Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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629 eine an, von denen abef nur 14 regelmäßig ihre Jahresbeiträge geleistet. Redner giebt anheim, Vereine, die mehrere Jahre nicht gezahlt, auszuschließen. Der Revisor, Herr W. Löwenthal, verliest das Revisions- Protokoll und beantragt Entlastung des Schatzmeisters, welche ertheilt wird. Bei der Wahl des Vorstandes werden die Herren Dr. Gustav Kürpeles s Berlin, Dr. Hirsch Hildesheimer-Berlin, Kommerzienrath Julius Jsaac-Berlin, Dr. Fink - Hamburg, Rabbiner Dr. Frank - Köln, Siegm. Freund-Dortmund, Emil L. Meyer-Hannover wieder-, die Herren Dozent Dr. Brann-Breslau und Professor Dr. Horowitz-Thorn Neugewählt. Hierauf tritt die Versammlung in die Berathung der Statuten- Äenderung ein. Zunächst lag ein Antrag - Berlin vor, statt der Forderung, daß „einmal jährlich" ein Verbandstag stattfinden soll, zu setzen, „spätestens jedes dritte Jahr". Herr M. A. Klausner spricht sich dagegen, Herr Dr. Brann - Breslau dafür aus, letzterer mit dem Vorschläge, daß der Verbandstag alle zwei Jahre berufen werden solle. Herr Hähnlein-Bochum schließt sich dem Anträge Brann an, welcher. Nachdem der Antrag Berlin zurückgezogen wurde, einstimmige Annahme findet. Der Berliner Verein beantragt ferner, in dem Schlußsatz des § 7, welcher lautet: „Der Beitrag ist dem Belieben des Vereins überlassen, muß aber mindestens 0,80 Mark für jedes zahlende ordentliche Mitglied betragen", die Worte „muß aber — betragen" zu streichen. Zugleich mit diesem Anträge wird auf Vorschlag Hähnlein ein Antrag des Vereins Lissa verhandelt: „Der Verbandstag wolle beschließen, daß fortan jeder züm Verbände gehörende Verein als Jahresbeitrag V20 seiner Jahres - Brutto - Einnahme gut Verbandskasse zahlt". Dr. Fink- Hamburg hält es auf Grund der in seinem Verein gemachten Erfahrungen für bedenklich, die Beitragszahlung dem freien Ermessen der Vereine zu überlassen. Herr H. Fränkel-Berlin schließt sich dieser Befürchtung an und empfiehlt Beibehaltung der bisherigen Beitragsquote, aber mit der Befugniß des Vorstandes, Ermäßigungen eintreten zu lassen. Herr Rabbiner Dr. Frank - Köln warnt gleichfalls davor, den Vereinen unbeschränkte Freiheit zu lassen, und befürwortet eine Herabsetzung des festen Jahresbeitrages. Herr Dr. Merzbacher - München theilt diese Bedenken nicht, die größeren Vereine würden des idealen Charakters des Verbandes sich bewußt bleiben und es auch ohne Zwang als ein nobile officium betrachten, denselben mit den erforderlichen Mitteln auszurüsten. Herr Rabbiner Dr. David-Düsseldorf spricht sich in gleichem Sinne aus, während Herr Hähnlein vorschlägt, als Jahresbeitrag festzusetzey: „25 Pfennig für jedes Mitglied". Nach Annahme eines Schlußantrages nimmt Herr Lehrer Herbst- Lissa das Wort, um den Antrag seines Vereins zu befürworten, in dem er die Veränderung vornimmt, daß „mindestens V20 der Jahres- Bruttoeinnahme" geleistet werden müsse. Herr Benas Levy beantragt, daß Vereine bis 100 Mitglieder 20 Pfennig, von 100 bis 200 Mitglieder 30 Pfennig, von 200 bis 300 Mitglieder 40 Pfennig, von 300 und darüber 50 Pfennig an den Verband zahlen, ist aber mit einer Herabminderung der Beitragspflicht für die kleineren Vereine einverstanden. Herr Dr. Brann empfiehlt, daß Vereine mit, mehr wie 100 Mitgliedern 50 Pfennig zu zahlen haben. Herr Dr. Franken-Aachen will nur Vereine mit über 25 Mitgliedern mit V20 ihrer Jahres- Bruttoeinnahme belastet sehen. Herr Dr. Kamnitzer - Allenstein empfiehlt, nach dem Muster des ostpreußischen Synagogenverbandes einen Minimalbeitrag, Der zu einer Stimme berechtigt, festzusetzen, aber den Vereinen die Ermächtigung zu gewähren, durch eine Steigerung des Jahresbeitrages mehr Stimmen zu erwerben. Nachdem Herr W. Bambus den Antrag Berlin befürwortet, gelangt ein Antrag des Herrn M. A. Klausner zur Annahme: „Die gelammten zu § 7 gestellten Abänderungsanträge einer Kommission zur Borberathung zu überweisen." In diese Kommission werden die Herren M. A. Klausner, W. Löwenthal, Heinrich Frankel, Benas Levy, Maximilian Heymann und als Ersatzmann Dr, Hirschberg (sämmtlich in Berlin) gewählt. Der Antrag des „Verbandes der rheinisch-westfälischen Geschichts- Vereine", welcher verlangt, daß die alljährlich auszugebenden Mittheilungen des Verbandes auch eine Rechnungsbeilage enthalten sollen, wird angenommen. Damit sind die Verhandlungen