Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- Seite 624 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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UUW 624 V'; ¥ V meinden — allein seit der Zerstörung, des Tempels und der Zerstreuung Israels anerkennen wir einen anderen Unterschied, den Unterschied zwischen Talmide-Chächamim und Arne ho-Örez, zwischen gelehrten, fach- und sachkundigen Männern und unwissenden, wenn auch vornehmen Leuten, welche letztere nimmermehr eine entscheidende Stimme haben dürfen bei religiösen, den Kern und das Wesen, die Entwickelung und die Zukunft des Judenthums betreffenden Beschlüssen, Einrichtungen und Fortbildungen. Wer mit Sicherheit im Leben einhergehen will, dem genügen nicht blos Beine, der muß auch Augen haben.' Wer aber sind die Augen, die wachenden, prüfenden, in die Ferne schauenden Augen der Gemeinden? Die Männer des Geldes oder die Männer der Thora? Die Häupter des Handels oder die Lehrer des Judenthums? Die Spitzen der Industrie oder die Führer Israels? Mit einem Eifer, der einer besseren Sache,werth wäre, wird in den großen israelitischen Gemeinden, unter dem Vorwände, keine jüdische Priesterherrschaft aufkommen zu lassen, in der That aber, um die eigene Herrschaft zu befriedigen, das Ansehen, der Einfluß und die Autorität der Lehrer in Israel unterwühlt und untergraben!" (Predigten I, 237—238). Wer ernstlich wünscht, daß das Judenthum gestärkt werde, muß dahin streben, daß die einzige Würde, die es zu vergeben hat, bedeutsamer und mit mehr Einfluß verbunden werde, oder es müßte von den Vorstandsmitgliedern einer jeden Gemeinde, die nach Ansicht des Herrn Makower den Geistlichen der christlichen Verbände entsprechen, eine eingehende Kenntniß des Judenthums und ein Leben in demselben, also rabbiyisches Wissen und religiöses Leben, verlangt werden. Mit der abstrakten „Lehre von der Einheit Gottes" und der „Vorschrift sittlichen Handelns" ist es nicht gethan, denn diese haben einen rein philosophischen Charakter und sind Rahmen,- welche beliebig ausgefüllt werden können. Jeder gebildete Christ kann sich mit gutem Gewissen zu beiden Lehren bekennen, da alle Dogmen ebenso philosophisch deutungssähig sind wie die Anthropomorphismen der Bibel. Der Vergleich mit den Verhältnissen der christlichen Bekenntnisse in Bezug aus Fortschritt und Reaktion ist nicht zutreffend. Die Männer der französischen Revolution, welche Laienverwaltung eingerichtet haben, und alle freisinnigen Männer, welche in diesem Jahrhundert dafür eingetreten sind, haben mit vollem Bewußtsein das Christenthum, namentlich die katholische Kirche, bekämpft. Diejenigen, ob Rabbiner oder Laien, welche unbeschadet ihres liberalen Sinnes und Kulturstrebens, oder gerade durch diese veranlaßt, ihr ihnen über alles erhabene Judenthum festigen wollen, werden immer dafür eintreten, daß der Rabbiner in jeder Gemeinde, wenn nicht Oberhaupt der Gemeinde, so doch Mitglied des Vorstandessei. Ich bin in der angenehmen Lage, darüber nicht pro domo sprechen zu müssen. Das in unserer Gemeinde nebst Bezirk geltende, von der Landesregierung genehmigte Statut enthält bezüglich des Oberrabbiners den Passus: „Der Oberrabbiner ist das geistliche Oberhaupt der Gemeinde, und obliegt ihm daher die Vertretung derselben in allen jenen Fällen, in welchen sie als konfessionelle Körperschaft nach außen auftritt. Ferner obliegt ihm die selbständige Leitung und Beaufsichtigung aller gottesdienstlichen Funktionen, die Entscheidung in allen den Kultus betreffenden Fragen, die Aufsicht über den israelitischen Religionsunterricht rc. rc." Essegg (Oestr.-Ung.), 13. Dezember. Oberrabbiner Dr. A. Käminka. