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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-01-19 · Heft 2 (19.1.1890) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 2 (19.1.1890)
Date
1890-01-19
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Bonn zurückzuziehen. Seine schriftstellerische Thätigkeit war eine äußerst fruchtbare und erstreckte sich zugleich auf das philologische, philosophische, religiöse und belletristische Gebiet. Eine ganze Anzahl seiner Werke, wie besonders die vorzügliche religionsgeschichtliche Untersuchung „Die Entwickelung der religiösen Idee iin Judenthum, Christenthum und Islam", seine jüdischen Novellen u. s. w., wurde in die meisten lebenden Sprachen und auch in das Hebräische übertragen. Sein Hauptwerk ist die auf einen ausführlichen kritischen Commentar begründete Uebersetzung der Bibel, die in zahlreichen Ausgaben erschien und unter seinen Glaubensgenossen die populärste Uebertragung der heiligen Schrift geworden ist. Seit dem Jahre 1837, also seit mehr als einem halben Jahrhundert, leitete er die von ihm begründete „Allgemeine Zeitung des Judenthums", die seit ihrem Beginne das hauptsächlichste und einflußreichste Organ der gemäßigten und historisch basirten Reform des deutschen Judenthunis wurde. Rastlos wirkte er durch Wort und Schrift für die Gleichstellung und Nationalisirung der Israeliten, nicht nur in Preußen und Deutschland, sondern auch in Rußland, Italien, Spanien, der Türkei; sowie für echte Religiosität und würdige Cultusform im Schoße seiner Glaubensgenossenschaft. Aber nicht minder schlug sein Herz für die Sache des deutschen Volkes und Vaterlandes. Im Jahre 1818 war er der Führer der liberal-constitutionellen Richtung in Magdeburg, begründete und leitete den dortigen „Constitutionellen Club" und die in demselben Sinne redigirte „Elb-Zeitung". Der Kreis Wolmirstedt wählte ihn zum Abgeordneten-Stellvertreter für Frankfurt a. M, während er in Magdeburg selbst gegen den damals demokratischen Candidaten, Dr. Löwe- Calbe, unterlag. Er wurde 1848 der Schöpfer des Handwerkerstandes. Besonders bemühte er sich um Hebung desHandwerker-Vereins für die Provinz Sachsen, sowie des „Handwerker-Blattes"; 1849 erwählte ihn der behördlich organisirte Gewerbe-Rath der Stadt Magdeburg zum Schriftführer, als welcher er bis zur Aufhebung dieser Institution wirkte. So ist die Lebensgeschichte dieses edlen und unermüdlich, bis ins höchste Greisenalter schöpferisch thätigen Mannes auf das Engste mit der Geschichte der letzten fünfzig Jahre verwachsen." — Das große Blatt desjenigen Ortes, an welchem Philippson fast dreißig Jahre lang als Rabbiner gewirkt, die „Magdeburger Zeitung", brachte am 31. December, außer einem warmen Nachruf seitens der Gemeinde, folgende schöne Worte im redaktionellen Theile: „Aus Bonn trifft die Nachricht ein, daß daselbst gestern, den 29. d. M., Herr Dr. Ludwig Philippson nach eben vollendetem achtundsiebzigsten Lebensjahre am Herzschlage verschieden ist. Der Verstorbene hat achtundzwanzig Jahre unserer Stadt als gefeierter Prediger und Lehrer der hiesigen Synagogengemeinde angehört und sich hier nicht nur um seine Glaubensgenossen, sondern auch um die Hebung der Volksbildung bleibende Verdienste erworben. Im Jahre 1811 zu Dessau geboren, wurde er nach vorgängigem Studium der classischen Wissenschaften und der jüdischen Theologie schon im Jahre 1833 in die hiesige Stellung berufen und hat diese mit größtem Pflichteifer und Erfolg bekleidet, bis ihn Kränklichkeit zwang, im Jahre 1861 sein Amt niederzulegen. Er lebte seitdem in Bonn. An beiden Orten hat er unermüdlich mit Wort und That, durch eine ausgedehnte schriftstellerische Thätigkeit, sowie durch unerschrockenes persönliches Eintreten an der Hebung und Befreiung des Judenthums gearbeitet. Seinem erfolgreichen Wirken auf diesem Gebiete hat auch die äußere Anerkennung nicht gefehlt. Aber sein umfangreiches Wissen, bedeutende philosophische Begabung und warme Begeisterung für alles Ideale, verbunden mit einem klaren Blicke für das Nöthige und Mögliche, haben seiner öffentlichen und schriftstellerischen Wirksamkeit auch über die Grenzen seiner Glaubensgenossenschaft Bedeutung verliehen. Er selbst hing mit warmer Liebe am deutschen Vaterland; und wie er sich zur Zeit lebhaft an den nationalen Bestrebungen unserer Bürgerschaft betheiligt hatte, so begrüßte er mit ungetheilter Freude ihre glorreiche Verwirklichung. Auch die Angriffe auf seine Glaubensgenossen, welche als bedauerliche Auswüchse eines berechtigten Nationalgefühls das letzte Jahrzehnt zeitigte, konnten ihm die Freude nicht beeinträchtigen. Er hat sie stets als nur vorübergehende Erscheinung betrachtet. — Sein Andenken wird auch in unserer Stadt nicht erlöschen." Selbst im Auslande ging der Tod Philippsons nicht unbemerkt vorüber. So meldete das größte liberale Journal Belgiens, die „Jndäpendance belge", am 1. Januar: „Man sendet uns aus Bonn die Nachricht von dem Hinscheiden des Dr. Ludwig Philippson, früheren Rabbiners in Magdeburg, Ritters des preußischen Kronenordens, am 29. December, in seinem 79. Jahre. Er war ein Mann von großer Bedeutung, ein talentvoller Redner; seine Beredsamkeit hatte ihm selbst bei Glaubenslosen Ruhm verschafft. „Am 28. December 1811 in Dessau geboren, war Dr. Philippson während 28 Jahren Rabbiner in Magdeburg, während 53 Jahren Hauptredakteur des wichtigsten Organs des liberalen und aufgeklärten Judenthums, der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums". Er hat zahlreiche philosophische und religiöse, philologische und literarische Schriften veröffentlicht, welche alle mit großem Beifall nicht nur von seinen Glaubensgenossen, sondern auch vom allgemeinen Publicum ausgenommen wurden. Viele seiner Arbeiten wurden

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