Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wendung jüdischer Volksschullehrer im öffentlichen Schuldienste zu erreichen?" (Becker-Wollstein.) b. „Nebenbeschäftigung jüdischer Lehrer." (Hopp-Kurnik.) Korreferat hierzu. (Behle-Liffa.) 5. Anmeldung von Vorträgen für Die nächste Versammlung. 6. Tag und Ort der nächsten Versammlung. 7. Anträge von Mitgliedern. Nach der Sitzung gemeinsames Mahl.:-/. n. Strelno, 6. Dezember. Zur Beruhigung der Antisemiten, daß bei den Stadtverordnetenwahlen in der Provinz Posen die Juden nicht überall mit den Polen sich zusammengeschlossen, diene die Nachricht, daß die Polenfreunde in hiesiger Stadt schon Wochen vorher auf den jüdischen Prediger einzuwirken gesucht, um ein Kompromiß der Juden und Polen zu erzielen, wofür drei Juden gewählt werden sollten. Das Anerbieten war insofern verlockend, als mit den zwei Juden, die berejts dem Kollegium angehören, fast eine jüdische Majorität geschaffen wäre; wir haben aber freiwillig auf das dritte Mandat verzichtet und Haben geschlossen mit den Deutschen gewählt, einzig und allein, um das Deutschthum nicht zu schwächen. Gewählt wurden die Herren Apotheker S. Schlesinger und Kaufmann Abr. Lippmann. K. Hannover, im Dezember. Die Erziehungsanstalten Ahlem hat im letzten Jahre einen solchen Aufschwung genommen, daß die bisher benutzten Räume sich als unzureichend erwiesen, und der Vorstand und das Kuratorium sich zur Erweiterung durch einen Neubäu mit Hintenansetzung aller Bedenken wegen der daraus erwachsenden Schuldenlast entschließen mußten. Die Aula des neu aufgeführten Gebäudes, das schon seit einiger Zeit unmittelbar nach der Fertigstellung in Benutzung genommen war, wurde am 28. November in festlicher Weise eingeweiht. Mit dieser Feier sollte zugleich dem Gründer der Anstalt, Herrn Konsul M. A. Simon, dem in seiner Bescheidenheit und Einfachheit jede äußere Anerkennung zuwider ist, ein dauerndes Zeichen der Würdigung gegeben werden, und, ohne daß er eine Ahnung davon hatte, hatten Mitglieder des Vorstandes und des Kuratoriums sein Bild nach einer Photographie in großer Ausführung Herstellen lassen, das an diesem Tage, seinem sechzigsten Geburtstage, als Schmuck der Aula enthüllt werden sollte. Nach einem Begrüßungsgesange der Zöglinge und Kinder der Anstalt folgte die Ansprache, des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann, der zunächst auf die großen Schwierigkeiten hinwies, welche Herr Konsul Simon zu überwinden hockte, bis die zur Ausführung zu bringende Idee, Juden zum Ackerbäu und zur Bodenkultur zu erziehen, nun in engeren und weiteren Kreisen Boden gefaßt habe. Der Name „Ahlem" — bisher ein kleines unbekanntes Dorf — werde heute bereits weit und breit, über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinaus mit Achtung genackstt, und von den fernsten Gegenden eilen.Jünglinge hierher oder werden von der ^hierher gesandt, um sich für den von unseren Vätern hochgehaltcnen und eifrig gepflegten Beruf des Ackerbauers vorzubereiten — um die von den Völkern uns verstopften Brunnen wieder zu erschließen. Heute, wo dieser Raum zugleich auch als' Betsaal zu einer höheren Bedeutung geweiht würde, bringe ihm die Anstalt ihren wärmsten Dank und ihre herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstage, die in dem einen Wunsche gipfelten, daß er zum Segen und Heile der Anstalt und der Gesammtheit iwch viele Jahre wirken möge. Alsdann wurde das Bild enthüllt, das der Gefeierte mit sichtlicher Ueberraschung und Bewegung lange betrachtete. Die Zöglinge feierten alsdann ihren Freund und gratulirten ihm in einem ergreifenden Gesänge, worauf Herr Justizrath Dr. Berend, der Vorsitzende des Kuratoriums, im Namen des letzteren in markigen Worten gratulirte und die Anstalt, die durch die rastlose Arbeit des Gründers auf eine solche Höhe gebracht sei, dem Wohlwollen und der Förderung Aller empfahl, damit sie zum Heil und Segen des Gesammt- Judenthums, zu immer größerer Vervollkommnung emporsteige; Frau Baurath Oppler überbrächte in herzlicher, liebenswürdiger Weis Namens der Mitglieder des Damen-Komitees, welches die innere Leitung der Anstalt überwacht, ihre Glückwünsche und überreichte einen prachtvollen Chanukahleuchter für die Anstalt als Geburtstagsgeschenk. Der Leiter der Anstalt, Herr Silberberg, gratulirte im Namen der Lehrer und der Angestellten und entwarf ein Bild von dem Leben und Arbeiten in diesen Räumen und dankte Herrn Konsul Simon besonders für die