Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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^gfpipaf^ Meyer, Fabrikant, Aachen, Moritz Hanf, Bankier Witten: Der Bericht macht, soweit es sich nm die Arbeit des Seminars und des Vereins handelt, einen sehr guten, , so weit es aber die Förderung durch Gemeinden und Wohlthäter angeht, einen recht betrübenden Eindruck. Wir unterstützen deshalb die Bitte des Kuratoriums, dieser, alten und bewährten Anstalt erhöhte Theilnahme und thatkräftige Förderung angedeihen zu lässen, auf das Dringlichste. Düsseldorf, 9. Dezember- In der Sitzung des Bezirks-Ausschusses vom 7. d. Mts. klagte Rabbiner Dr. E. David gegen den Gemeindevorstand wegen Veranlagung zur Gemeinde-Einkommensteuer pro 1896/97. Im Jahre 1878, am 8. Oktober, faßten die Stadtverordneten den Beschluß, daß die Rabbiner hinsichtlich ihres Einkommens als solche den katholischen ' und evangelischen Geistlichen gleich zu achten und steuerfrei zu lassen seien. Diesem Beschlüsse entsprechend, wurde der Rabbiner mit seinem Diensteinkommen während 10 Jahren nicht zur Kommunal- und Einkommensteuer herangezogen, pro 1896/97 trat dieser Fall bei Rabbiner Dr. David indessen ein; man berief sich dabei auf eine Ministerial- Vecsügung aus dem Jahre 1861, wonach die.Rabbiner bei der Veranlagung zur Gemeinde - Einkommensteuer nicht den sreizulassenden Geistlichen zuzuzählen sind. Rabbiner Dr. David begründete seine Klage, indem er ausführte, daß die angezogene Ministerial - Verfügung hier nicht maßgebend sein könne, sondern daß der Gemeindevorstand gehalten sei, den genannten Stadtverordneten - Beschluß zu beachten. Die Klage erfuhr Abweisung! Der fragliche Stadtverordneten- Beschluß bedeute einen Verzicht der Gemeinde und hätte demgemäß der Genehmigung der Aufsichtsbehörde bedurft. Letzteres war nicht der Fall, der fragliche Beschluß mußte also als ungiltig angesehen werden. E. Darmstadt, 12. Dezember. Das Rabbinat der hiesigen Gemeinde, welches infolge der vom Ministerium verfügten Theilung seines bisherigen Bezirks s. Zt. zur Besetzung ausgeschrieben wurde,, ist Herrn Rabbiner Dr. Selver übertragen worden. Von einer Berufung anderer Kandidaten wurde abgesehen. Dadurch werden hoffentlich alle Unzuträglichkeiten, welche mit dem bisherigen vieljährigen Provisorium für Herrn Dr. Selver sowohl wie für die Gemeinde nothwendig verknüpft waren, beseitigt werden. 8! Westhofen i. E., am 6. Dezember. Bei dem am 1. d. Mts. stattgefundenen Leichenbegängnis des ehrwürdigen Rabbiners Lazarus strömte von Nah und Fern eine zahlreiche, gerührte Menge, Männer aller Konfessionen, herbei, um dem höchst geachteten Geistlichen das letzte Geleit zu geben. Tief empfundene Abschieds- und Trauerreden wurden gehalten : in dem Sterbehause durch den ältesten der anwesenden Kollegen, Herrn Rabbiner Roller von Barr; in der Synagoge durch Herrn Ober-Rabbiner Weil von Straßburg; auf dem Friedhofe durch Herrn Rabbiner Blum aus Pfalzburg, ehemaliger Amtsnachfolger des. Heimgegangenen in Schirrhofen; durch Herrn Pfarrer Kiefer aus Ballbronn; durch Herrn Arthur Moch, Mitglied des. Konsistoriums, Namens des Konsistoriums; Herr Lehrer Kaufmann, im Namen der Gemeinde, sagte das letzte Lebewohl. Der edle protestantische Pfarrer Kiefer gab seinen Gefühlen folgenden Ausdruck : „Noch ein Wort lasset mich, bevor diese Gruft sich schließt, dem lieben Verstorbenen Nachrufen, ein warmes Wort der Dankbarkeit, wie es der Heimgegangene verdient. Rabbiner Lazarus war vor mehr denn 33 Jahren Mein erster Lehrer im Hebräischen, er stand damals in Schirrhofen, zu seinem Rabbinat gehörte Bischweiler, wo mein seliger Vater protestantischer Pfarrer war. Mein Vater schätzte hoch die große Herzensgüte, die tiefen theologischen Kenntnisse des Verewigten. In einer langen Reihe von Jahren war ich mit ihm durch innige Freundschaft verbunden. Ein Mann, so schlicht in , seiner äußeren Erscheinung, so einfach, so bescheiden, aber so voll von Biedersinn, von Begeisterung für alles, was wahr, was gerecht, was edel, ein treuer Anhänger seiner Religion, aber doch mit einem Herzen voll von Duldung, von Verständniß auch für fremde Ansichten. Die Religion galt ihm als die Führerin zur Gottesliebe und Nächstenliebe, d. h zur allgemeinen Menschenliebe. Nicht trennen sollen die Religionen, daß die Menschen sich hassen und zerfleischen, sondern einigen und verbrüdern. Sein Bestreben war nur darauf, gerichtet, durch Leben, Beispiel, Aufmunterung Und Lehre die Erkenntniß der ewigen Wahrheiten, welche für das Reich Gottes