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^^estatten Sie mir, zwar einem Unmaßgeblichen, einige Worte zu Ihrem letzten Artikel: Die Chanukah-Hymne. Die Anregung des Kollegen Dr. Meyer habe ich schon seinerzeit mit vieler Freude begrüßt, weniger stimme ich seiner Behauptung, daß die ihm eingesandten Hymnen „den weitgehendsten Ansprüchen nach einer volksthümlichen und (!) für Kinder leicht faßlichen Uebertragung genügen", zu. Ich vermeine, daß ein Jrrthum vorliegen muß. Herr Kollege Dr. Meyer spricht von Kindern, notabene von solchen, die des Hebräischen noch nicht mächtig sind. . Ich frage alle vorurtheilsfreien Leser der „A. Z. d. I.", ob für solche Kinder die abgedruckten Hymnen geeignet sind, ja faßlich sein können? Aber diese Hymnen sind — meiner Meinung nach — mit Ausnahme jener des Herrn Rektors Horwitz, der ich überhaupt alles Lob zolle auch nicht volksthümlich, weder volksthümlich in der Fassung des Stoffes, noch iit^den Ausdrücken. Bor allem sind alle die Hymnen zu lan g, ich glaube, daDdie Popularität der Hymne durch Kürze gewinnt. Ferner tritt die Tendenz des Liedes zu wenig zu Tage. Endlich vermeine ich, daß es eigentlich mehr auf die Erhaltung der Melodie als auf die Erhaltung des Liedtextes ankommt, und daß deshalb ein kurzer, schmiegsamer Liedertext das Hauptsächlichere sein müsse. Nicht etwa als Muster — solcher Unbescheidenheit zeihe man mich nicht! — sondern als Beispiel, wie ich mir die Hymne vorstelle, diene der nachstehende Versuch, der (nebenbei gesagt) auch das Akrostichon des Originals wiedergiebt: Mächt'ger Schild, der niemals bricht. Dir fließet , meiner Lieder Quell, O Gott, der stets sein strahlend Licht Rausstrahlet über Israel! Da es entfloh vor Pharao, Die Finsterniß Aegyptens ließ, Ei, da entbrannt am Firmament Die Lichtessäule flammend hell! Alsdann ob schwerer Sündenzahl' Zerfiel Jerusch olaims Pracht, _ Drang wieder, Herr, dein Licht es-Strahl In der Verbannung finstre Nacht. Und allbekannt ist jedem Land Die fromme Mär', wie Gott der Herr Durch Mordechai bricht Tyrannei Und Licht in Persien entfacht. Und da Syriens Heerschaar droht. Chaotisch Thurm und Mauer bricht, Auch der Tempel kommt in Noth, Ja, schier verlöscht das ew'ge Licht — Ein Wunder, sieh'! Es löscht doch nie! Der Feind erliegt, und Hasmon siegt! Drum unser Dank acht Tage lang Singt dieses Lichtfest's Melodie! Ich wiederhole, Herr Redakteur, daß ich lediglich eine Anregung gegeben haben möchte, daß ich die Punkte und die Richtung bezeichnet 'wissen wollte, die bei einer wirklich mustergiltigen Chanukah-Hymne zu beachten wären: Benutzung des Inhalts, präzise Fassung in moderne, aber volksthümliche Sangesweise und doch Pietät gegen den Autor! Vielleicht trifft es jetzt ein Anderer so, wie ich. es meine. Brüx, im Khislew 1897. Advokat Dr. Weiß. * Sehr geehrter Herr Redakteur! tie man mir mittheilt, soll Herr Jacoby nicht, wie es in meinem letzten Berichte über die Repräsentantenversammlung heißt, gesagt haben: „Die Thätigkeit der Fürsorgekommission habe sogar der Minister zur Nachahmung den anderen Konfessionen empfohlen." Der Passus soll vielmehr so gelautet haben: „Der Justizminister habe die Fürsorge der Familien der Jnhaftirten anempfohlen. Dieselbe wird von der Fürsorgekommission der jüdischen Gemeinde schon.lange besonders gepflegt." Zur Vermeidung von Mißdeutungen bitte ich Sie, dieser Berichtigung freundlichst Raum gewähren zu wollen. In vorzüglicher Hochachtung S. * tebersetzungen der Chanukah-Hymne „Moaus Zur jeschuossi" sind noch mehrere erschienen, so von Dr. S. I. Kaempf in dem von ihm heräusgegebenen Gebetbuche, von Dr. W. A. Meisel im Versmaße des Originals, von mir vor mehreren Jahren veröffentlicht in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", 1884, Seite 818 f., von Leo Jeiteles im Araber Jahrbuch. Seite 347, von M. Lehmann in Hirsch, Jeschurun III, 201. u. A. Budapest, 19. Dezember. Dr. M^ Kayserling. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für tue Redaktion: Max Bauch witz in Berlin.