Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufgabe als Seelsorger. Er huldigte dem im Geleise der religiösen Vorschriften sich bewegenden Fortschritte. Dadurch gelang es ihm, die Eintracht und den Frieden in unserer Gemeinde zu erhalten. Wie hoch in Ehren der Verblichene in allen Schichten der Bevölkerung stand, zeigte seine Leichenfeier, bei welcher alle Konfessionen und zahlreiche israelitische Gemeinden verschiedenster Observanz vertreten waren. Zwölf Redner' verliehen der allgemeinen Trauer Ausdruck, unter denen Dr, Sonnenfeld, Vorsteher, und Dr. Mandl, Prediger unserer Gemeinde, in ungarischer Sprache die hohen Verdienste des edlen Verstorbenen würdigten. Bisher Haben mehr als 100 Gemeinden Kondolenzen gesendet. Ein Sohn des Verstorbenen ist Herr Rabbiner Dr. Weisse in Berlin, ein anderer der bekannte Schriftsteller Dr. Arnold Weisse in Wien. Möge das Andenken des Gerechten zum Segen sein! (Auch wir beklagen in dem theuren Dahingeschiedenen einen edlen Gönner, dessen Andenken wir stets heilig und theuer halten werden. Die Red.) Asten. üs. Bombay, im November. Unsere Gemeinde hat einen schweren . Verlust zu beklagen, denn am 17. November starb der Subedar Major Sirdar Bahadoor Moses Benjamin im Alter von 67 Jahren. Der Verstorbene, ein Bene Israel, entstammte einer Familie von Soldaten. Sein Vater und sein jüngerer Bruder wurden Kapitän in der Eingeborenen-Armee in Indien, sein älterer Bruder brachte es, wie er selbst, zum Range eines Sirdar Bahadoor, entsprechend dem Oberstenposten bei den europäischen Truppen, und sein Sohn David Moses ist auch bereits Kapitän. Moses Benjamin trat als Rekrut ein und stieg von Stufe zu Stufe im 12. Bombay-Eirigeboretten-Jnfanterie-Regiment, und während des Aufstandes waren die Frauen und Kinder der europäischen Offiziere des Regiments seiner Obhut im Lager von Deesh anvertraut, 1865 wurde er Kapitän, 1878 Major, 1881 Oberst. Er hat viele Schlachten mitgemacht, für seine Tapferkeit in dem Kampfe bei Bunaß eine silberne Tapferkeitsmedaille erhalten und noch zwei andere Medaillen, sowie den Orden der indischen Krone 1. Klasse erworben. Sein Begräbniß fand mit allen kriegerischen Ehren statt, zugleich begleitete den Leichenzug fast dir ganze Gemeinde der alten Synagoge, deren verdienstvoller Präsident der tapfere Offizier viele Jahre gewesen ist. — Infolge des abermalige heftigen Auftretens der Pest haben Sammlungen, stattgefunden, um ein jüdisches P e st s p i t a l einzurichten, doch haben diese Sammlungen nur 700 Rupien ergeben, wovon. Mr. Jacob E. Sassoon allein zweihundert beigetragen hat. f Kon Nah und Fern. / ----- Am 21. d. M. begeht das Ehepaar Josef und Rosalie Gortatofski das Fest seiner diamantenen Hochzeit. Das Paar, welches 60 Jahre in glücklichster Ehe lebt, ist hier hochgeachtet, da es sich durch religiösen Sinn und Leben ausgezeichnet hat. Herr Gortatofski war lange Zeit in Karthaus bei Danzig jüdischer Kultusbeamter. Die Beschwerde der Gemeindeorgane der Sophienkirche beim Evam gelischen Oberkirchenrath gegen das Konsistorium wegen Versagung' der Berufung des zum zweiten Mal gewählten antisemitischen Predigers Jskraut ist, wie nach der „Kreuzzeitung" verlautet, vor Kurzem ab-. lehnend beschieden worden. — Ahlwardt giebt jetzt eine wöchentlich erscheinende Zeitung unter dem Titel „Das deutsche Schwert" heraus. — Amtsgerichtsrath Seligsohn aus Charlottenburg hat feiner Heimathgemeinde Samotschin anläßlich des jüngst in hohem Alter erfolgtest Ablebens seiner Mutter im Namen seiner übrigen Geschwister 200 All., zur Vertheilung an Arme ohne Unterschied der Konfession übersandt. Im November 1896 hatte das von dem Oberverwaltungsgerichtsrath Schultzenstein und. Hoskammerrath Keil herausgegebene VerwaltungH archiv zwei Preise von je 1000 Mark für .zwei gestellte Aufgaben ausgeschrieben. Das aus den Herren Staatsminister Herrfurth, Oberverwaltungsgerichtsrath Schultzenstein und Geh. Rath Professor Dr. Löning bestehende Richterkollegium hat nun in diesen Tagen seinKp Spruch gefällt. Mit 1000 Mark wurde prämiirt Referendar Dr^ jur^ Fritz Stier-Somlo.in Berlin (Die Pflicht.des Eigentümers zur Erhaltung seines Eigenthums in polizeigemäßem Zustande). Die Arbeit erscheint im nächsten Hefte des Verwaltungsarchivs. — JnErone a. d. Br. ' feierte der Beigeordnete Alex. Cohn mit seiner Gattin