geschickt machen, zu wecken und zu fördern. So hat er unter Euch gewirkt, das war ein Segen, womit ihn Gott geschmückt hatte. Von dem Arbeitsfeld hat ihn jetzt der Herr der Ernte abgerufen. Von der Welt unscheinbar, von dem gnadenreichen Vergelter aber nach dem Worte belohnt: Die Lehrer - werden leuchten wie der Himmelsglanz, und die Viele zur Gerechtigkeit gewiesen haben, wie die Sterne immer und ewiglich. Er ruhe in Frieden!" - Oesterreich-Ungarn. Q Wien, 13. Dezember. In Prag ist Ruhe eingekehrt, die armen jüdischen Geschäftsleute jedoch, denen ihre geringe Habe zerstört wurde, sind vollständig zu Grunde gerichtet, und es wird Sache der österreichischen Regierung sein, sich ihrer anzunehmen. — Ein seltenes Zeichen von Toleranz gab jüngst der Probst Graf Pongracz in Vägujhely, der seine Zuhörer von der Kanzel aus aufforderte,, an dem Leichenbegängnisse des im sechsundachtzigsten Lebensjahre verstorbenen, durch Gelehrsamkeit und Humanität ausgezeichneten .Rabbiners von Waag-Neustadt, Josef Weisse, theilzunehmen. Während des Begräbnisses wurden alle Kirchenglocken geläutet. — In Prag wurde der Herausgeber eines antisemitischen Blattes wegen Kautionsschwindeleien verhaftet. — In Kopreiniz in Slovenien wurde der jüdische Kandidat Dr. Ludwig Schwarz bei der Ergänzungswahl in den Landtag gewählt, während der antisemitische Gegenkandidat in der Minorität blieb. — Der Kaiser hat zu Assistenzärzten in der Armee ernannt die Doktoren: Richard Taußig, Arnold Zilzer, Theodor Stern, Siegmund Hirsch, Maximilian Jerusalem u. v. A. : 8. Budapest, 12. Dezember. Geheimrath Professor Eswarch hat während seiner Anwesenheit in Budapest auch das jüdische Spital > und das Adöle Brüdi-Kinderspital besucht. Die von dem gefeierten Gaste aufgenommenen Eindrücke waren die besten. Professor Esmarch hat sich über die mustergiltigen, bisher unerreichten Einrichtungen beider Anstalten einem Berichterstatter gegenüber in Worten des höchsten Lobes ausgesprochen. —' Die ungarische jüdische Litteraturgesellschaft half endlich einem dringenden Bedürfnisse ab. In einigen Tagen , verläßt nämlich als erster Theil der ungarischen Bibelübersetzung die! Uebersetzung des Pentateuch die Presse. Die Uebersetzung besorgte: Rahbiner Dr. B. Bernstein-Steinamanger, dem sich Prof. Dr. Wilhelme Bacher, Direktor Dr. I. Bänoczy und die Professoren ^)r. L. Blau und' Dr^ S. Krausz als Mitarbeiter zugesellten. Der Direktionsrath der: Litteraturgesellschaft faßte den löblichen Beschluß, je 100 Exemplare' ihrer Editionen an die ungarischen Kulturvereine in der Provinz zur Bertheilung an fleißige Schüler zu senden. Das jüdische Spital und> d.ie Budapester Gefängnisse erhalten je zwei Exemplare ihrer Editionen. — Im Verein der jüdischen Handwerkerlehrlinge und Geschäftsangestellten in Neupest werden wöchentlich Vorlesungen abgehalten. Rabbiner Dr. L. Veneti aner, der den Verein ins Leben rief, eröffnete den Reigen derselben. Dr. S. Lichtmann las über das ewige Leben, Dr, Julius Weiß bürg über die Arbeit und Arbeiter der Juden in der Vergangenheit und Zukunft. o°o Waag-Neustadtl, 11. Dezember. Unsere Gemeinde nicht nur,, sondern das gesammte Judenthum hat einen unersetzlichen Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Rabbiners Josef Weisse, der hier am 2. d. M. nach 63jähriger, reich gesegneter Wirksamkeit verschieden ist. Seine Arbeiten auf dem Gebiete der rabbinischen Litteratur, der hebräischen Sprachforschung und Bibelexegese sind Zeugnisse seines: großen Wissens, seines reichen Geistes. Er schrieb ein klassisches Hebräisch und war der letzte der österreichischen Biuristen. In seinem Nachlasse müssen sich überaus werthvolle Arbeiten zur Geschichte der Juden in Mähren befinden, mit der er sich zeitlebens beschäftigte. Nicht weniger groß sind seine Verdienste um Gemeinde und Schule hier gewesen.. Seinem unermüdlichen Pflichteifer, seiner hingebenden Liebe und seiner ausgebreiteten fachwissenschaftlichen Bildung gelang es, die nicht: geringen Schwierigkeiten zu beseitigen und drei blühende Lehranstalten,, eine Volks-, Mädchenbürger- und Realschule, ins Leben zu rufen. Vom Jahre 1862—1879 war er Direktor dieser Schule. Ein warm gefühltes Anerkennungsschreiben des Kultusministeriums legt Zeugniß ab für die selbstlose, segensreiche Thätigkeit des Verblichenen. Seine Liebe zu dem Institute und sein unermüdlicher Thatendrang bewogen ihn, seirr Wissen und Können bis in sein 8O: Lebensjahr dieser Anstalt als Religionslehrer zu widmen. Ebenso gewissenhaft und segensreich erfüllte er seine ..