Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- Seite 630 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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630 werden, wenn auch der Centralverband einen Jahresbeitrag erhält. Herr W Bambus-Berlin spricht in eingehenden Darlegungen über die Beschaffung eines Fonds für Wanderredner.' Herr Rabbiner Dr David empfiehlt, um den Bedenken des Herrn Dr. Blumenthal zu begegnen, dem Antrag die Fassung zu geben: „Die leistungsfähigen Gemeinden um regelmäßige Jahresbeiträge zur Förderung geistiger Bestrebungen zu ersuchen." Herr M. A. Klausner-Berlin beantragt die Form: „Die Gemeinden um regelmäßige Jahresbeiträge für den Verband oder dessen Zwecke zu ersuchen. Die beitragleistenden Gemeinden sind in der Generalversammlung stimmberechtigt." Herr Rabbiner Dr. Walter- Bromberg empfiehlt, der zu wählenden „Kommission zur Abfassung eines Organisationsplans für Wanderredner" aufzugeben, einen Plan für Vortrags-Cyklen nach Geschichts-Epochen zu entwerfen. Hierauf wird der Antrag in folgender Fassung: „Die Gemeinden zu regelmäßigen Jahresbeiträgen für den Verband oder dessen Zwecke heranzuziehen. Jede beitragleistende Gemeinde hat in der Generalversammlung eine Stimme", die beiden anderen Anträge, wie vorgeschlagen, einstimmig angenommen. In die Kommission zur Beschaffung des Wanderredner-Fonds werden mit dem Rechte der Kooptation gewählt die Herren Adolf Ginsberg-Verlin, Geheimer Sanitätsrath Marcuse-Berlin, Heinrich Fränkel-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Plotke- Frankfurt a. M., Alfons Jacobson-Leipzig, Emil L. Meyer-Hannover, M. W. Hinrichsen-Hamburg, Dr. Merzbacher-München, Amtsgerichtsrath Wollstein-Breslau. Mit der Abfassung des Organisations-Statuts für Wanderredner wird der Vorstand des Central-Verbandes betraut. Der Antrag des Vereins zu Gelnhausen: „Zur Hebung und Erhaltung der kleineren Litteraturvereine macht es sich der Verband zur Pflicht, dieselben in der Weise zn unterstützen, daß in jedem Jahre mindestens einmal seitens des Verbandes ein Redner zwecks Abhaltung eines den Zielen der Vereine entsprechenden Vortrages auf Kosten des Verbandes delegirt wird." und der des Vereins zu Krotoschin: „Der Verbandstag wolle beschließen, Einrichtungen zu treffen, welche ermöglichen, hervorragende Redner in den einzelnen dem Verbände angehörenden Litteraturvereinen gegen ein geringes Entgelt zu hören." werden, nachdem Herr Dr. Karpeles darauf hingewiesen hat, daß dieselben bereits in früheren Beschlüssen des Verbandstages Berücksichtigung gefunden haben, zurückgezogen. Herr Rabbiner Dr. Rosenberg-Thorn nimmt den ersten Antrag wieder auf und wünscht, demselben folgende Fassung zu geben: „Zur Hebung und Erhaltung der kleineren Litteraturvereine macht es sich der Verband zur Pflicht, dieselben in der Weise zu unterstützen, daß er sie mit Materialien zu Vorträgen versieht." Herr Dr. Karpeles betont, daß dies bereits jetzt in ausgedehntestem Maße geschehe, und daß auch in Zukunft allen dahingehenden Wünschen weitestgehende Berücksichtigung gewidmet werden würde, woraus der. Antrag als erledigt erachtet wird. Ein Antrag des Vereins zu Köln: „Herausgabe einer billigen jüdischen Volksbibliothek, mit Josephus und Philo beginnend", wird, nachdem Herr Dr. Hirsch Hildesheimer. die zeitweilige Unausführbarkeit dargelegt, zurückgezogen. Das Gleiche geschieht mit dem Antrag des rheinisch-westfälischen Verbandes: „Der Centralverband veranlaßt die Drucklegung ihm überwiesener guter Vorträge und erstrebt deren größtmöglichste Verbreitung, eventuell durch Anschluß an ein bereits bestehendes derartiges Unternehmen." Herr Rabbiner Dr. David mahnt den Verbandsvorstand, bei der Drucklegung und Verbreitung von Vorträgen, wie bisher, die größte Vorsicht walten zu lassen und-sich bewußt zu bleiben, daß der religiöse Geist bevorzugte Pflege finden müsse, weil aus ihm auch die Geschichtsvereine ihre Kraft schöpfen, weil zudem letztere nur durch die Schonung der religiösen Ueberzeugungen und Empfindungen das Werk einträchtigen Zusammenwirkens vollbringen können. