Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- Seite 636 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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636 Sehr geehrter Herr Redakteur! 6K\et trn Sprechsaal der Nr. 49 Ihrer geschätzten Zeitung (S. 588) <yp> mitgetheilte Brief einer frommen Glaubensgenossin enthält manche schöne und bemerkenswerthe Ansicht, ist aber auf der anderen Seite geeignet, einem leider auch unter den Juden verbreiteten Vorurtheile - Vorschub zu leisten, nämlich dem, daß die Uebung der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe sich nur, oder doch vorzugsweise, auf die eigenen Glaubensgenossen zu beschränken habe. Widersprechen dieser Anschauung schon zahlreiche Stellen /der Heiligen Schrift, wie beispielsweise 3. Buch Moses 19, 34, wo das Gebot der Nächstenliebe ausdrücklich auf den Fremdling ausgedehnt wird, so bieten auch die talmudischen Schriften eine reiche ^Fundgrube für die Vorschriften reinster und selbstloser Nächstenliebe. Hier einige Beispiele: „Der Mensch erweise auch Dem stets Liebe, der ihm Böses gethan." (Jalkut Samuel 134) „Ihr liebtet uns nicht, sondern haßtet uns (sprach Israel zu den Heiden); doch wir beten für euch." (Jalkut 782). „Liebe, die dich tadeln, und entferne dich von Denen, die dich loben." (Aboth. d. R. Nathan 29). „Der Mensch gehöre immer lieber zu den Verfolgten als zu den Verfolgern." (Baba Kama 93). „Bedarf ein Freund unser zum Abladen und ein Feind zum Aufladen, so führt uns die Pflicht zum Feinde, damit der böse Trieb in uns gebeugt werde." (Baba meziah 32). Wenn also die geehrte Verfasserin des genannten Briefes am Schlüsse desselben glaubt, dem Einleitungssatze * zu den Sprüchen der Väter: „Ganz Israel hat Antheil an dem zukünftigen Leben" binzusetzen zu müssen: „und die Guten aller Nationen ebenfalls" — so befindet sie sich mit der Meinung im Jrrthum, daß dieser Zusatz „dem Modernen entsprechend" sei; er ist vielmehr durchaus im Sinne des alten echten und rechten Judenthums, denn dem angeführten Spruche aus Sanhedrin 89 steht längst der bedeutsame Satz «-g-nüber: . . . jan D$ll£ pbil Dr6 ©’ niÖlS 'N'0N, „Die Frommen aller V ölker haben Antheil an der zukünftigen Welt." Abodah sarah 10, 18. Sanhedrin 96/105. Hannover, 6. Dezember. S. Blumenau. Geehrter Herr Redakteur! gestatten Sie mir einige Berichtigungen von Druckfehlern. In meiner fast wortgetreuen Uebersetzung des „Moaus Zur" in der jüngsten Nummer Ihrer Zeitung muß es in der zweiten Strophe statt: „Sklavenmacht": „Sklayennacht" und in der dritten Strophe nicht: ,>Da Serubabel Heil mit sandt'", sondern: „Da Serubabel Heil mir sandt'" heißen. Zum besseren Verständniß für Kinder, für welche meine Uebertragung ursprünglich nicht bestimmt war, könnte auch statt „Eglas" (in der zweiten Strophe) „Aegyptens" und statt „Versucht Agag" (in der vierten Strophe) „Der Hamann sucht" gesetzt werden. Zugleich erlaubeich mir, zur Vervollständigung der Sammlung von Bearbeitungen des „Moaus Zur" die von Sal. Pleßner verfaßte und in den „Sabbathstunden" 1889 zuerst veröffentlichte, sowie die im „Jüd. Volksblatt" 1897 befindliche Uebertragung von E. N. einzusenden. Hochachtungsvoll ' Schwetz, 20. Dezember. Rabb. Dr. V. Nordheimer. Geehrter Herr Redakteur! (on allen Uebertragungen der Chanukahlieder, die Sie jüngst brachten, ist die des verewigten Sachs die wort- und sinngetreueste; vielleicht ist die Bemerkung am Platze, daß einige Härten nicht dem Uebersetzer, sondern dem Original zur Last fallen; wir bezweifeln, daß Sachs, als selbständiger Dichter von einem Feinde geredet hätte, der trotzig bellt/ aber er hat wörtlich übersetzt; wir glauben nicht, daß er Gott angeredet hätte: Deinen Arm voll Macht entblöße; das ist für uns ein unziemliches Gleichniß, aber so steht's im hebräischen Text. In dem Horwitz'schen allgemein recitirten Liede heißt es: Heilig Land, dunahmst uns auf, doch nur kurz war unsere Rast. Sachs übersetzt: