Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 besser wünschen können. Es war sür ihn ganz selbstverständlich, daß er durch Hergabe von Geldmitteln alle natur- und völkerkundlichen Unternehmungen förderte, die er nach der eigenen Kenntniß der Dinge oder nach der Art derjenigen, die sie ins Werk setzten, für berechtigt erachtete. Auf Schönlank konnten die Gelehrten immer rechnen. Zu gute kamen ihnen oft die über einen großen Theil der Welt sich erstreckenden Handelsbeziehungen Schönlanks. Manchen Forschungsreisenden stattete Schönlank mit Empfehlungen aus, die die Forscherarbeit in weiter Ferne erleichterten. In Berlin ist Schönlank besonders durch die Förderung volksthümlich geworden, die er dem Zoologischen Garten zu Theil werden ließ. Er wurde nicht müde, seltene und schwer erreichbare Thiere aufzutreiben und dem Zoologischen Garten als Geschenk zu überweisen. Ebenso wie den Zoologischen Garten hat Schönlank aber auch manche andere wissenschaftliche Sammlung namhaft gefördert. Vor einer Reihe von Jahren zog sich Schönlank von den kaufmännischen Geschäften zurück. Er nahm aber ununterbrochen an wissenschaftlichen und gemeinnützigen Bestrebungen lebhaft Theil. Wesentlich zu gute gekommen ist seine Arbeit dem Vereine für Handelsgeographie. Als Generalkonsul vertrat Schönlank die Staaten Salvador und Haiti. Man darf von ihm sagen, daß die Wissenschaft in ihm einen ihrer eifrigsten Förderer und somit einen empfindlichen Verlust erleidet. Schönlank war auch ein guter Jude, der namentlich in jüngeren Jahren an den Gemeindeangelegenheiten regen Antheil genommen hat. Das Leichenbegängniß fand am 25. d. Mts. unter lebhafter Theilnahme auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Rabbiner Dr. May b äum hielt die Gedächtnißrede, die einen tiefen Eindruck hervorbrachte. L2 Berlin, 28. Dezember. Einen Chilul Haschem ohne Gleichen enthält die nachstehende Gerichtsverhandlung, die die antisemitischen Blätter unter der Spitzmarke: „Jüdische Glaubensgenossen unter sich" in folgender Weise bringen. Sie fand am Donnerstag vor der 150. Abtheilung des Amtsgerichts I statt. Irgend ein Synagogenverein innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde hatte seinerzeit die Stelle eines Vorbeters ausgeschrieben, infolge dessen als Kandidaten für den Posten der Kantor Schwarzberg und der Schlächtermeister Danziger auftraten. Der Vorstand des Synagogenvereins setzt sich aus Mitgliedern der älteren und der jüngeren Richtung zusammen. Letztere verlangt von dem Vorbeter eine geschulte Aussprache und musikalische Bildung, da er bei dem Gottesdienst die liturgischen Gesänge zu leiten hat; die ältere Richtung dagegen betrachtet die gesangliche Ausbildung mehr als Nebensache und sieht mehr auf den strengen, orthodoxen Lebenswandel des Kantors. Danziger entsprach den Anforderungen der älteren Richtung, während Schwarzberg der Kandidat der jüngeren Richtung war. In dem Wahlkampfe wurde heftig für und wider die beiden Kandidaten gefochten. In einer der Wahlversammlungen sagte nun der Schlächtermeister Stattsinger, der das größte Interesse daran hatte, daß sein Freund und Kollege Danziger gewählt würde, unter anderem, man erzähle sich, Danziger habe ein Kalb, daß nicht rituell geschlachtet war, dennoch mit dem Schächtsiegel versehen, Schwarzberg aber esse sogar Schweineschinken. Schwarzberg fühlte sich durch diese Aeußerung in seiner Berufsehre verletzt und betrat den Weg der Privatklage gegen Stattsinger. Dieser wurde in der Donnerstag-Verhandlung zu 40 Mark Geldstrafe eventuell IO Tagen Gefängniß verurtheilt. Amtsrichter Dr. Wilde als Vorsitzender führte aus: Wenn man einem Geistlichen einer orthodoxen Religionsgemeinschaft den Vorwurf mache, daß er die Speisegesetze nicht halte, so enthalte dieser Vorwurf eine schwere Ehrenkränkung. K Thorn, 26. Dezember. Am 1. Chanukah - Abend fand die Chanukah-Feier für die Schüler und Schülerinnen unserer Religionsschule statt. Dieselbe wurde nicht in der bisher üblichen Weise begangen, sondern hatte sich dieses Mal anders gestaltet. Zuerst war die eigentlich religiöse Feier in der Synagoge mit Rücksicht auf die bisher trotz der Größe unzulänglichen Räume für die Zuschauer. Eingeleitet wurde diese durch ein Präludium auf dem Harmonium, worauf „Ma-towu“ von dem gemischten Synagogen - Chor gesungen wurde, dann wurde „Maariw“ gebetet, welches ein Schüler vortrug. Nach dem „Achtzehngebet" zündete Herr Kantor Chaim das Chanukah-Licht an, dem sich „Hanneros hallolu“, gesungen von dem gemischten Chor, anschloß, worauf die gesammte Schuljugend unter Führung des