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer bringt ein Schreiben des Leipziger Vereins zur Verlesung, in welchem eine geeignete Veröffentlichung der Referate über die Vorträge gewünscht, wird, und regt an, daß die „Mittheilungen" des Verbandes eine entsprechende Erweiterung erfahren mögen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft, und der Vorsitzende schließt die Konferenz. Nachdem Herr Professor Horowitz-Thorn dem Vorstande für die Führung der Geschäfte sowie den Vorsitzenden für die Leitung der Verhandlungen gedankt und die Versammlung unter einhelligem Beifall sich von ihren Sitzen erhoben, gab Herr Dr. Karpeles seiner innigen Freude über den Verlaus des Verbändstages in herzlichen Worten Ausdruck, indem er namentlich seine volle Uebereinstimmung mit den letzten Worten des Herrn Dr. David betonte, und erklärte dann um 5 Uhr den zweiten Verbandstag für geschlossen. Nach dem Maariw-Gebet und dem Anzünden der Chanukah-Lichter vereinigte sich ein großer Theil der T elegirten zu einem Festmahl, das der Vorsitzende des Festkomitees, Herr Sanitätsrath Dr. Jastrowitz, mit Worten herzlicher Begrüßung eröffnete. Sodann entwickelte Herr Rabbiner Dr. Rosenthäl-Pr. Stargard unter Ausdeutung der Meinungsverschiedenheit der Schule Schammais und Hillels über die Reihenfolge beim Entzünden der Chanukah-Lichter die Aufgaben der Geschichtsvereine, welche er hauptsächlich in der Pflege der Wissenschaft erblickt, um daun mit einem Trinkspruch auf den Verbandsvorstand zu schließen. Herr Hähnlein-Bochum gab dem Wunsche eines Zusammenwirkens von Synagoge und Haus Ausdruck; Herr Dr. David feierte in schwungvoller Rede den edlen Geist und heiligen Eifer, der in den Vereinen walte; Herr Dr. Brann- Breslau widmete mit geistvollen Ausführungen den Gastgebern, den Vorstandsmitgliedern des Berliner Vereins, sein Glas; Herr Dr. Hirsch Hildesheimer sprach den auswärtigen Gästen den Dank der hiesigen Gleichstrebenden aus; Herr Rabbiner Dr. Blumenthal-Ratibor überbrachte die Grüße und Glückwünsche seines Vereins und pries in begeisterten Worten die Begeisterung, welche zu entzünden und zu nähren die Hauptaufgabe der der Pflege unserer Geschichte und Litteratur gewidmeten Vereinigungen sei und bleiben müsse. Herr Gustav Levinstein widmete in formvollendeten Versen unter jubelnder Zustimmung aller Festestheilnehmer dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Karpeles, Lob und Anerkennung, worauf Letzterer in tiefer Ergriffenheit seinen Dank aussprach und die Verdienste der Männer, welche zu Beginn des Werkes ihm ihre freudige Unterstützung geliehen, der Herren Kommerzienrath Julius Jsaac, Dr. Hirsch Hildesheimer, W. Bambus und Albert Katz, rühmend hervorhob. Ein Festlied des Herrn Dr. H. Hirschberg trug im Verein mit der vortrefflichen Küche des Herrn Peltesohn und den ausgezeichneten Palästina-Weinen wesentlich zur Erhöhung der Festesstimmung bei. Ihren würdigen Abschluß fanden die Veranstaltungen in der seitens des Berliner Vereins den Delegirten gewidmeten Chanukah-Feier, welche sich zu einer wahrhaft glänzenden Festlichkeit gestaltete. Nahezu achthundert Theilnehmer füllten den prächtigen Raum der „Schlaraffia" und lauschten zunächst dem von Fräulein Henriette Hirschberg mit bewährter Meisterschaft gedichteten Prolog. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Frank-Köln das Wort zur Festrede, welche unter geistvoller Ausdeutung einer Fülle von Bibel-, Talmud- und Midrasch-Stellen die Bedeutung der Chanukah - Tage, namentlich der Mahnungen, welche das Beispiel und das Schicksal der Griechlinge, der Typen charakterloser Nachäffungssucht, predigen, für unsere Gegenwart darlegte, die Verdienste der Litteraturvereine für Wiederbelebung jüdischen Geistes und jüdischen Selbstbewußtseins hervorhob, um dann mit der Mahnung, bei freudiger Ausnahme dessen, was schön und edel ist in unserer Umgebung, unerschütterlich festzuhalten an dem altgeheiligten Glauben und seiner Bethätigung, wirksam zu schließen. Als der rauschende Beifall verklungen war, stimmten die Versammelten stehend den Gesang des Noaus zur jeschuossi an, das die Ueberleitung zu den lebenden Bildern war. welche mit einem von Julius Barsdorf verfaßten und von Herrn Hofschauspieler Kober vorgetragenen Begleittext die Oppenheim'schen „Bilder aus dem jüdischen Familienleben" in geradezu künstlerischer Vollendung zur Darstellung brachten. Eine Reihe von musikalisch-deklamatorischen Vorträgen während der „Kaffeepause" vervollständigten das Programm der Festlichkeit, deren herrlicher Verlauf die Veranstalter, Allen voran den unermüdlichen Herrn Benas Levy, mit aufrichtiger Genugthuung erfüllen mag. Erst in vorgerückter Nachtstunde trennten sich die Festtheilnehmer, einmüthig erhoben von dem wohlthuenden Bewußtsein, Zeugen einer schönen Feier gewesen zu sein, wie sie. zumal in den Mauern unserer Stadt, uns nur sehr selten vergönnt ist. Der Berliner „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" darf den gestrigen Tag als einen Ehrentag in seinen Annalen verzeichnen.