die^silberne Hochzeit unter allgemeiner Theilnähme der jüdischen Gemeinde, deren langjähriger Korporationsvorsteher er ist, des Magistrats, der Stadtverordneten und der ganzen Gemeinde. —' Die Antisemiten haben sich am 7. Dezember in der-ersten sächsischen Kammer eine wohlverdiente Niederlage geholt- Bekanntlich ist es' eine ihrer Lieblingsideen, den Schulchan Aruch auf Staatskosten übersetzen zu lassen. Durch diese Uebersetzung soll bewiesen werden, daß die Juden noch jetzt wesentlich andere Moralgrüude haben als die Christen. Auch die erste sächsische Kammer war mit einer Petition behelligt worden, Buch übersetzen zu lassen. ' Der Einzige, der sich dafür ins Zeng legte, war Graf zur Lippe-Baruth! — In Aschaffenburg ist Distriktsrabbiner Simon Bamberger, ein durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneter Mann , nach längeren Leiden gestorben. — Die Baronin Hirsch spendete sämmtlichen bei den orientalischen Bahnen angestellten Arbeitern, welche länger als sieben Jahre dienen, ein volles Jahresgehalt. Die Spende macht eine Million Francs aus. — Ein gewisser H. Litwin, ein geborener Jude, in Petersburg hat nach seiner Taufe judenfeindliche Artikel in der „Nowoje Wremja" veröffentlicht, gleichzeitig aber unter dem Namen H. Efron eine Novelle „Mein Onkel" im jüdischen Blatte „Woschod", worin er das jüdische Familienleben preist! — In Petersburg wurde am 28. v. Mts. das neue Gebäude für die Schulen (für Knaben und Mädchen) der Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden in Rußland eingeweiht. Reden hielten die Gehilfen des Bolksaufklärungsministers Geheimrath Anitschkoff, des Lehrbezirkskurators Geheimrath Kapustin und des Präsidenten der Stadtverwaltung Geheimrath Ratkoff-Roschnoff. Alle Drei drückten ihre Freude über die Fortschritte der jüdischen Bildung aus unv wünschten ihren „Mitbürgern mosaischer Religion" die besten Erfolge sowohl in gesellschaftlicher als staatlicher Beziehung. Zur Zeit werden zusammen 330 Schüler (180 Knaben und 150 Mädchen) unterrichtet. Die Schulräume sind ungefähr auf 600 Kinder berechnet., AßeMmkosten beliefen sich auf ungefähr 130000. Rubel, die alle aus Freiwilligen Spenden zusammengebracht waren. — Die Jewish Colonisation Association hat zur Vergrößerung der jüdischen Handwerkerschulen in Minsk 15 000 Rubel und zum Ankauf von Handwerksgeräthen 2400 Rubel und als Jahresbeitrag 2000 Rubel beigetragen. — In New-Iork starb am 15. November der Kapitän Leopold Levy, ein früherer Bürger - von Richmond in Birginien, der im Sezessionskriege auf Seiten der Südstaaten keine unbedeutende Rolle spielte. General Stuart, der auf ihn aufmerksam geworden war, verwendete den kühnen Reiter als seinen eigenen Adjutanten zu allerlei gefährlichen Botschaftsräten, bei einem solchen fiel er aber im Mai 1863 in die Hände der Unionstruppen, wurde nach Washington geführt, unterwegs aber so schlecht behandelt, daß er dienstunfähig wurde. Ausgewechselt, konnte er nur noch als Quartiermeister sungiren, welchen Posten er bis zum'Ende des Krieges inne hatte. — Interessante Ziffern sind über die^jüdischen Bauern in Amerika veröffentlicht worden. Demnach bestehen^ in Kanada 85 Farms mit 18 000 Acres Terrain (werth 100 000 Dollars), in New-Iersey 460 Farms mit 10 000 Acres Terrain (werth 600 000 Dollars), in Connecticut 418 Farms mit 30600 Acres Terrain (werth 600000 Dollars). Dazu kommen noch einige einzelne jüdische Bauern in Lang Island, bei Kansas City, bei Chicago und St. Paul, so daß die Gesammtzahl der jüdischen Bauern auf 1000 Familien, ihr Besitz auf 80 000 Acres und das für dieses aufgewendete. Kapital auf 1250 000 Dollars geschätzt wird. — Die Absetzung des früheren Gouverneurs von Jerusalem wurde durch den Chacham Baschi dieser Stadt bewirkt. Als nämlich Ibrahim Pascha kürzlich die Rechte der Juden bei dem Streit um das Begräbniß der im Missionsspital gestorbenen Jüdin so gröblich verletzte, wandte sich der Chacham Baschi von Jerusalem telegraphisch an den Chacham Baschi in Konstantinopel- und dessen Intervention bewirkte die sofortige Abberufung Ibrahim Paschas. Ganz gegen türkische Gewohnheit wurde er telegraphisch abberüfen mit dem Befehl, noch an demselben Tage die /Stadt zu verlassen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, Verantwortlich.für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.