Knabenchors das „Noaus Zur“ sang. Dann bestieg Herr Rabbiner Dr. Rosenberg die Kanzel und hielt die Festpredigt, die besonders der Jugend galt. Nach Beendigung derselben sang der gemischte Chor „Schirm und Schutz", worauf 3 aus das Fest bezügliche Gedichte von 2 Schülerinnen und einem Schüler vorgetragen wurden. Mit „Olenu Gebet“ und einem „Postludium“ war der gottesdienstliche Akt beendet. Dieser religiösen Feier schloß sich dann die Festlichkeit für die Kinder an. Dieselben wurden klassenweise in die große Aula des Gemeindehauses geführt, woselbst die Vorstandsdamen des hiesigen israelitischen Frauen-Vereins 190 Schüler und Schülerinnen an festlich gedeckten Tafeln mit „Kaffee und Kuchen" bewirtheten. Bei dem darauf folgenden Spiel und Tanz und den in den Pausen verabreichten Pfefferkuchen, Aepfeln und Nüssen vergnügten sich die Kinder auf das Angenehmste, und bedauerten dieselben nur, daß das Fest auch ein Ende nehmen mußte. Wenn schon jedes einzelne Mitglied des Vorstandes sich um das Zustandekommen.des gelungenen Festes bemüht hatte, so war es besonders das Verdienst der Frau Professor Horowitz, daß dieser Chanukah-Abend sich zu einem wirklich schönen Feste gestaltete. — Am Sonntag Vormittag wurde schon den armen Kindern neue Kleidung geschenkt und die „Armen" und „Verschämten" mit reichlichen Geldspenden bedacht. E. Z. Posen, 21. Dezember. Wie alljährlich, so fand auch in diesem Jahre zum Besten des Vereins „Frauenhilfe" eine Festvorstellung statt. Genannter Verein, wohl der größte Posens, denn alle jüdischen Frauen gehören ihm an, hat zum Zweck, arme kranke Frauen, Wöchnerinnen, zu unterstützen. Der Andrang zu der. Vorstellung ist alljährlich so groß, daß die Vorstellung wiederholt werden muß. Gegen 1000 Personen füllten den Lambert'schen Saal. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Klaviervortrag, die Ouvertüre „Ruy-Blas" von Mendelssohn-Bartholdy. Es folgten einige Lieder, von einer Dame der baute volee vorgetragen. Sodann folgte ein Cyklus lebender Bilder, dargestellt von Herren und Damen der besten Gesellschaftskreise. Die Bilder stellten die wohl allgemein bekannten „Szenen aus dem altjüdischen Familienleben" von Oppenheim dar ' und erregten einen jubelnden Beifall. Dann folgten wieder Sologesänge und dann Tänze von Kindern ausgeführt. Nach der Pause trug Herr Kantor Lichtenstein den Prolog aus der Oper „Bajazzo" und andere Lieder vor. Er erntete rauschenden Beifall. Dann folgten wieder lebende Bilder und das Duett aus der „Favoritin", gesungen von Herrn Kantor Lichtenstein und einer Dame der baute volee. Dem Schluß bildete eine Duo-Szene, dargestellt von den Mitgliedern unseres Stadttheaters Fräulein Lina Abarbanell und Herrn Jordan. Stürmischer Applaus folgte der äußerst gelungenen Darstellung. Gegen Mitternacht schloß die Vorstellung, die einen reichen Ueberschuß zu Gunsten der Armen ergab. — Vor einer dichtgedrängten Zuhörerschaft fand auch diesmal im Stern'schen Saale am 19. d. Mts. die Feier des Chanukahfestes statt. Ein Präludium auf dem Harmonium und ein sich daran anschließender, die Bedeutung des Festes erklärender Prolog leiteten die Feier ein. Hierauf folgten mehrere Gesangsvorträge, zwischen welchen allerlei Deklamationen kleiner Mädchen eingestreut waren. Psalm 23 von Becker für Frauenchor und Soli trat, durch die treffliche Ausführung der Soli gehoben, schwungvoll hervor. Den Höhepunkt der Gesangs-, vorträge bildete die deutsche Keduschah von Lewandowski. Diese eigenartige Komposition, welche alte Synagogenmelodien in moderne Form gebracht hat, übte einen mächtigen Eindruck. Die Wirkung des Solo kam durch Herrn Kantor Lichtenstein, in dessen Hand die Direktion des gesanglichen Theils lag, zu voller Geltung. Hieran schloß sich wirksam eine dichterische Darstellung der hervorragendsten Frauengestalten des alten Testamentes, melodramatisch behandelt. Sowohl die dichterische wie die musikalische Ausgestaltung dieses Stoffes rührt von geschätzten einheimischen Kräften her. Die darauf folgende Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Bloch nahm Bezug auf die Makkabäer und wies auf die Werke der Barmherzigkeit und Menschenliebe hin, zu deren Hüterinnen und Trägerinnen die Frauen bestellt sind. Das Anstecken des Festlichtes mit dem hierzu gehörigen rituellen Gesang beschloß die stimmungsvolle Feier. Sämmliche dabei betheiligte Dilettanten haben in anerkennenswerther Weise ihr Bestes zum Gelingen gethan. Nach der Feier wurden 90 Kinder, dieschon einige Tage vorher vollständig neu bekleidet werden konnten, von den Damen des Komitees festlich bewirthet.