der Generalversammlung erledigt. Ken Berathungen der Konferenz, die von Herrn Landgerichtsrath Kalischer geleitet wird, liegt zunächst ein Antrag des rheinisch-westfälischen Verbandes zu Grunde, welcher lautet: „Zur besseren Durchführung der vornehmsten Aufgabe des Centralverbandes gründet dieser thunlichst nach Provinzen abgegrenzte Bezirksverbände, die je einem Vororte unterstellt werden. Alsdann übernimmt er die Verpflichtung, mit Männern von anerkannter Tüchtigkeit, insbesondere solchen, die ihrer größeren Ansprüche wegen schwerer zu gewinnen sind, unaufgefordert in Verbindung zu treten und dieselben zu Vortragscyclen zu engagiren, während es den Bezirksverbänden obliegt, die in ihren Bezirken erreichbaren Kräfte nach Möglichkeit; heranzuziehen." Herr Hähnlein-Bochum empfiehlt auf Grund der in Rheinland und Westfalen gesammelten Erfahrungen den Antrag, den die Herren Oberlehrer Dr. Schäfer und Rabbiner Dr. Samuel-Essen gleichfalls warm befürworten. Herr Dr. Fink-Hamburg will die Thätigkeit, die der Antrag den Bezirksverbänden zuweist, dem Centralverbande erhalten sehen. Herr Rabbiner Dr. David-Düsseldorf bemängelt die unklare Form des Antrages, welcher, wenn wörtlich genommen, einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Einzelvereine über die Person der Vortragenden und die Wahl der Themata enthalte. Herr Rabbiner Dr. Lewinsky-Hildesheim schildert seine Erfahrungen bei dem Bemühen, „hervorragende" Redner zu gewinnen, und plädirt für die Begründung der Bezirksverbände. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Rosenberg-Thorn sich in gleichem Sinne ausgesprochen, wird der Antrag in folgender Fassung angenommen: „Der Centralverband gründet zur besseren Durchführung seiner vornehmsten Aufgabe thunlichst nach Provinzen abgegrenzte Bezirksverbände, die je einem Vororte unterstellt werden. Er übernimmt die Verpflichtung, mit Männern von anerkannter Tüchtigkeit unaufgefordert in Verbindung zu treten und dieselben für Vortragscyclen zu gewinnen, während es den Bezirksverbänden obliegt, die in ihren Bezirken erreichbaren Kräfte nach Möglichkeit heranzuziehen." Der fernere Antrag des rheinisch-westfälischen Verbandes: " „Der Centraloerband unterzieht sich der Ausgabe, die Vororte der einzelnen Bezirksverbände auf alle wichtigeren Erscheinungen im Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur aufmerksam zu machen, sofern deren Verwerthung in den einzelnen Vereinen wünschenswert erscheint. Er tritt im gegebenen Falle mit Verlagsbuchhandlungen behufs billiger Beschaffung von Büchern, Broschüren re. in Verbindung." wird, nachdem der Vorsitzende des Ausschusses Namens des Central- Berbandes die Ausführung, wie dies auch bisher geschehen sei, zugesichert hatte, als erledigt erachtet. . Der Berliner Verein hat folgende Anträge gestellt: „Die leistungsfähigen Gemeinden zu regelmäßigen Jahresbeiträgen für den Verband heranzuziehen." „Wahl einer Kommission zur Beschaffung eines Fonds für Wanderredner." - „Wahl einer Kommission zur Abfassung eines Organisationsplans für Wanderredner." Herr Dr. Karpeles weist zur Begründung darauf hin, daß früher in dem Etat keiner Gemeinde ein Beitrag zur Förderung des Studiums der jüdischen Wissenschaft gefehlt habe, und diesen guten alten Brauch wieder zu beleben, sei über den eigentlichen, an sich erstrebenswerthen Zweck hinaus auch von hoher erziehlicher Bedeutung. Es würde kaum eine Gemeinde, deren Mittel es ermöglichen, sich dieser Pflicht entziehen, zumal nur relativ mäßige Leistungen gefordert, Gemeinden unter 300 Seelen überhaupt nicht angegangen. Die größeren je nach ihrer Mitgliederzahl mit Beiträgen von 100, 50, 25 und 10 Mark herangezogen werden sollen, was eine Jahres-Einnahme von ca. 4000 Mark verheiße. Der zweite Antrag, die Beschaffung eines-Fonds für Wanderredner, spreche für stch selbst und bedürfe keiner Befürwortung.— Herr Rabbiner Dr. Rosenthal-Pr.-Stargard wünscht den Zusatz, daß den beitragleistenden Gemeinden das Stimmrecht gewährt werden soll. Redner fürchtet, es sei eine Utopie, zu hoffen, daß ein Fonds für Wanderredner aufgebracht werden kann. Herr Heinrich Fränkel-Berlin empfiehlt statt „heranzuziehen" zu setzen „zu ersuchen". Herr Rabbiner Dr. Blumenthal-Ratibor macht darauf aufmerksam, daß einzelne Gemeinden bereits den heimischen Litteraturvereinen eine Unterstützung gewähren, und daß die Gefahr vorliege, dieselben würden entzogen -