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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-12-31 · Heft 53 (31.12.1897) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 53 (31.12.1897)
Date
1897-12-31
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 thaten. Die tschechische Journalistik hat kein Wort der Verdammung gegen diese Gewattthaten gehabt. (Pfui- und Uanba-Rufe.) Die Abgeordneten können nichts für diese Gewattthaten, sondern nur die. tschechische Journalistik trägt dafür die Verantwortung. Unsere tschechische Gesinnung hat uns nicht geschützt, nicht einmal, die slavische Trikolore. Erblickte man einen Juden mit der tschechischen Trikolore, wurde ihm zugerufen: „Der hat Furcht, wartet, wir werden ihm geben." Hatte aber ein Jude keine Trikolore, wurde er gleichfalls mißhandelt. Die jetzt herrschende tschechische Partei ist uns nicht günstig gesinnt, und ich weiß nicht, ob wir weiter mit ihr gehen sollen. SicheH ist, daß wir nur Undank von ihr ernten." Es sprachen noch mehrere Redner, worauf der Aufruf mit folgendem Zusatze angenommen wurde: „Die tschechischen Juden, erwarten,' daß Jene, welche die Exzesie veranlaßt haben, sich reinwaschen werden." Leider werden sie sehr lange vergeblich warten müssen. Aer Neiegirtentag - des „Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte «nd Litteratnr in Ventschiand." Berlin, 27. Dezember? inen wahrhaft glänzenden, verheißungsvollen Verlauf - nahm der: Delegirtentäg des „Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland", welcher gestern in den Festsälen des Hotel-Imperial stattfand. Die Thatsache allein, daß eine so stattliche Anzahl von auswärtigen Vereinen Vertreter entsendet, legte erneutes Zeugniß ab für das lebhafte Interesse, das in allen Theilen Deutschlands den Bestrebungen des Verbandes, der Pflege unserer Geschichte und Litteratur entgegengebracht wird, und die Verhandlungen selbst verstärkten die wohlthuenden Empfindungen, welche die rege Antheilnahme so zahlreicher und so hervorragender Delegirter mit Recht weckte. Um 11 Vs Uhr eröffnete der Verbandsvorsitzende, Herr Dr. Gustav Karpeles-Berlin, die Versammlung, begrüßte die Erschienenen und verlas die Präsenzliste, welche ergab, daß 45 Vereine aus allen Theilen Deutschlands Delegirte entsandt hatten; viele hatten sich entschuldigt. Außerdem waren die Herren Prof. Barth, Dr. Hoffmann und Dr. Wohlgemuth, Dozenten des Rabbiner-Seminars, und Dr. Baneth, Dozent der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, anwesend. Vor Eintritt in die eigentlichen Berathungen ertheilte der Vorsitzende das Wort dem Mitglieds des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, Herrn Rechtsanwalt Dr, Eugen Fuchs, welcher die Erschienenen Namens des Vorstandes begrüßte und Denen, die den Verband geschaffen und den Verbandstag einberufen. Dank sagte. Die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur haben eine hehre Aufgabe zu erfüllen, ihre segensvolle Wirksamkeit reiche weit über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus. „Gedenket der Tage der Vorzeit, erwäget die Jahre vergangener Geschlechter" — diese Mahnung unseres großen Lehrers Mose habe zumal in unseren Tagen ihre Seherkraft bewährt. Geschichte ist Bewußtsein, Bewußtsein ist Wissen, Wissen ist Leben. Wir müssen uns mit der Kenntniß unserer glorreichen Litteratur und Geschichte wappnen, wenn der Fels, trotz Wogenbrandung und Wogenprall, feststehen soll. Unsere Lehre, die der Wett den Dekalog, den Montheismus, das Gebot der Nächstenliebe gegeben, sei unser Stolz, unsere Stärke, wie dies gerade die Chanukah-Tage so eindringlich bezeugen. Herr Rabbiner Dr. Maybaum hieß die Versammlung Namens des Rabbinats der jüdischen Gemeinde willkommen. Redner und seine Kollegen erblickten in der Einladung eine symptomatische Bekundung des innigen Zusammenhanges zwischen den Rabbinern und den Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur, deren Förderung jeder Rabbiner als eine seiner vornehmsten Aufgaben betrachten müsse. Die Vereine sollen mit dem Stolze wiedererfüllen über den Lehrinhalt unseres Bekenntnisses, mit dem Selbstbewußtsein über die hehre Mission des Judenthums, mit dem Bewußtsein des inneren und äußeren Zusammenhangs, der Einigkeit aller Söhne unseres Bekenntnisses. Daß die Pflege dieser Zwecke zugleich in dem Pflichtenkreise des Rabbiners eine bevorzugte Stelle einnehmen müsse, sei bereits in der ersten Tagung des „Rabbiner-Verbandes für Deutschland" zum Ausdruck gelangt, in dem der Referent, Herr Rabbiner Dr. Bogelstein-Stettin, .unter