traetatus additis commentationibus in Pentatenchum reliquit . . . R. Oosman Wodianer. Nunc primum edidit sumptibus suis filius auctoris Arnoldus Wodianer. 2 Theile. Wien, CH. D. Lippe, 1890. (XVI, 575; 585, 112 S.) Das in der Ueberschrift genannte, 1352 Seiten umfassende und splendid ausgestattete Werk verdankt der Pietät sein Erscheinen: ein mit Glücksgütern gesegneter Mann will seinem gelehrten Vater dadurch ein Denkmal setzen, daß er dessen handschriftlichen Nachlaß zum Druck befördert. Vor hundert Jahren lebte in Szegedin Philipp Wodianer. Von dessen Söhnen nahm der eine, Samuel, die Taufe an und wurde der Stammvater einer in Ungarn und Oesterreich hochangesehenen adeligen Familie; der andere, Kosman, widmete sich dem Studium des Talmud, dem er während seines ganzen Lebens oblag. Er besuchte drei Jahre die talmudische Hochschule des R. Moses Sopher, damals noch Rabbiner in Mattersdorf, und einige Zeit die des R. Moses Münz in Altofen. Nach seiner Verheirathung ließ er sich in Raab- Sziget nieder, wo er, als Vorsteher der dortigen israelitischen Gemeinde, selbst einer oft von 40 - 50 Jüngern besuchten Hochschule Vorstand. Dieser gelehrte, fromme und wohlthätige Mann starb, erst 42 Jahre alt, in der „großen" Cholera den 18. August 1831; zwei Tage später folgte ihm seine Gattin. Jetzt, beinahe sechzig Jahre nach seinem Tode, hat sich Arnold Wodianer, sein Sohn, entschlossen, den handschriftlichen Nachlaß, bestehend aus Novellen zu den meisten Tractaten des babylonischen Talmud und aus Erklärungen zum Pentateuch, wenigstens theilweise drucken zu lassen, nicht um materiellen Gewinn daraus zu ziehen, sondern um das Werk unter Gelehrte zu vertheilen. Mit der Herausgabe betraute Hr. Wodianer Herrn Prof. Dr. Wilhelm Bacher, der sich der Arbeit mit emsigem Fleiße unterzog. — — In nichts spricht sich der Charakter und die Erfahrung eines Volkes deutlicher aus als in seinen Sprichwörtern, die deshalb immer von hohem culturgeschichtlichen Interesse sind. Darum begrüßen wir mit Vergnügen die „Jüdischen Sprichwörter", welche als Separat-Abdruck aus dem „Hausfreund", herausgegeben von M. Spektor, erschienen sind (Warschau, 1888, 1889). Es sind das, alphabetarisch geordnet, 2056 jüdische Sprichwörter, welche bei den Juden in Polen und Rußland in Gebrauch sind und von welchen sich viele durch Originalität auszeichnen. Dieselben sind einem Manuscripte des Herrn I. B. entnommen. Herr I. B. (Jgn. Bernstein), welcher sich seit einer langen Reihe von Jahren mit den Sprichwörtern aller Völker und Nationen beschäftigt, hat seine Jüdischen Sprichwörter, welche vier starke Bände füllen, aus dem Bolksmunde gesammelt, lieber 3000 sprichwörtliche Redensarten mit sachlichen und sprachlichen Erklärungen liegen druckfertig; hoffen wir, daß Herr B., der über ein reiches Wissen verfügt und im Besitze einer ansehnlichen Bibliothek ist, seine vollständige Sprichwörter-Sammlung recht bald der Oeffentlichkeit übergebe. Dr. M. Kayserling. Im Verlage von Chr. Limbarth in Wiesbaden ist gegenwärtig der vom Bezirksrabbiner Dr. Silberstein in Wiesbaden verfaßte „Leitfaden der israelitischen Religion" in zweiter Auflage erschienen. Der Leitfaden, der sich schon in der rasch vergriffenen ersten Auflage seitens der fachgenössischen Kritik einer günstigen Beurtheilung zu erfreuen hatte, ist, mit Genehmigung der Vorgesetzten staatlichen Behörde, nicht allein in den israelitischen Religionsschulen des Rabbinatsbezirks Wiesbaden eingeführt, sondern hat auch über diesen Kreis hinaus in vielen Schulen Deutschlands und der Schweiz Eingang gefunden. — Gern weisen wir auf das Büchlein an dieser Stelle besonders deshalb hin, weil es in knapper, aber klarer, durchsichtiger Form das Verständniß des Wesens und der Lehre des Judenthums vermittelt und darum als geeignet erscheinen dürfte, irrige Auffassungen über das Judenthum und dessen Lehre, wie sie noch in vielen Kreisen verbreitet sind, zu berichtigen. Der billige Preis des Büchleins erleichtert die Einführung sehr. Korrespondenzen. Deutschland. Leipzig, im Januar. Reiche Ernte hat in den jüngsten Wochen der Tod unter den Großen Israels gehalten. Der tiefe Schmerz, den uns der Verlust im eigenen Hause zugefügt, hat uns einige Augenblicke taub für die Klagen gemacht, die von Nord und Süd zu uns herübertönten; um so herber empfinden wir jetzt die traurige Pflicht, von der großen Zahl hervorragender Glaubensgenossen zu berichten, deren Ableben die jüdischen Gemeinden in Trauer versetzt hat. Beginnen wir mit der Nachricht, die als die neueste uns noch in lebendigster Erinnerung ist. Am 20. Januar ist der 3*

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