Theilnahme, die er an Allem und Jedem nähme. Es folgten noch Ansprachen seitens des Herrn Federlein Namens der anwesenden Repräsentanten der Gemeinde, des Herrn Rechtsanwalt G. Heinemann 2 Namens der Zion-Loge, deren Mitglied Herr Simon ist. Auch vön auswärtigen Logen und Freunden waren Gratulationen selbst mit Beiträgen und Geschenken für die Anstalt eingelaufen, so 300 Mark von der Frankfurt-Loge, die stets das regste'Interesse für die hier verfolgten Ziele bekundet. Herr Alphons Jacobson spendete 1000 Mark, deren Zinsen alljährlich an diesem Tage an die zwei besten Lehrlinge und zwei besten Schüler vertheilt werden sollen, wie es sofort geschah. Ein Mitglied unserer Gemeinde, das nicht genannt sein wollte, spendete 100 Mark und ein anderer Herr erklärte, daß ein jeder Lehrling und ein jeder Schüler — ca. 70 — zur Erinnerung, an diese Stunde ein Sparkassenbuch mit 5 Mark von ihm erhalten solle. Herr Konsul Simon, der sich unerwartet und unvermuthet als Mittelpunkt dieser Ovationen sah, dankte tiefbewegt und wies das Verdienst, das man ihm allein zuschrieb, als unverdient zurück, auch seinen Mitarbeitern, besonders Herrn Alphons Jacobson, gebühre ihr voller Antheil. Er ermunterte die Zöglinge zum Fleiß und versprach ihnen sein und der Anstalt immerwährendes Interesse und Unterstützung auch für ihre spätere Laufbahn. Zu diesem Zweck spendete er 1000 Mark zu einem Unterstützungsfond für entlassene Zöglinge. Der Eindruck der ganzen Feier war ein erhebender-und Alle verließen die Anstalt mit den besten Wünschen für deren Gedeihen. ' M. Münster, 13. Dezember. Soeben ist ausgegeben worden der 38. Bericht über die Marks-Haindorf'sche Stiftung zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden, welche das hiesige jüdische Lehrerseminar enthält. Der Bericht umfaßt die Jahre 1894 bis 1897. Der Rückblick ist leider kein besonders erfreulicher. Die Kassenverhältnisse sind nach wie vor recht kümmerliche und dabei derart schwankende, daß die Geschäftsführung darunter leidet und die Entwickelung des Instituts dadurch gehemmt wird. Dabei hat der Verein dauernde, schwere Lasten und Verpflichtungen durch Verjüngung des Lehrkörpers und Penfionirung. der älteren Kräfte übernehmen müssen, aber dem gegenüber keine genügenden und sicheren Einnahmen. Die GesammtausgabeN betragen nach dem Etat im Durchschnitt etwa 22 000 Mark, davon werden aufgebracht durch Staatszuschuß 6000 Mark, Zinsen des Grundvermögens und Miethe ca. 4500 Mark, Gemeindebeiträge ca. 4000 Mark, Sammlungen und Spenden Einzelner ca. 1800 Mark, Hebungen von jetzigen und ehemaligen Schülern ca. 1500 Mark, Zinsen des Pensionsfonds ca. 300 Mark, Ueberweisung aus dem Bauschuldenfonds ca. 1100 Mark, aus dem Verein zur Unterstützung der Marks-Haindorf'fchen Stiftung circa 2800 Mark. Der Verein wendet sich daher nochmals ausdrücklich an alle Gemeinden mit, dem dringenden Ersuchen, die Beiträge für die Stiftung auf die doppelte Höhe zu bringen und diese Bewilligung gleich für die Dauer von etwa 10 Jahren auszusprechen, damit endlich eine gesundere Grundlage für den Bestand derselben geschaffen wird. Es ist eine Ehrenpflicht, der sich keine Gemeinde, mag sie heißen, wie sie wolle, entziehen darf. Der abgelaufene Zeitabschnitt war in erster Linie dem inneren Ausbau des Seminars gewidmet, nachdem dasselbe unter die Leitung des Seminardirigenten Herrn Dr. Gutmann gestellt worden ist. Der Besuch der Anstalt ist während der Berichtszeit annähernd der gleiche wie bisher gewesen, und zwar betrug die Durchschnittsbesuchsziffer der Seminar- Elementar- Religions-Klassen 1894/95 12 45 28 85 Schüler wovon ganz unentgeltlich 10 23 — 33 „ 1895/96 14 50 24 =88 „ wovon ganz unentgeltlich 11 21 — ----- 32 „ 1896/97 15 53 II wovon ganz unentgeltlich 16 20 - 30 „ Die Erfolge auf dem Gebiete der Unterbringung von Handwerkslehrlingen sind in der Berichtszeit keine bedeutenden gewesen. Das Institut mußte sich im Uebrigen auf die Fürsorge für die früher untergebrachten bezw. ausgebildeten Lehrlinge beschränken. Im Allgemeinen lauten die Berichte über die Lehrlinge günstig. Das Kuratorium besteht zur Zeit aus folgenden Herren: Präses: F. Blumenfeld, Rentner, Münster; stellvertretender Präses: Justizrath und Notar Hertz, Münster; Kuratoren: Moritz Katzenstein, Bankier, Bielefeld, C. S. Lehmann,-Fabrikant, Köln, Josef Jsaac, Bankier, Dortmund, Moritz Beer, Bankier, Essen; stellvertretende Kuratoren: Justizrath und Notar Hertz, Münster, Feödö