den Aufgaben des Verbandes die Pflege der Geschichte und Litteratur, die Errichtung von Vereinen und ihre Förderung nachdrücklich hervorhob. Aber es sei ein Anderes, ein Ziel als erstrebenswerth zu bezeichnen, ein Anderes, an seiner Verwirklichung thätig arbeiten. Letztere hätten die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Angriff genommen und damit ein hervorragendes Verdienst sich erworben. Sie bilden einen bedeutenden Markstein in der Geschichte des gegenwärtigen Judenthums. Jede Zeit schafft sich dürch die Gnade der Vorsehung die geeigneten Mittel; was früher das sogenannte „Lernen", die Erforschung der Thora angestrebt, geschehe heute erweitert in den Geschichts-Vereinen, aber nur formell sei es heute anders. Mit warmen Segensworten für die Begründer, die Führer und Leiter des Verbandes, für die Versammlung und ihre Berathungen schloß Redner seine eindrucksvollen Ausführungen. Herr Syndikus Dr. Minden, welcher Namens des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes das Wort nahm, erinnerte daran, daß der Bund bereits vor zehn Jahren die „historische Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland" eingesetzt habe, welche aber den Erwartungen, die ein Theil der deutschen Judenheit darin gesetzt, nicht ganz entsprach, weil ihre Thätigkeit zu hoch war, ihre Arbeiten die Laienwelt nicht genug interessirten. In diese Lücke seien die Geschichts-Vereine eingetreten. Die jüdische Geschichte und die jüdische Litteratur hätten den Vorzug vor anderen, daß sie mit der biblischen Zeit nicht aufhören, sondern bis in die Gegenwart hineinreichen. Es sei eine neidenswerthe Ausgabe der Vereine, die Kenntniß unserer Vergangenheit und unseres Schriftthums den Laien zu vermitteln, wissenschaftliche Tiefe mit populärer Klarheit zu verbinden, und diesem schönen Streben wünsche auch der D.-J. G.-B. volles Gelingen. Der Vorsitzende dankt den Rednern für ihre herzlichen Worte und fordert zur Wahl des Büreaus auf. Dasselbe, durch Zuruf gewählt, setzt sich folgendermaßen zusammen: Dr. Gustav Karpeles erster, Professor Dr. Horowitz-Thorn zweiter Vorsitzender, Dr. Eug. Merzbacher-München erster, Hähnlein-Bochum zweiter Schriftführer. - Zunächst erstattet der Vorsitzende den Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Der Verband wurde am 24. Dezember 1893 mit 29 Vereinen begründet. Heute sind es 83, welche sich über alle Theile Deutschlands erstrecken. Im Jahre 1891 bestanden nur drei Vereine, die Ausbreitung von Memel bis Metz sei sicherlich ein Verdienst des Verbandes. Die Vereine haben auch: in den religiös zerklüfteten Gemeinden die Einigung hergestellt und gefördert, in einzelnen überhaupt erst einen Zusammenhang unter den Mitgliedern herbeigeführt. Allerdings haften dem jungen Werke noch Mängel an, deren Beseitigung eben der Berbandstag berathen soll. Die sehr knappen Mittel haben nur eine sehr bescheidene Thätigkeit ermöglicht. .lieber 50 Schriften seien den Vereinen zugestellt, über 1000 Briefe mit Auskünften über Vortrags-Material rc. geschrieben worden. Von den 83 Vereinen habe kaum einer nicht den Rath und die Mitwirkung des Verbandes angerufen. Der Verband sei jetzt mit der Verwirklichung des Zwecks gemeinsamer Publikation durch Herausgabe eines „Jahrbuchs der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur" beschäftigt, das bereits 4000 Bestellungen aus den Vereinen aufweisen kann, in den nächsten Wochen erscheinen wird und, wie die Namen der Mitarbeiter beweisen, als eine hervorragende Leistung des Verbandes zu bezeichnen sei. Redner schildert die Schwierigkeiten, die der Begründung von Vereinen, leider auch von Denjenigen, die am ehesten berufen und verpflichtet sind, sie zu fördern, entgegengestellt werden, dann die Schwierigkeiten, die Vereine in kleinen Gemeinden lebensfähig zu erhalten. Letzteren müsse vor allem geholfen werden und werde durch Errichtung eines Fonds zur Aussendung von Wanderrednern am wirksamsten geschehen, welche deshalb seitens des Berliner Vereins beantragt werde. Redner empfiehlt die Errichtung von Vereins- Bibliotheken und Lesehallen und vor allem von Fortbildungs - Kursen, welche sich hier in Berlin und anderwärts als sehr segensreich erwiesen haben. Hauptaufgabe sei die Belehrung, deshalb müssen auch die Vorträge viel populärer gehalten und das Schwergewicht der Arbeit in die Diskussions-Abende verlegt werden. Hierauf erstattet der Schatzmeister des Verbandes, Herr Kommerzienrath Julius Jsaae, den Kassenbericht : Dem Verbände gehören 43 Ber-

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