Doch auch dort nicht fand ich Rast. Das ist viel richtiger; denn die Rast, die Zeit von Josua bis Jeremia, bis zur ersten Tempelzerstörung, dauerte ungefähr achthundert Jahre. Das ist doch keine kurze Rast. Auch im hebräischen Grundtexte ist von einer kurzen Rast nicht die Rede. Ergebenst B. Rippner. Geehrter Herr! Sum (vermuthlichen) Schluffe der mannigfachen, theilweise recht gewagten Konjekturen über den von keinem Geringeren als dem eben jetzt bei seiner Centenarfeier besonders gefeierten Dichter Heine aufs Tapet gebrachten Ursprung des mysteriösen Wortes „Schlemiel" (gelegentlich bemerke ich, freilich unmaßgeblich, dazu, daß ich es von jeher für nichts Besseres als eine bloße Verkrüppelung von Schlimmiel, d. h. einem Menschen, der in allem „Schlimmaffel" gleich Mißgeschick, Unglück, hat, also ein Pechvogel ist, gehalten) ward auch kombinirt — ob mit Recht oder >nicht, bleibe dahingestellt—/daß es daher stamme, weil Schlumiel den Zurischaddai (Heine!), der fünfte (simeonitische) Stammesfürst, der einzige unter seinen zwölf Genossen sei, dessen Darbringung zur Einweihung des Stiftszeltes in der Wüste nicht die Ehre habe, am Sabbath-Chanukah in den Synagogen vorgelesen zu werden. Warum das2 wird wohl mancher aufmerksame Leser gefragt haben, und da der nicht leicht zu findende Grund dafür von dem Kombinator nicht angegeben, so sei es mir erlaubt, das hier an seiner Stelle so kurz und ersichtlich als möglich zu thun. — Der vor mehr als 1500 Jahren bereits, etwa ein Jahrhundert schon vor dem Abschluß des babylonischen Talmuds, von Hillel dem Jüngeren endgiltig fixirte jüdische Kalender setzt sowohl für ordinäre als auch Schaltjahre dreierlei Arten: ein reguläres (354 resp. 384 Tage), ein mangelhaftes (353 resp. 383 Tage) und ein vollzähliges (355 resp. 385 Tage — 55 Wochen) fest, was allein dadurch effektuirt wird, daß die Monate > Cheschwan und Kislew entweder (regulär) 29 und 30 oder beide 29 oder 30 Tage zählen. Nur letzteren Falls köngruirt der 25. Kislew (der Beginn von Chanukah) mit dem ersten Neujahrstage, während er in den beiden ersten Fällen einen Tag früher (wie Erew Rosch-Haschanah) in der Woche einfällt. Nun kann aber nach der gedachten Kalenderordnung der erste Rosch Haschanah-Tag nur auf Montag, Dienstag, Donnerstag und Sabbath fallen, und finden außer bei Dienstag — was nur vorkommt, wenn am Sabbath Erew-Peffach gewesen — beide genannte Eventualitäten statt, so daß der erste Chanukah- Tag: a) am Sonn- oder Montag, b) am Mittwoch oder Donnerstag, c) am Freitag oder Sabbath ist. Ist dagegen Dienstag Rosch-Haschanah, so ist das Jahr jedenfalls ein reguläres, der Monat Cheschwan also minderzählig (29 Tage) und daher Chanukah - Anfang am Montag, so daß Dienstag dafür stets außer Frage bleibt, und der fünfte Tag demnach nie auf Sabbath fallen kann, q. e. d. Berlin, am 3. Chanukah - Tage 6658 (1897). Dr. M. Stern. Sehr geehrte Redaktion! - ^.ie haben wohl die Freundlichkeit, zwei kleine Fehler, meines letzten Schreibens zu berichtigen. In der vierten Zeile der Uebersetzungs-' skizze soll es statt „Raus strahlet" richtig heißen „Reich strahlet" und. in der siebenten statt „entbrannt" richtig „entbrennt" heißen. Brüx, 24. Dezember. Dr. I. I. Weiß. fitte sehr in meinem Artikel über S. Pleßner um folgende Verbesserungen: Auf S. 616 lies: „Lyrik und Didaktik"; S. 617: „alle Leute", nicht: „alte Leute"; ebendaselbst lies: „an Mystik oder Mystizismus streift"; ferner: „jeobainie", nicht „jechunne“. In Note 1, S. 618, soll es heißen: „Ralbag“. Ostrowo, 26. Dezember. Dr. E. Pleßner. Ärrrfk asten der Redaktion. E. B. 100. Leider besitzen wir kein Material zur Beantwortung dieser Frage. L. O. Die Adresse des Herrn Geheimraths Prof. Lazarus lquhet: Meran, Untermais. I. S. in G. Das betr. Pensionat wird uns von verschiedenen, Seiten sehr empfohlen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. . ' Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.